- 27.09.2010, 19:38:26
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Roten müssen (blaue) Farbe bekennen" (von Eva Weissenberger)
Ausgabe vom 28.09.2010
Graz (OTS) - Schreibt man über Rot-Blau, muss man drei Dinge
vorausschicken: Der FPÖ steht in der steirischen Landesregierung in
jedem Fall ein Sitz zu. Aus der Sicht Franz Voves' ist es
machtpolitisch richtig, wenn er damit kokettiert, sich von den
Freiheitlichen zum Landeshauptmann wählen zu lassen. Er hat es vor
der Wahl nicht ausgeschlossen, dumm wäre der Landeshauptmann, würde
er ausgerechnet jetzt damit beginnen. Die FPÖ-Karte ist sein einziges
Ass beim Poker mit der ÖVP, vielleicht träumt Voves ja sogar davon,
einen Spieleraustausch im gegnerischen Team erpressen zu können. Und,
drittens, wahrscheinlich bleibt am Ende alles beim rot-schwarzen
Alten.
Trotzdem muss die SPÖ, auch und vor allem die Bundespartei, nun Farbe
bekennen. Was bedeutet der Beschluss, mit dem sie sich eine Koalition
mit der FPÖ verbietet: Muss es eine Zusammenarbeit mit Brief und
Siegel sein? Die steirischen Freiheitlichen würden sich für ihre
Stimmen bei der Landeshauptmann-Kür und für das eine oder andere
Landesgesetz doch auch eine Gegenleistung erwarten. Flirten erlaubt,
Schmusen gestattet, Verloben naja, Heiraten verboten?
Man nimmt es dem SPÖ-Bundesvorsitzenden Werner Faymann ab, dass er
persönlich bei Rot-Blau nicht Kanzler sein wollte - er ist in der
Rolle des Antifaschisten glaubwürdiger denn als Robin Hood vom
Wienerwald. Man nimmt es dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl ab,
dass er mit FPÖ-Chef Heinz Christian Strache nicht zusammenarbeiten
wird - er wird nicht in die Verlegenheit kommen. Aber welche FPÖ
verabscheuen Faymann und Häupl eigentlich so sehr: Die Freiheitlichen
Partei Österreichs, "diese Strache-FPÖ", wie sie es gerne
formulieren, schlagende Burschenschafter oder nur "Minarettspieler"?
Wer ein genehmer Rechter ist, entscheidet die SPÖ von Fall zu Fall,
wie es gerade passt. FPÖ-Landeschef Gerhard Kurzmann ist zwar der
"Minarettspieler", der Präsident des roten Autofahrerklubs in der
Steiermark findet ihn aber "ausgesprochen umgänglich". Machen
Manieren wett, dass er mit seinen Werten rechts von Strache steht?
Die SPÖ soll nicht so tun, als hätte sie nie mit der FPÖ
zusammengearbeitet, koaliert, sich von ihr stützen lassen. Das darf
nur Laura "Schwarz-Blau hat uns politisiert" Rudas. Die einzige
realistische Kombination, die es in Österreich weder im Bund, noch in
einem Land, noch in einer Hauptstadt gab, ist Rot-Grün.
Die SPÖ muss Farbe bekennen. Nur zu hoffen, der blaue Kelch möge an
ihr vorübergehen, das ist schwach.****
Rückfragehinweis:
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