- 27.09.2010, 08:34:06
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Wo bitte geht es zur Immo-Party in Osteuropa? - von André Exner
Wer keinen Kredit bekommt, kann keine Wohnung kaufen
Wien (OTS) - Was ist der Unterschied zwischen November 2008 und
September 2010, fragt die Immofinanz in ihrem aktuellen Werbesujet -
um die Frage gleich selbst zu beantworten: "Gute Nachrichten und ein
Kursplus von 413,02 Prozent." Österreichs größter Immo-Konzern ist
dabei keine Ausnahme, denn laut immer mehr Branchenexperten läuft der
Immo-Motor in Westeuropa, aber auch auf den Ostmärkten von Prag bis
Wladiwostok, wieder besser. Jüngstes Beispiel ist die Erste Bank, die
in ihrer Analyse geradezu mit "CEE-Immobilien im Aufwind" titelt -
ein Satz, der auf einem solchen Report auch schon vor drei, vier
Jahren hätte stehen können. Ja, damals, als Meinl European Land mit
einem Sparschwein-Sujet und dem Prädikat "mündelsicher" für ihre
osteuropäische Immo-Expansion warb.
Doch ist wirklich alles paletti? Was die Immofinanz betrifft, müsste
man nicht nur den Kursverlauf zwischen dem Amtsantritt des Sanierers
Eduard Zehetner und heute betrachten, sondern auch den zwischen dem
Hoch, dem Tief und heute. Anleger, die zwischen Allzeithoch und
Allzeittief investiert waren, haben 97 Prozent verloren - oder fast
zehn Euro je Aktie, wenn sie sich bis heute eisern an ihre
Immofinanz-Papiere krallen. Und um 97 Prozent Minus aufzuholen,
reichen nicht nur keine 413, nein, es reichen nicht einmal 4130
Prozent Kursgewinn.
Auch die anderen österreichischen Immo-Investoren haben krisenbedingt
herbe Verluste zu beklagen. Aber jetzt geht es ja wieder aufwärts,
wenn man den Experten glaubt. Ist doch toll - aber stimmt das? Viele
Österreicher haben auch direkt in Osteuropa in Immobilien investiert
und würden gerne mit Gewinn verkaufen - nur geht das nicht. Denn
nicht nur Aktieninvestoren, auch die Käufer von privaten Immobilien
wie Wohnungen und Ferienhäusern fehlen. Wer kein Kapital hat, aber
keinen (Fremdwährungs-)Kredit bekommt, kann keine Wohnung kaufen.
Dazu kommt, dass Rumänien, Ungarn, das Baltikum usw. bereits das
machen, was auf uns ab 2011 wartet: Sie fahren Sparpakete, was die
Binnennachfrage dezimiert. Wären die Banken - auch unsere - in CEE
nicht Teil des Problems, würden schon abertausende
Ex-Eigenheimbesitzer in Osteuropa auf der Straße sitzen. Denn
Hundehütten in der Pampa haben die Banken anders als in den USA in
CEE zwar nicht kreditiert, aber dafür Wohnsilo-Garconnieren aus
Stalins Zeit, am Rand von Großstädten, ohne funktionierenden
öffentlichen Verkehr. Die hätte sich ohne einen enormen Kreditboom
wohl niemand zu Quadratmeterpreisen über denen einer Wiener
Neubauwohnung geleistet.
Egal, was die Analysten sagen: Die Immo-Party in Osteuropa ist
vorbei. Das wissen auch heimische börsenotierte Großinvestoren: Wenn
die Preise bald wieder steigen würden, würden sie ihre CEE-Objekte ja
nicht verkaufen, was das Zeug hält.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
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