- 26.09.2010, 18:28:08
- /
- OTS0076 OTW0076
Wiener Zeitung: Leitartikel von Walter Hämmerle: "Titel": Fünf Verlierer, ein Sieger
Wien (OTS) - Fünf Verlierer und ein Sieger: Das ist die nüchterne
vorläufige Bilanz der steirischen Landtagswahlen 2010. Nicht vor
eingeschalteten Mikrofonen natürlich, aber zu späterer Stunde, wenn
das Adrenalin abgebaut, der rhetorische Kampfoptimismus aufgebraucht
und das nackte Wahlergebnis zum analytischen Bewusstsein vorgedrungen
ist.
Die SPÖ mit Franz Voves hat Platz eins vor der ÖVP erfolgreich
verteidigt. Daran, so hatte es am Sonntagabend jedenfalls den
Anschein, werden wohl auch die Wahlkarten nichts mehr ändern. Das ist
keine schwache Leistung, trotzdem sind die roten Stammwähler in den
Industrieregionen der SPÖ in Scharen davongelaufen. Kein Spur von
Euphorie über den ersten steirischen SPÖ-Landeshauptmann. Voves?
Reden von "mehr Gerechtigkeit" haben hier nicht überzeugt.
Die ÖVP hat es nach der historischen Niederlage 2005 verabsäumt, sich
neu aufzustellen. Hermann Schützenhöfer war der falsche Mann, um die
- durchaus vorhandenen - Schwächen von Voves in Stimmen für die ÖVP
umzumünzen. Von Wechselstimmung war in der Steiermark keine Spur. Am
Ende steht ein neuer Tiefststand.
Zu den Verlierern neben KPÖ und BZÖ müssen sich auch die Grünen
zählen - trotz leichter Zugewinne. Ihnen gelingt es nicht, sich als
glaubwürdige Alternative zu den Freiheitlichen bei den Protestwählern
gegen Rot-Schwarz zu positionieren. Ehrlich betrachtet ist deshalb
das kleine Plus der Grünen eine politische Niederlage.
Zufrieden kann einzig die FPÖ den Wahltag passieren lassen. Zwar ist
sie von ihren Höchstmarken weit entfernt, sie konnte nicht einmal die
Verluste von 2005 wettmachen. Aber allein mit ein bisschen
Islam-Provokation den Stimmenanteil mehr als zu verdoppeln und in die
Landesregierung einzuziehen, da kann man schlecht meckern.
Wenn nach diesem Wahlergebnis nun alles rational abläuft, dann müsste
Franz Voves Landeshauptmann bleiben. Und zwar mit den Stimmen der
erneut geschrumpften ÖVP. Diese muss nun die Erneuerung, die sie 2005
scheute, angehen. Die Wähler haben die SPÖ auf Platz eins gesetzt.
Das ist zwar nicht die einzige legitime Variante, aber die
vernünftigere im Vergleich zu den rot-blauen, schwarz-blauen oder
rot-rot-grünen Alternativen.
Wenn das geschieht, können Werner Faymann und Josef Pröll die
Steiermark-Wahl entspannt abhaken: Guat is gang?n, nix is g?schehn.
Bleibt dann nur noch die Wien-Wahl in 13 Tagen, bis es mit dem
Regieren endlich wieder weitergehen kann. Michael Häupl muss
allerdings weiter um seine Absolute zittern, das zeigt das steirische
Ergebnis.
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: +43 1 206 99-474
mailto:[email protected]
www.wienerzeitung.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWR






