Heeresreform: Auswirkungen auf Zivildienst bedenken

Wiener Caritasdirektor Landau warnt vor "unfairen und unsozialen" Folgen für alte Menschen oder Menschen mit Behinderungen

Wien (OTS) - =

Wien, 23.09.10 (PEW) Bei den Überlegungen zur
Abschaffung der Wehrpflicht müssen auch die Auswirkungen auf den Zivildienst bedacht werden, forderte der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau am Donnerstag im Gespräch mit dem "Pressedienst der Erzdiözese Wien". Wörtlich meinte Landau: "Die Caritas ist mit Sicherheit nicht für Fragen der Heeresreform zuständig, aber sie weiß aus der täglichen Arbeit, welche wichtigen Aufgaben von Zivildienern für hilfsbedürftige Menschen am Rand der Gesellschaft und am Rand des Lebens erbracht werden". Würde der Zivildienst ersatzlos gestrichen werden, wären Engpässe in der Betreuung etwa von älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen oder Obdachlosen die Folge. Nach den Angaben Landaus sind pro Jahr in der Erzdiözese Wien rund 140 Zivildiener beschäftigt, in ganz Österreich um die 500. Landau: "Wird der Zivildienst abgeschafft, muss es aus Sicht der Caritas einen entsprechenden Ersatz geben. Dieser Diskussion muss man sich stellen und zwar umfassend und ohne ideologische Scheuklappen". Es wäre "unfair und unsozial", wenn etwa alte Menschen oder Menschen mit Behinderung die Folgekosten einer Heeresreform tragen müssten.

Der Wiener Caritasdirektor warnte davor, "allein auf ehrenamtliche Dienste" zu setzen. Es brauche vielmehr einen "Maßnahmen-Mix" mit konkreten Förderungen. Landau plädierte dafür, das "Freiwillige Soziale Jahr" (FSJ), das es bereits seit Jahren gibt, "endlich gesetzlich zu verankern". In diesem Zusammenhang müssten auch echte Anreize geschaffen werden, wie etwa die Zuerkennung der Familienleistungen während des FSJ (Familienbeihilfe, Waisenrente usw.), die volle Einbindung in die Sozialversicherung mit Anrechnung der sozialen Tätigkeit für Pension und Krankenversicherung, die Gewährung eines Taschengeldes in Höhe des derzeitigen Zivildienstentgelts sowie die Übernahme der Kosten für Ausbildung und Begleitung (Supervision). Die öffentliche Hand sei gefordert, die Verantwortung für die Hilfebedürftigen zu übernehmen, die heute auf die Zivildiener angewiesen sind.

Landau meinte, dass neben jungen Leuten - Burschen wie Mädchen -auch Pensionisten, die "Kapazitäten und Potenzial haben und gesund sind", für das "Freiwillige Soziale Jahr" motiviert werden könnten. (ende)

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