Sozialpsychiatrie ist essentiell zur Behandlung der Schizophrenie

"Wiener Vorlesungen zur Sozialpsychiatrie" starteten mit 300 Teilnehmern

Wien (OTS) - Ohne Berücksichtigung sozialpsychiatrischer Aspekte kann eine erfolgreiche Behandlung von Patienten mit Schizophrenie nicht gelingen, betonte Johannes Wancata, Univ.-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wien, bei der ersten der "Wiener Vorlesungen zur Sozialpsychiatrie" am 22.9.2010. Menschen mit Schizophrenie bräuchten zu einer erfolgreichen Behandlung sowohl Medikamente und Psychotherapie als auch sozialpsychiatrische Interventionen. Keine dieser drei Formen der Behandlung könne durch eine der anderen ersetzt werden, sondern alle drei Formen der Behandlung seien nötig.

Bei einem Teil der an Schizophrenie Erkrankten komme es zu einer Heilung, weshalb es falsch sei, dieser Krankheit mit Hoffnungslosigkeit zu begegnen. Bei einem anderen Teil verlaufe die Krankheit aber mit wiederkehrenden Rückfällen, wodurch es auch immer wieder zu Einschränkungen im Alltagsleben komme, wie Arbeitslosigkeit oder Schwierigkeiten allein zu wohnen.

Die Arbeit mit den Angehörigen der Erkrankten gehöre zu den zentralen Bausteinen sozialpsychiatrischer Interventionen (auch als Soziotherapie bezeichnet). Wancata berichtet aus internationalen Studien: "Durch Angehörigenarbeit kann rund ein Drittel der Rückfälle innerhalb eines Jahres vermieden werden, was auch die Zahl der Spitalsaufnahmen verringert." Leider gäbe es in Österreich so wie in vielen anderen europäischen Ländern noch zu wenig derartige Angebote.

Eine moderne Form der ambulanten Behandlung für schwer und lang dauend Kranke sei das so genannte "Assertive Community Treatment". Zentrale Merkmale sind die nachgehende Betreuung auch in der eigenen Wohnung und eine umfassende Behandlung, die auch die medikamentöse Behandlung einschließt. Eine solche Organisation der Behandlung "aus einer Hand" könne die Zahl der Spitalsaufnahmen deutlich vermindern. Wancata kritisiert, dass in manchen Bundesländern die medikamentöse Behandlung nicht im Rahmen solcher Behandlungsteams, sondern getrennt erfolge, was sich auf die Kranken negativ auswirke.

Dieser erste Vortrag der "Wiener Vorlesungen zur Sozialpsychiatrie", einer Fortbildungsinitiative der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wien, der Abteilungen für Psychiatrie des Wiener Krankenanstaltenverbundes, des Psychosozialen Zentrums ESRA und der Psychosozialen Dienste Wien, war mit 300 Personen außerordentlich gut besucht. Die Wiener Gesundheits-und Sozialstadträtin Mag.a Sonja Wehsely eröffnete die Veranstaltung und wies darauf hin, dass "der Kampf gegen Diskriminierung und Stigmatisierung psychisch Erkrankter" für die Stadt Wien von größter Wichtigkeit sei. "Die Stadt steht an der Seite von Betroffenen, Angehörigen und den mit psychisch Erkrankten arbeitenden Berufsgruppen", so Wehsely. Georg Psota, Chefarzt der Psychosozialen Dienste (PSD) Wien, betonte: "Das enorme Interesse an diesem Abend zeigt wie wichtig eine enge Zusammenarbeit zwischen Universität und versorgenden Einrichtungen ist."

Nächster Termin:

Prim. Dr. D. Vyssoki: "Sozialpsychiatrie und Psychotraumatologie"

Datum: 20.10.2010, 18:00 - 20:00 Uhr

Ort:
Psychosoziales Zentrums ESRA
Tempelgasse 5, 1020 Wien

Rückfragen & Kontakt:

Mag. H. Berger:
harald.b.berger@meduniwien.ac.at; Tel. 0699-100 72 460

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