• 20.09.2010, 09:49:33
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Verstärkte Selbstmedikation kann uns alle teuer kommen

Vermeintliche Einsparungen am falschen Platz können enorme Folgekosten verursachen

Wien (OTS) - Mit Unverständnis reagiert Dr. Christoph Reisner,
Präsident der NÖ Ärztekammer, auf die Forderung des Österreichischen
Apothekerverbandes nach einem Ausbau der so genannten
"Selbstmedikation". Unter Selbstmedikation versteht man die
Behandlung von "kleineren" Erkrankungen durch den Patienten selbst,
und zwar mit Hilfe von Medikamenten, die aufgrund ihrer
eingeschränkten Wirkung keiner Rezeptpflicht unterliegen. "Die
Verordnung von rezeptpflichtigen Medikamenten ist ausschließlich
Aufgabe und Verantwortung der Ärzte", so Ärztekammerpräsident Dr.
Reisner. "Und es hat seinen Grund, warum rezeptpflichtige Medikamente
rezeptpflichtig sind. Für mich ist es daher völlig unverständlich wie
man fordern kann, einen Teil der rezeptpflichtigen Medikamente nun
plötzlich aus Spargründen rezeptfrei zu machen. So etwas kann nur
jemandem einfallen, der wirklich keine Ahnung von der Tragweite der
Medikation samt Risiken, Neben- und Wechselwirkungen hat."

Vermeintliche Ökonomie darf nicht im Vordergrund stehen

Für Präsident Dr. Reisner ist die Ökonomie im öffentlichen
Gesundheitssystem zwar sehr wichtig, aber über allem hat die
medizinische Beurteilung zu stehen. "Wenn es darum geht, mit
geeigneten Maßnahmen die Selbstverantwortung des Patienten zu
fördern, kann ich mich anschließen. Die Eigenbehandlung durch den
Patienten selbst mittels verstärkter Selbstmedikation zu fördern,
kommt für mich jedoch aus medizinischer Sicht nicht in Frage. Zu groß
ist die Gefahr der Selbstschädigung des Patienten, was abgesehen vom
medizinischen Blickwinkel auch enorme ökonomische "Folgeschäden"
bewirken kann. Schließlich zahlt wieder das öffentliche
Gesundheitssystem, wenn durch Selbstmedikation etwas schief geht", so
Präsident Dr. Reisner.
Er verweist darauf, dass Ausbildung und Verantwortung der
Gesundheitsberufe derzeit ganz klar und nachvollziehbar geregelt
sind. "Apotheker sind dazu ausgebildet Medikamente herzustellen.
Medikamente aufgrund eines Krankheitsbildes zu verordnen und
aufeinander abzustimmen ist jedoch ausschließlich Angelegenheit der
Ärzteschaft. Apotheker können das nicht, Patienten schon gar nicht."

Gespart wird nur dann, wenn Krankheiten rechtzeitig durch den Arzt
erkannt und behandelt werden

Bei verstärkter Selbstmedikation könnten laut Präsident Dr. Reisner
auch keine elektronischen Hilfsmittel, wie etwa der so genannte
Arzneimittelsicherheitsgurt, hilfreich sein, da vor einer Therapie
unbedingt und immer eine Diagnose durch den Arzt erforderlich ist.
"Ich stehe für rechtzeitige vom Arzt erkannte Erkrankungen, deren
unmittelbare Behandlung und vor allem eine möglichst rasche
Medikation. Das könnte wirklich Geld im öffentlichen
Gesundheitssystem sparen helfen."
In diesem Zusammenhang sollte man laut Präsident Dr. Reisner eher
an eine Ausweitung der Abgabemöglichkeit von rezeptpflichtigen
Medikamenten beim Arzt denken, als an eine medizinisch sinnlose und
kontraproduktive Ausweitung der Selbstmedikation über öffentliche
Apotheken. "Wer wirklich dem System sparen helfen will und
gleichzeitig die medizinische Behandlungsqualität im Blick hat,
sollte in eine andere Richtung denken. Nämlich wie man dem Patienten
wirklich helfen kann, so schnell wie möglich mit der benötigten
medikamentösen Behandlung zu beginnen. Das ginge gerade in ländlichen
Regionen ganz leicht, wenn der Patient die rezeptpflichtigen
Medikamente bei dem Arztbesuch gleich mitbekommen würde", so
Präsident Dr. Reisner abschließend.

Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at

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