- 14.09.2010, 14:23:24
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Patriarch Irinej: Hohes Lob für Österreich
Hoffnung auf Wiederherstellung der Einheit - Kosovo braucht eine "gerechte Lösung für Albaner und Serben"
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Wien (OTS) - Wien, 14.09.10 (PEW) Hohes Lob für Österreich
spendete der serbisch-orthodoxe Patriarch Irinej am Dienstag bei
einer Pressekonferenz im Wiener "Club Stephansplatz 4". Er nehme den
Eindruck mit, dass die serbischen Immigranten in Österreich "sehr gut
aufgenommen" wurden. Auf diese Weise könnten die Immigranten eine
Brücke zwischen Serbien und dem österreichischen Volk bilden. Von
seinen Begegnungen mit Bundespräsident Heinz Fischer und
Bürgermeister Michael Häupl nehme er eine sehr gute Erinnerung mit;
insbesondere sei er aber von Kardinal Christoph Schönborn
beeindruckt, der die Haltung der vom Evangelium inspirierten
Nächstenliebe auch dem serbischen Volk und der serbischen Kirche
zuteil werden lasse.
Zwischen den getrennten Kirchen müsse eine "Atmosphäre des
Vertrauens" aufgebaut werden, betonte der Patriarch. Das Ziel dabei
sei, "in näherer oder fernerer Zukunft" die Einheit der Kirche
wiederherzustellen. Zunächst gehe es darum, sich auf das zu stützen,
was den Kirchen gemeinsam sei. Orthodoxe und Katholiken seien etwa
durch die Marienverehrung eng verbunden. Zur Frage des Papstamtes
sagte Irinej I., im ersten Jahrtausend sei der Bischof von Rom im
Osten genauso wie im Westen als "der Erste" respektiert worden.
Inzwischen hätten sich "einige dogmatische Probleme" ergeben, etwa
die Frage der päpstlichen Unfehlbarkeit. Aber es gebe kein Problem,
das man nicht "mit der Hilfe Gottes" im Dialog lösen könne. Als eine
"dringende Notwendigkeit" bezeichnete der Patriarch einen Konsens
aller christlichen Kirchen über einen gemeinsamen Ostertermin. Gerade
in Serbien seien dafür wichtige wissenschaftliche Vorarbeiten
geleistet worden.
Ausführlich nahm Irinej I. zur Kosovo-Frage Stellung. Es müsse eine
"gerechte Lösung für Albaner und Serben" geben, betonte der
Patriarch. Diese Lösung könne nur im Dialog erzielt werden. Sonst
werde das Land stets ein "Zankapfel" und ein "Ort des
Missverständnisses" zwischen Serben und Albanern bleiben, was den
Menschen beider Ethnien viel Leid bringe. Im Kosovo, einem
"potentiell sehr reichen Gebiet", sei "genug Platz für beide Völker".
Am wichtigsten sei jetzt, dass "die serbischen Heiligtümer bewahrt
bleiben" und dass die serbischen Flüchtlinge zurückkehren können.
Irinej I., der selbst lange Zeit in Prizren gewirkt hatte, zeichnete
ein düsteres Bild der Entwicklung im Kosovo und in der Metochie (das
"Klosterland" im Westen des Gebiets). Für die Serben sei der Kosovo
"nicht nur ein geografischer Begriff, sondern das heiligste Land",
die "Wiege der serbischen Geistigkeit und Geschichte". In den
letzten 800 Jahren seien in diesem Gebiet mehr als 1.300
serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster entstanden. Unter osmanischer
Herrschaft hätten sich die Albaner im Kosovo etabliert. Seit der
Gründung der "Liga von Prizren" 1878 sei die Vertreibung der Serben
das Programm des albanischen Nationalismus. Im Zweiten Weltkrieg
seien während der Besetzung durch Italien (bis zum
Separat-Waffenstillstand vom 8. September 1943), dann durch
NS-Deutschland mehr als 200.000 Serben aus dem Kosovo vertrieben
worden. Die Kommunisten hätten nach 1945 die Rückkehr dieser
Vertriebenen verhindert und (bis zum Bruch Titos mit der "Kominform"
1948) zugleich die Grenze nach Albanien geöffnet. Bei der Tragödie
von 1999 seien neuerlich 250.000 Serben aus dem Kosovo vertrieben
worden. Vertriebene, die zurückwollen, seien auch heute vielen
Schikanen ausgesetzt. Unter den Augen der NATO-Truppen seien 2004
mehr als 50 serbische Kirchen und Klöster zerstört worden, kein
serbischer Friedhof im Kosovo sei intakt, es gebe die Tendenz,
"jegliches Zeugnis serbischer Präsenz auszulöschen". Die großen
Klöster wie Decani oder Gracanica, auch das Patriarchenkloster in Pec
müssten sich mit Betonmauern umgeben, um sicher zu sein.
Sichtlich betroffen schilderte Irinej I. die Situation in Prizren, wo
er viele Jahre als Professor und Rektor am dortigen Priesterseminar
und der Theologischen Hochschule gewirkt hatte. Früher hätten 18.000
Serben in der Stadt gelebt, heute gebe es gerade noch 37 serbische
Bewohner, die ständig in Angst seien. Fast alle serbischen Wohnungen
und Häuser seien zerstört oder "in Besitz genommen". Das
Priesterseminar und die Theologische Hochschule, die 140 Jahre
bestanden, seien jetzt nur mehr Ruinen. (forts mgl)
Rückfragehinweis:
Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
Tel.: O664/515 52 69
E-Mail: [email protected]
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