- 14.09.2010, 10:35:57
- /
- OTS0100 OTW0100
Gebäuderöntgen liefert eindeutigen Befund: Akuter Sanierungsbedarf Parlamentsgebäude vom Dach bis zum Keller untersucht
WIEN (PK) - Die Untersuchungen des Parlamentsgebäudes sind
abgeschlossen und bestätigen: Die Lebensdauer des Hohen Hauses
geht unweigerlich zu Ende, eine umfassende Sanierung ist
unumgänglich. Jetzt werden die möglichen Varianten ausgearbeitet.
Tag der Entscheidung ist der 11. Februar 2011. Für
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer stehen Transparenz und
verantwortungsvoller Umgang mit Steuergeld bei diesem Projekt an
oberster Stelle.
Als Grundlage für die weitere Planung wurde im vergangenen
Frühjahr eine umfassende Erhebung des Sanierungsbedarfs
veranlasst, die von Spezialisten aller bautechnischen Disziplinen
durchgeführt wird. Zum ersten Mal wird der Bauzustand des Hohen
Haus vom Dach bis zum Keller derart gründlich und umfassend
erforscht. Die Auswertung dieser Untersuchungen soll im Oktober
abgeschlossen sein. Erste, bereits vorliegende Ergebnisse haben
deutliche Mängel an der veralteten Substanz des Hauses zu Tage
gefördert, die bislang nicht bekannt waren.
So wurden auch die Rohrleitungen eingehend untersucht. Dabei
wurden u. a. - wie bei einer Endoskopie - Kameras durch vier der
Rohre geschickt, die Regen und Abwasser aus dem Haus in das
Wiener Kanalsystem ableiten. Die bis zu 30 Meter langen
gusseisernen Rohrleitungen führen vom Dachboden bis zum Kellner
des Hohen Hauses und stammen überwiegend aus der Zeit der
Errichtung des Gebäudes, sind also über 125 Jahre alt. Im Zweiten
Weltkrieg entstandene Schäden wurden im Zuge des Wiederaufbaus
behelfsmäßig mit Blechstücken ausgebessert, die bei weitem nicht
die Haltbarkeit heutiger Kunststoffrohre haben.
Die ersten vorliegenden Untersuchungsergebnisse haben allein an
den vier überprüften Rohren rund 30 Schäden aufgezeigt: Risse,
Löcher und undichte Verbindungsstücke lassen Wasser austreten und
in den Wänden des Gebäudes versickern, wodurch das Mauerwerk
allmählich zersetzt wird. Eines der lecken Wasserrohre befindet
sich im Bereich der Säulenhalle und bedroht damit ein
historisches Herzstück des Gebäudes. Durch die Steinverkleidung
der Halle würden Schäden dort erst sehr spät sichtbar werden,
dafür aber wertvolle, unter Denkmalschutz stehende Flächen umso
stärker gefährden.
Die Feuchtigkeit in Wänden und Decken ist aber nicht nur aus
konservatorischer Sicht problematisch: Ohne umfassende Sanierung
der Rohrleitungen kann Sickerwasser irreparable Schäden an der
Substanz des Gebäudes verursachen.
Gesamtkonzept bis Februar 2011 fertig
Gleichzeitig mit dem "Gebäuderöntgen" wird unter Miteinbeziehung
aller betroffenen Gruppen der künftige Nutzungsbedarf erhoben.
Dieser Prozess wird durch das Planungsunternehmen "Quickborner
Team" aus Deutschland geleitet. Durch diese Maßnahme soll
sichergestellt werden, dass eine notwendige Sanierung genützt
wird, um das Parlamentsgebäude ohne größeren Zusatzaufwand im
Betrieb effizienter und ökologischer zu machen. Vorrang hat
allerdings die Sanierung des Gebäudes: Am wichtigsten ist, die
zahlreichen Altersgebrechen des Hauses in den Griff zu bekommen,
bauliche Eingriffe in die historische Substanz sind nicht
vorgesehen.
"Gebäuderöntgen" und Nutzungskonzept werden bis Februar 2011 zu
einem Gesamtkonzept für die Sanierung zusammengefasst, das von
einer Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Architekten Frank
+ Partner und Werner Consult Ziviltechniker GmbH ausgearbeitet
wird. Dieses Gesamtkonzept soll als Grundlage für die Diskussion
und Entscheidungsfindung über die möglichen Sanierungsvarianten
(notwendiger Mindestbedarf, nachhaltige Generalsanierung etc.)
dienen.
"Beim gesamten Sanierungsprozesses wird höchster Wert auf
Transparenz und Sparsamkeit gelegt", versichert
Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Nachvollziehbarkeit der
Entscheidungen, Effizienz sowie die Einbeziehung aller Fraktionen
und anderer betroffener Gruppen seien weitere Grundsätze in
diesem Prozess. (Schluss)
Eine Aussendung der Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272, Fax. +43 1 40110/2640
e-Mail: pk@parlament.gv.at, Internet: http://www.parlament.gv.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA