WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum die ÖBB keine AUA werden kann - von Esther Mitterstieler

Fähige Manager tun sich schwer mit dem Eigentümer Staat

Wien (OTS) - Zugegeben: Nach den Nachrichten in den vergangenen Jahren rund um die AUA mag es seltsam klingen, die viel gescholtene Airline als Vorbild hinzustellen. Erinnern Sie sich? Zuerst wollten die Politiker die rot-weiß-rote Heckflosse so lange in österreichischer Hand halten, bis zuletzt nur mehr ein Desaster übrig blieb und der Staat 500 Millionen Euro hinblättern musste, um die marode AUA in der Luft zu halten. Dann musste die Airline an die Lufthansa mit reicher Mitgift verschenkt werden. Und dabei muss man noch sagen: Glück gehabt, dass die Deutschen den österreichischen Sanierungsfall überhaupt wollten, nachdem noch Ende November 2008 Alfred Ötsch als AUA-CEO posaunt hatte: "Wir sind saniert." Ergebnis? Der Verkauf hat der Airline gut getan. Jetzt befindet sie sich zum ersten Mal nach jahrelangen Ankündigungen wirklich auf Sanierungskurs. Was das mit der ÖBB zu tun hat?

Dort ist 100-Tage-Chef Christian Kern mit Bomben und Granaten an die Öffentlichkeit gegangen und hat wie der damalige ÖIAG-Chef Hugo-Michael Sekyra vor der Voest-Belegschaft 1987 in Kapfenberg alles klar gemacht: "Wir sind pleite", hat Kern zwar nicht gesagt, aber keinen Zweifel am katastrophalen Grundzustand des Unternehmens gelassen. Gut so. Vielleicht wachen jetzt einige auf. Allein: Auch nach 24 Jahren hat die heimische Politik nicht gelernt, dass es Unternehmen im staatlichen Einflussbereich permanent schadet, wenn die politische Farben- und Intrigenlehre mehr zählt als unternehmerisches Denken. Ein paar Beispiele gefällig? Zuerst die positiven - nochmal Voestalpine: Seit der Stahlkonzern privatisiert wurde, hat das Unternehmen Schritt für Schritt Gewinne geschrieben, seine Schulden beglichen und Dividenden zahlen können. Der Aktienkurs hat sich dementsprechend positiv entwickelt. Beispiel OMV: Seit der arabische Investor IPIC im Syndikatsvertrag Miteigentümer der OMV ist, kann sich das Unternehmen auf sein Stammgeschäft Öl und Gas konzentrieren. Und auch die AUA scheint sich nun aus der jahrelangen Schuldenfalle befreit zu haben.

Die andere Seite der Medaille: Die ÖBB hat knapp 17 Milliarden Euro Schulden plus 6,5 Milliarden Euro an jährlichen staatlichen Zuwendungen. Solange die Politik mitmischt, wird sich das Unternehmen nicht auf sich selbst und sein Geschäft konzentrieren können. Da kann der CEO noch so gut sein. Es ist ein wenig wie beim ORF: Solange zu viele Manager ob der politischen Farbenlehre Verantwortung tragen, wird sich nichts ändern. Noch ein Beispiel gefällig? Flughafen Wien. Noch Fragen? Eben.

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