• 13.09.2010, 18:30:10
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warum die ÖBB keine AUA werden kann - von Esther Mitterstieler

Fähige Manager tun sich schwer mit dem Eigentümer Staat

Wien (OTS) - Zugegeben: Nach den Nachrichten in den vergangenen
Jahren rund um die AUA mag es seltsam klingen, die viel gescholtene
Airline als Vorbild hinzustellen. Erinnern Sie sich? Zuerst wollten
die Politiker die rot-weiß-rote Heckflosse so lange in
österreichischer Hand halten, bis zuletzt nur mehr ein Desaster übrig
blieb und der Staat 500 Millionen Euro hinblättern musste, um die
marode AUA in der Luft zu halten. Dann musste die Airline an die
Lufthansa mit reicher Mitgift verschenkt werden. Und dabei muss man
noch sagen: Glück gehabt, dass die Deutschen den österreichischen
Sanierungsfall überhaupt wollten, nachdem noch Ende November 2008
Alfred Ötsch als AUA-CEO posaunt hatte: "Wir sind saniert." Ergebnis?
Der Verkauf hat der Airline gut getan. Jetzt befindet sie sich zum
ersten Mal nach jahrelangen Ankündigungen wirklich auf
Sanierungskurs. Was das mit der ÖBB zu tun hat?

Dort ist 100-Tage-Chef Christian Kern mit Bomben und Granaten an die
Öffentlichkeit gegangen und hat wie der damalige ÖIAG-Chef
Hugo-Michael Sekyra vor der Voest-Belegschaft 1987 in Kapfenberg
alles klar gemacht: "Wir sind pleite", hat Kern zwar nicht gesagt,
aber keinen Zweifel am katastrophalen Grundzustand des Unternehmens
gelassen. Gut so. Vielleicht wachen jetzt einige auf. Allein: Auch
nach 24 Jahren hat die heimische Politik nicht gelernt, dass es
Unternehmen im staatlichen Einflussbereich permanent schadet, wenn
die politische Farben- und Intrigenlehre mehr zählt als
unternehmerisches Denken. Ein paar Beispiele gefällig? Zuerst die
positiven - nochmal Voestalpine: Seit der Stahlkonzern privatisiert
wurde, hat das Unternehmen Schritt für Schritt Gewinne geschrieben,
seine Schulden beglichen und Dividenden zahlen können. Der Aktienkurs
hat sich dementsprechend positiv entwickelt. Beispiel OMV: Seit der
arabische Investor IPIC im Syndikatsvertrag Miteigentümer der OMV
ist, kann sich das Unternehmen auf sein Stammgeschäft Öl und Gas
konzentrieren. Und auch die AUA scheint sich nun aus der jahrelangen
Schuldenfalle befreit zu haben.

Die andere Seite der Medaille: Die ÖBB hat knapp 17 Milliarden Euro
Schulden plus 6,5 Milliarden Euro an jährlichen staatlichen
Zuwendungen. Solange die Politik mitmischt, wird sich das Unternehmen
nicht auf sich selbst und sein Geschäft konzentrieren können. Da kann
der CEO noch so gut sein. Es ist ein wenig wie beim ORF: Solange zu
viele Manager ob der politischen Farbenlehre Verantwortung tragen,
wird sich nichts ändern. Noch ein Beispiel gefällig? Flughafen Wien.
Noch Fragen? Eben.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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