"KURIER"-Kommentar von Margaretha Kopeinig: "Verpasste Chance"

Barrosos Rede war politisch korrekt, die Herzen der Bürger hat er nicht erreicht.

Wien (OTS) - Es sprach der Professor für politische Ökonomie:
Analytisch fundiert hat Kommissionspräsident Barroso in bester amerikanischer Tradition eine "State of the Union Address", eine Rede zur Lage der Union, gehalten und trocken dargelegt, wie gut die EU die Wirtschaftskrise gemeistert hat.
Nur, Barroso ist leider nicht Barack Obama mit großer Ausstrahlung und Charme, das Europäische Parlament nicht der überfüllte Kongress, der den US-Präsidenten mit stehenden Ovationen feiert.
Der Rede Barrosos hat es an vielem gefehlt: An Leidenschaft für politische Inhalte und Menschen; an Kritik an den Praktiken der Mitgliedsländer, die immer öfter mit der nationalen Karte spielen; an der Betonung des Stellenwertes der Kommission als EU-Regierung; an den globalen Herausforderungen, vor denen der Kontinent steht; sowie an Perspektive.
Der Portugiese hat nichts gegen die Stimmung der Bürger, die so EU-skeptisch sind wie schon lange nicht mehr, unternommen. Es ist schon ein großes PR-Defizit, die gelungene Krisenbewältigung der EU mittels Euro, Banken- und Konjunkturpaketen nicht besser zu verkaufen und so um das Vertrauen der Menschen in die EU zu kämpfen. Schade, Monsieur le president.

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