Niederösterreich wirft 28.000 Tonnen Lebensmittel weg!

Nur 10 % weniger Lebensmittel im Abfall sparen 8 Millionen Euro jährlich - Neue Kampagne "Bitte nicht füttern!" auf allen Restmülltonnen in den Verbandsgemeinden.

St. Pölten (OTS) - Ist der Kühlschrank zu voll, wird er ausgeräumt und der Inhalt oft einfach weggeschmissen. Meistens entscheidet dabei der Gusto, was wieder gekühlt und was weggeschmissen wird, denn wirklich verdorben sind nicht alle der weggeworfenen Lebensmittel. Das zeigt ein Blick in die Mülltonne. Längst ist ein Teil der weggeworfenen Lebensmittel noch genießbar. Ein Großteil ist jedoch durch falsche oder zu lange Lagerung verdorben. Alles in allem eine ungeheure Ressourcenverschwendung. Ein Pilotprojekt der NÖ-Abfallverbände und des Landes NÖ brachte im Vorjahr das wahre Ausmaß dieser Verschwendung zutage. Müllanalysen am Beginn des Projektes zeigten, dass - hochgerechnet auf ganz Niederösterreich -alljährlich ein 28.000 Tonnen schwerer Müllberg allein aus Lebensmittel anfällt. Im Sommer 2010 startete nun auch eine neue Aufmerksamkeitskampagne mit den Aufklebern "Bitte nicht füttern!" auf allen Restmülltonnen in den Verbandsgemeinden.

"Wenn Niederösterreichs Haushalte es schaffen, nur um 10% weniger Lebensmittel wegzuwerfen, können sie sich jährlich über 8 Mio. Euro ersparen. Das hilft nicht nur dem eigenen Geldbörsel, sondern unterstützt unsere Umwelt auch nachhaltig", so Umweltlandesrat Dr. Stephan Pernkopf.

Abfallberater/innen aus acht niederösterreichischen Abfallverbänden erarbeiteten daraufhin umfangreiche Informationsmaßnahmen, die in "Versuchswohnhausanlagen" getestet wurden. Da es auf Haushaltsebene beinahe unmöglich ist, einen einzelnen Grund als Ursache für das Wegwerfen von Lebensmitteln zu erkennen, wurde ein breites Spektrum an Informationen zur Verfügung gestellt. Persönliche Gespräche, Einkaufszettel, Informationsfolder, Pressemeldungen, Veranstaltungen und Mülltonnenaufkleber sollten Wissen vermitteln, aber auch auf das Problem hinweisen. Manchmal fehlt auch Zeit, Interesse oder Wissen, aus Nahrungsmittelresten etwas zu kochen. Letztlich zeigte das Engagement Wirkung. Die Beteiligten kauften bewusster ein, wussten mehr über die richtige Lagerung der gekauften Lebensmittel. Vor allen warfen sie weniger weg.

Das Institut für Abfallwirtschaft an der BOKU-Wien evaluierte die gesetzten Maßnahmen und strich einige besonders wirksame Maßnahmen heraus, die nun in Zusammenarbeit zwischen den NÖ-Abfallverbänden und dem Land Niederösterreich umgesetzt werden. Wichtigste Maßnahme in der Studie waren die Restmülltonnen-Aufkleber. Ziel ist die Verminderung der Lebensmittelabfälle. Zudem sollen Lebensmittel wieder an emotionalem Wert gewinnen, da sie in den letzten Jahrzehnten viel davon verloren haben.

Im Sommer 2010 wurde deshalb auch eine Aufmerksamkeitskampagne ins Leben gerufen. Auf den Restmülltonnen werden nun die "Bitte nicht füttern!"-Aufkleber dafür sorgen, dass man noch einmal darüber nachdenkt, was man in den Abfall wirft. Die Aufkleber veranschaulichen, dass unverdorbene und noch genießbare Lebensmittel im Restmüll nicht in den Restmüll gehören.

Ein Fernseher im Jahr 1964 wurde gepflegt und gehegt und war er mal kaputt, wurde er repariert. Heutzutage tauscht man selbst funktionierende Geräte aus, wenn das Design oder die Technik nicht mehr entsprechen. So ist es auch im Lebensmittelsektor. "Wir wollen den Menschen zeigen, wie es gehen könnte. Umsetzen müssen sie die Ratschläge selbst," sagt Dipl. Päd. RegR Alfred Weidlich. Er steht als Präsident gemeinsam mit dem gesamten Präsidium des NÖ Abfallwirtschaftsvereins hinter dem Projekt.

Natürlich kauft niemand absichtlich Lebensmittel für den Müll. Trotzdem landen täglich Tonnen von Brot, Gemüse, Fleisch- und Wurstwaren, Fertigprodukten und Naschereien aus Haushalten im Abfall. Oft sogar noch originalverpackt und unverdorben. 10 % des Hausmülls sind Lebensmittel. In Wohnhausanlagen sind sogar durchschnittlich 25 % des Restmüllgewichts so genannte "Ernährungsabfälle". Fast die Hälfte davon entfällt auf originalverpackte Lebensmittel oder solche in angebrochenen Verpackungen

Ein Geheimrezept gegen das Wegwerfen von Lebensmitteln ist noch nicht gefunden worden und so soll das Problem nunmehr auf mehreren Ebenen angesprochen werden. Es geht eben um falsche Gewohnheiten, welche die Menschen zunächst erkennen müssen. Erst danach können sie die angebotenen alternativen Handlungen als die ihren übernehmen. Ein langwieriger Prozess, der nach Informationen über einen langen Zeitraum verlangt.

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