- 27.08.2010, 19:36:40
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Die Sümpfe des Südens sind noch nicht trocken" (von Ernst Sittinger)
Ausgabe vom 28.08.2010
Graz (OTS) - Man weiß im Grunde nicht, ob man lachen oder
weinen soll, wenn man die aktuelle Lage der Kärntner Hypo Alpe Adria
Bank betrachtet. Auf der einen Seite gibt es einige dünne Strohhalme
der Hoffnung: Das unfähige Management, das sich weder gegen gierige
Landespolitiker noch gegen kriminelle Auslandskunden wehren konnte,
wurde entfernt. Die neuen Chefs üben sich in Schadensbegrenzung,
haben die ärgsten Löcher gestopft und verbreiten unverdrossen
Optimismus. Und die Republik hat die Geduld mit ihrem Kärntner
Griechenland noch immer nicht verloren.
Das waren dann aber auch schon alle Aktivposten in der Bilanz, denen
eine weithin devastierte und trostlose Passivseite gegenübersteht.
Dass man erleichtert bekannt gibt, im Halbjahr "nur" eine halbe
Milliarde Euro Verlust geschrieben zu haben, sagt viel. Dahinter
verbirgt sich ein Minenfeld von acht Milliarden Euro an gefährdeten
Krediten, die nach und nach möglichst unauffällig aus den Büchern
verschwinden müssen. Acht Milliarden - das ist eine gigantische
Summe, mit der man beispielsweise sämtliche privaten Wohnungen und
Häuser einer Stadt wie Klagenfurt kaufen könnte.
Wir wollen für die Bank das Beste hoffen. Jene 900 Millionen Euro
aber, die der Steuerzahler von seinem sauer verdienten Geld als
Partizipationskapital nach Kärnten überwiesen hat, könnten nur durch
ein Wunder am Ende der Operation Hypo wieder zu einem werthaltigen
Asset gemacht werden. Viel wahrscheinlicher ist, dass dieses Geld in
den Sümpfen des Südens auf Nimmerwiedersehen versickert.
Außerdem hängt noch immer ein viel bedrohlicheres Damoklesschwert
über der Hypo: Werden der EU-Kommission in den nächsten Monaten nicht
hieb- und stichfeste Sanierungspläne überbracht, dann könnte es am
Ende die Bürokratie in Brüssel sein, die die Kärntner Landesbank
endgültig in die Luft sprengt. Wenn die EU die staatlichen Beihilfen
rückabwickelt, führt kein Weg an der Bankpleite vorbei. Da ist es
dann auch kein Trost, dass die Hypo vier Fünftel ihrer Geschäfte in
Südosteuropa macht und daher der Schaden vor allem dort eintreten
würde.
Es ist wichtig, die Dramatik in ihrer ganzen Tiefe nicht zu
verharmlosen und nicht aus den Augen zu verlieren. In Österreich
neigt man gerne dazu, Wirtschaftskriminalität in den Bereich der
Kavaliersdelikte einzuordnen. Genau diese Wurschtigkeit hat die
Sitten verludern lassen - von Bawag bis Buwog. Für diese Fehler
werden noch unsere Nachkommen bezahlen.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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