• 25.08.2010, 09:17:31
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Hintergrund: Das Orang Utan-Rehabilitations-Programm von VIER PFOTEN und BOS auf Borneo

Wien (OTS) - Biologie der Orang Utans:

Der Name "Orang-Utan" stammt von den malaiischen Wörtern "orang"
(Mensch) und "utan" oder "hutan" (Wald) und bedeutet "Waldmensch".
Die Tiere in der Station von Samboja gehören der Unterart "Pongo
pygmaeus morio" an, die nur in Ost-Borneo heimisch ist. Orang-Utans
sind Baumbewohner. Der Körperbau der Orang Utans ist daher an das
Leben in den Bäumen angepasst. Die Arme sind lang und kräftig. Sie
können ausgestreckt eine Spannweite von über zwei Metern erreichen.
Die kurzen Beine sind sehr beweglich und nach innen einbiegbar, was
dem senkrechten Klettern an Baumstämmen dient. Die Füße erwecken
einen handähnlichen Eindruck.

Wie alle Menschenaffen sind Orang-Utans tagaktiv - vor allem am
Vormittag und am späten Nachmittag streifen sie im Wald herum. In der
Mittagszeit halten sie eine "Siesta". Zur Nachtruhe errichten sie ein
Nest aus Blättern. Sie bewegen sich langsam mit allen vier Gliedmaßen
kletternd fort, oder gehen auf den Ästen. Wenn sie es eilig haben,
schwingen sie sich mit ihren langen Armen von Ast zu Ast voran.
Manchmal schaukeln sie mit den Bäumen, um die Distanz zwischen ihnen
zu verringern. Am Boden sind Orang-Utans vorsichtig und scheu. Sie
kommen selten auf den Boden, am ehesten, wenn sie zu einem anderen
Baum wechseln wollen.

Bis zum vierten Lebensjahr gelten Orang Utans als Kleinkinder, die
viel Liebe und Zuwendung brauchen. Die Aufzucht der Kinder ist Sache
der Mütter, die Affenväter beteiligen sich nicht daran. Mit acht
Jahren treten sie in die Pubertät ein, und mit 14 Jahren sind Orang
Utans erwachsen. Dann leben sie meist einzelgängerisch, enge soziale
Bindungen gibt es nur zwischen Weibchen und ihren unselbstständigen
Kindern. Aber alle Orang-Utans einer Population kennen sich
individuell und unterhalten persönliche Beziehungen, auch wenn sie
wenig Zeit mit einander verbringen. Wenn sich Männer begegnen, kommt
es jeodch oft zu Feindseligkeiten. Weibchen sind meist freundlicher
zueinander und gehen mitunter sogar gemeinsam auf Nahrungssuche.

Orang Utans sind vor allem Pflanzenfresser, besonders Früchte sind
begehrt. In Ost-Borneo ist die Ernährungssituation für Orang Utans
aber suboptimal: Auf Grund des Klimas und nährstoffarmer Böden sind
die für Orang Utans wichtigen Früchte (Dipterocarpaceen) nicht gerade
reichlich vorhanden. Nur in "El Nino-Jahren" gibt es Früchte in
Massen. Oft sind Orang Utans dadurch gezwungen Blätter oder Rinde zu
essen, um nicht zu verhungern. Bei den Orang Utans gibt es
"Ortsansässige" - das sind die Weibchen und manche der Männer. Auf
der Suche nach Nahrung durchwandern "Orstansässigen" große
Territorien von durchschnittlich 100- 5000 Hektar. Die Reviere der
Männchen überlappen sich mit denen von mehreren Weibchen. Die
meisten Männchen haben aber kein festes Territorium sondern streifen
als "Pendler" und "Wanderer" umher und legen mitunter riesige
Strecken zurück.

Die Bedrohung:

Die Orang Utans sind stark in ihrem Bestand bedroht. Vor 20 Jahren
gab es nach Schätzungen der UN-Umweltorganisation UNEP noch 250 000
Orang Utans. Heute sind es nach Angaben der UNEP kaum noch 40 - 50
000. Die UN-Organisation befürchtet, dass die freilebenden Orang
Utans um das Jahr 2017 ausgerottet sein werden - wenn die Zerstörung
der Wälder weitergeht.

Noch vor 20-30 Jahren war das Landesinnere von Borneo nahezu
vollständig von Regenwald bedeckt. Die Bewohner, vor allem die
Dayak-Völker, lebten Jahrtausende lang vom Nahrungsangebot des
Waldes, ohne die Lebensgrundlagen für sie selbst und der anderen
Waldbewohner zu gefährden. Die Ankunft der industriellen Zivilisation
änderte die Situation drastisch und schlagartig: Der Hunger nach
Kohle, Holz, Öl und Palmöl droht die Tiefland-Regenwäldern, in denen
die Orang Utans leben, schon bald völlig zu zerstören:

80-90 Prozent der Tiefland-Urwälder sind bereits vernichtet.
Menschliche Siedlungen, Industrie, Felder und Plantagen breiten sich
rasant entlang von Flüssen und Straßen aus. Kalimantan erlebt derzeit
einen Wirtschafts-Boom (Palm-Öl, Kohle, Holz... zu Lasten des Waldes)
und die Bevölkerung wächst unter anderem durch Zuzug von anderen
indonesischen Inseln stark an. Die fortschreitende Waldzerstörung auf
Borneo zu stoppen ist auch im Interesse des globalen Klimaschutzes
und ist daher Gegenstand von internationalen Bemühungen im Rahmen der
Verhandlungen zur UNO-Rahmen-Klimakonvention (Kyoto
Nachfolge-Regelung) bzw. bilateraler Projekte etwa zwischen Norwegen
und Indonesien (Oslo-Paris Prozess).

Neben der Vernichtung ihres Lebensraumes bedrohen Bejagung und
Handel - insbesondere mit Orang-Utan Babies - die Orang Utans. Junge
Affen sind beliebte Haustiere und Kinderersatz in Borneo. Verschärft
wird die Situation durch die langsame Reproduktionsrate der Tiere.
Angesichts der dramatischen Dezimierung der Orang-Utans sind
Rehabilitations- und Auswilderungs-Programme ebenso wichtig, um die
Orang Utans vor der Ausrottung zu retten wie der rasche und
umfassende Schutz der verbliebenen Tieflandurwälder als Habitat der
noch in Freiheit lebenden Menschenaffen.

Rückfragehinweis:
Presserückfragen an VIER PFOTEN:
Viktoria Höfferer
Tel: +43-1-545 50 20-62
Fax: +43 1 545 50 20-99
presse@vier-pfoten.org

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