- 22.08.2010, 19:00:40
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Iranisches Protz-Gehabe" (von Nina Koren)
Ausgabe vom 23.08.2010
Graz (OTS) - Wenn man auffallen will, legt man sich am besten
mit dem Stärksten an. Irans Präsident Ahmadinejad, Holocaust-Leugner
und weltpolitischer Provokateur vom Dienst, hat dieses Wochenende
gleich zwei Coups gelandet, von denen er annehmen kann, dass sein
Lieblingsfeind, die USA, empört sein wird. Am Samstag vermeldete er,
trotz Drohungen Israels, dieses militärisch anzugreifen, die
Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Bushehr. Gestern präsentierte er,
in einem Regen von Rosenblüten, seine erste eigene
Langstreckendrohne. Der unbemannte Kampfjet soll künftig aber nicht
mit Blumen, sondern mit Bomben bestückt sein.
Fast schon komisch klingt da der betont coole Kommentar aus
Washington: Man erwarte keinen Missbrauch des AKW durch Teheran,
erklärte ein Sprecher des Präsidenten. Einen Propaganda-Sieg hat
Ahmadinejad auf jeden Fall errungen.
Tatsächlich gibt es die Option, das wichtigtuerische Gehabe des
Fanatikers in Teheran mit mehr Gelassenheit zu betrachten. Die
Drohne, so mutmaßen Experten, sieht zwar gefährlich aus, ist aber
derzeit noch gar nicht einsatzfähig.
Was Bushehr anlangt, ist die Lage komplexer. Zwar verdächtigt der
Westen das Regime in Teheran weiterhin, nicht nur Atomstrom, sondern
eigentlich den Bau der Atombombe anzustreben. Doch das AKW in Bushehr
ist dafür nicht geeignet. Der dort eingesetzte Druckwasserreaktor der
zweiten Generation funktioniert mit leicht angereichertem Uran, das
sich nicht für den Bau von Bomben eignet. Russland nimmt die
gelieferten Brennstäbe nach Gebrauch zurück. Außerdem werden alle
Vorgänge in dem Kraftwerk von der Internationalen
Atomenergie-Organisation überwacht. Bushehr ist also kein
Kriegsgrund. Das scheint Israel, das von Ahmadinejad mehrfach mit der
Auslöschung bedroht wurde, auch so zu sehen - man ließ die Baustelle
unversehrt. Seit der Inbetriebnahme wäre ein Luftangriff wegen der
radioaktiven Verseuchung eines dicht besiedelten Gebietes zudem
völkerrechtswidrig - der Aufschrei der Weltöffentlichkeit wäre
gewaltig.
Dennoch ist es richtig, Misstrauen und Sanktionsdruck gegen das
iranische Regime aufrecht zu erhalten. Denn unabhängig von Bushehr
will Ahmadinejad sein Atomprogramm fortsetzen. Zum Einen will er noch
weitere AKW bauen, was mit sich brächte, dass seine Techniker über
die Jahre viel Erfahrung mit Atomtechnologie entwickeln würden. Zum
anderen hält er an der umstrittenen Urananreicherung fest, gegen die
sich die Sanktionen richten, weil sie zur Bombe führen könnte.****
Rückfragehinweis:
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