- 20.08.2010, 10:00:32
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Ein Kampf gegen die Uhr: AUVA-OP-Team im UKH Meidling nähte abgetrennten Arm wieder an
Heilung des 54-jährigen Simmeringers verläuft bislang optimal
Wien (OTS) - Es war eine Frage der Zeit, ob es gelingt, den
abgetrennten Arm des 54-jährigen ÖBB-Mitarbeiters aus Wien-Simmering
erfolgreich zu replantieren. Das Zeitfenster dafür beträgt sechs
Stunden. Dank der optimalen Erstversorgung verlief die siebenstündige
Makroreplantation im AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling vergangenen
Donnerstag komplikationslos. Der rechte Oberarm war glatt fünf
Zentimeter oberhalb des Ellbogens abgetrennt. Nach einem zweiten
Eingriff am Montag zum sekundären Wundverschluss und zur Deckung des
Hautdefektes mit Spalthaut hat der Heilungsprozess begonnen. Ziel des
Replantationsteams unter Leitung von Oberarzt Dr. Johannes Rois ist
die funktionelle Wiederherstellung und Integration des angenähten
Arms, um eine Greif- und Stützfunktion der rechten Hand zu erhalten.
Makroreplantationen dieser Art sind eher selten.
Bei einem Arbeitsunfall in Lanzendorf (NÖ) wurde einem 54-jährigen
ÖBB-Mitarbeiter aus Wien-Simmering der rechte Oberarm fünf Zentimeter
oberhalb des Ellbogens glatt abgetrennt. "Die Erstversorgung verlief
optimal. Der Rettungshubschrauber brachte den Verletzten mit steril
verpacktem und in Eiswasser gelagertem Amputat 53 Minuten nach dem
Arbeitsunfall am Donnerstag, dem 12. August 2010, um 11:53 Uhr zu uns
ins AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling. Günstig war weiters, dass der
Schnitt glatt und der Wundrand nicht ausgefranst war." sagte Oberarzt
Dr. Johannes Rois, der Leiter des Replantationsteams, bei einem
Pressegespräch am Freitag, dem 20. August 2010. Sofort nach der
Ankündigung des Patienten wurde das Replantationsteam des
AUVA-Unfallkrankenhauses Meidling alarmiert.
Bei der Untersuchung im Computertomografen (CT) wurden keine
inneren Verletzungen festgestellt. Parallel dazu wurde das Amputat
vorbereitet. Anfänglich waren zwei OP-Teams mit je zwei
Unfallchirurgen im Einsatz. Nach der Versorgung der Knochenverletzung
(Osteosynthese) des Oberarms arbeitete ein Team mit zwei
Unfallchirurgen weiter. Rund viereinhalb Stunden nach dem Unfall war
die Durchblutung des rechten Armes wieder hergestellt. Danach wurden
Nerven, Muskel- und Sehnengewebe versorgt und die Wunde teilweise
verschlossen. Nach sieben Stunden OP-Zeit konnte der Patient auf die
Intensivstation gebracht werden.
Wird die Blutzufuhr zur Muskulatur unterbrochen, stirbt Gewebe ab
und es bilden sich Giftstoffe. Daher spielt der Zeitfaktor eine
wesentliche Rolle. Die Zeitspanne zwischen der vollständigen
Unterbrechung der Blutzufuhr und der Wiederherstellung der
Durchblutung, das heißt der ersten funktionstüchtigen arteriellen
Gefäßnaht, muss so kurz wie möglich sein. Die Toleranzgrenze beträgt
sechs Stunden. Wird diese überschritten, kann eine Makroreplantation
zu Nierenschäden und einer Allgemeininfektion führen und das Leben
des Patienten gefährden.
Da sowohl die Operation als auch die Erholung des Patienten
komplikationslos verliefen, konnte am Montag, dem 16. August, der
sekundäre Wundverschluss und die Deckung des Hautdefektes mit
Spalthaut wie geplant erfolgen. Der 54-jahrige Simmeringer wurde auf
eine "Intermediate Care Station" verlegt und begann mit der
physikalischen Therapie. Die Verlegung auf die Normalabteilung ist
für Freitag, den 20. August, geplant.
Ob Folgeoperationen notwendig sein werden, hängt von der
Wundheilung ab. Mit Abstoßungsreaktionen ist nicht zu rechnen, da es
sich nicht um körperfremdes Gewebe handelt. In der Folge kommt es nun
zur hoffentlich entzündungsfreien Wundheilung, der Einheilung der
transplantierten Haut, der Knochenheilung und der Nervenregeneration.
Nach etwa sechs bis acht Wochen ist die Aufnahme ins
AUVA-Rehabilitationszentrum Weißer Hof möglich.
Die medizinische Prognose ist abhängig von der Nervenregeneration.
Diese lässt sich nicht vorhersagen. Funktionell ist mit einer aktiven
Beugefähigkeit im Ellbogen zu rechnen, dies ist für eine bimanuelle
Handfunktion entscheidend. Zusätzlich kann mit einer
Schutzsensibilität an der Hand gerechnet werden. Das Ziel wäre eine
Greif- und Stützfunktion der Hand. Ein Präzisionsgriff und ein Beruf
mit vorwiegend manueller Tätigkeit werden wahrscheinlich nicht mehr
möglich sein. Der Heilungs- und Rehabiliationsprozess kann Monate
oder auch Jahre dauern.
Bei Makroreplantationen befindet sich die Amputationslinie
oberhalb des Handgelenkes. Es werden vollständig abgetrennte
Gliedmaßen angenäht, die Durchblutung wiederhergestellt sowie Knochen
und Sehnen rekonstruiert. Muskeltragende Amputate weisen eine kürzere
Toleranzzeit der Durchblutungsunterbrechung auf (sechs Stunden).
Notwendig sind Chirurgen mit spezieller Ausbildung und die
entsprechende technische und logistische Ausstattung.
Über die AUVA:
Bei der AUVA sind rund 4,5 Millionen Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Millionen
Arbeiter, 1,6 Millionen Angestellte, 420.000 Selbständige
sowie 1,3 Millionen Schüler und Studenten. Die Landesstelle Wien
betreut in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland 42
Prozent der AUVA-Versicherten. Pro Jahr erhalten 120.000 Verletzte in
den Wiener AUVA-Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler sowie
1.900 Patienten in den Rehabilitationszentren Wien-Meidling und
Weißer Hof, Klosterneuburg, die bestmögliche Behandlung. Die AUVA
finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung aus
Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Prävention ist dabei die vorrangige
Kernaufgabe der AUVA - die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung
von Berufskrankheiten senkt die Kosten für die drei weiteren
Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle
Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten.
Rückfragehinweis:
Gabriela Würth Öffentlichkeitsarbeit der AUVA Landesstelle Wien Telefon: 02242-38300 Telefon mobil: 0676 33 24 879 E-Mail: [email protected] Im Internet: www.auva.at/wien
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