Ein Kampf gegen die Uhr: AUVA-OP-Team im UKH Meidling nähte abgetrennten Arm wieder an

Heilung des 54-jährigen Simmeringers verläuft bislang optimal

Wien (OTS) - Es war eine Frage der Zeit, ob es gelingt, den abgetrennten Arm des 54-jährigen ÖBB-Mitarbeiters aus Wien-Simmering erfolgreich zu replantieren. Das Zeitfenster dafür beträgt sechs Stunden. Dank der optimalen Erstversorgung verlief die siebenstündige Makroreplantation im AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling vergangenen Donnerstag komplikationslos. Der rechte Oberarm war glatt fünf Zentimeter oberhalb des Ellbogens abgetrennt. Nach einem zweiten Eingriff am Montag zum sekundären Wundverschluss und zur Deckung des Hautdefektes mit Spalthaut hat der Heilungsprozess begonnen. Ziel des Replantationsteams unter Leitung von Oberarzt Dr. Johannes Rois ist die funktionelle Wiederherstellung und Integration des angenähten Arms, um eine Greif- und Stützfunktion der rechten Hand zu erhalten. Makroreplantationen dieser Art sind eher selten.

Bei einem Arbeitsunfall in Lanzendorf (NÖ) wurde einem 54-jährigen ÖBB-Mitarbeiter aus Wien-Simmering der rechte Oberarm fünf Zentimeter oberhalb des Ellbogens glatt abgetrennt. "Die Erstversorgung verlief optimal. Der Rettungshubschrauber brachte den Verletzten mit steril verpacktem und in Eiswasser gelagertem Amputat 53 Minuten nach dem Arbeitsunfall am Donnerstag, dem 12. August 2010, um 11:53 Uhr zu uns ins AUVA-Unfallkrankenhaus Meidling. Günstig war weiters, dass der Schnitt glatt und der Wundrand nicht ausgefranst war." sagte Oberarzt Dr. Johannes Rois, der Leiter des Replantationsteams, bei einem Pressegespräch am Freitag, dem 20. August 2010. Sofort nach der Ankündigung des Patienten wurde das Replantationsteam des AUVA-Unfallkrankenhauses Meidling alarmiert.

Bei der Untersuchung im Computertomografen (CT) wurden keine inneren Verletzungen festgestellt. Parallel dazu wurde das Amputat vorbereitet. Anfänglich waren zwei OP-Teams mit je zwei Unfallchirurgen im Einsatz. Nach der Versorgung der Knochenverletzung (Osteosynthese) des Oberarms arbeitete ein Team mit zwei Unfallchirurgen weiter. Rund viereinhalb Stunden nach dem Unfall war die Durchblutung des rechten Armes wieder hergestellt. Danach wurden Nerven, Muskel- und Sehnengewebe versorgt und die Wunde teilweise verschlossen. Nach sieben Stunden OP-Zeit konnte der Patient auf die Intensivstation gebracht werden.

Wird die Blutzufuhr zur Muskulatur unterbrochen, stirbt Gewebe ab und es bilden sich Giftstoffe. Daher spielt der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Die Zeitspanne zwischen der vollständigen Unterbrechung der Blutzufuhr und der Wiederherstellung der Durchblutung, das heißt der ersten funktionstüchtigen arteriellen Gefäßnaht, muss so kurz wie möglich sein. Die Toleranzgrenze beträgt sechs Stunden. Wird diese überschritten, kann eine Makroreplantation zu Nierenschäden und einer Allgemeininfektion führen und das Leben des Patienten gefährden.

Da sowohl die Operation als auch die Erholung des Patienten komplikationslos verliefen, konnte am Montag, dem 16. August, der sekundäre Wundverschluss und die Deckung des Hautdefektes mit Spalthaut wie geplant erfolgen. Der 54-jahrige Simmeringer wurde auf eine "Intermediate Care Station" verlegt und begann mit der physikalischen Therapie. Die Verlegung auf die Normalabteilung ist für Freitag, den 20. August, geplant.

Ob Folgeoperationen notwendig sein werden, hängt von der Wundheilung ab. Mit Abstoßungsreaktionen ist nicht zu rechnen, da es sich nicht um körperfremdes Gewebe handelt. In der Folge kommt es nun zur hoffentlich entzündungsfreien Wundheilung, der Einheilung der transplantierten Haut, der Knochenheilung und der Nervenregeneration. Nach etwa sechs bis acht Wochen ist die Aufnahme ins AUVA-Rehabilitationszentrum Weißer Hof möglich.

Die medizinische Prognose ist abhängig von der Nervenregeneration. Diese lässt sich nicht vorhersagen. Funktionell ist mit einer aktiven Beugefähigkeit im Ellbogen zu rechnen, dies ist für eine bimanuelle Handfunktion entscheidend. Zusätzlich kann mit einer Schutzsensibilität an der Hand gerechnet werden. Das Ziel wäre eine Greif- und Stützfunktion der Hand. Ein Präzisionsgriff und ein Beruf mit vorwiegend manueller Tätigkeit werden wahrscheinlich nicht mehr möglich sein. Der Heilungs- und Rehabiliationsprozess kann Monate oder auch Jahre dauern.

Bei Makroreplantationen befindet sich die Amputationslinie oberhalb des Handgelenkes. Es werden vollständig abgetrennte Gliedmaßen angenäht, die Durchblutung wiederhergestellt sowie Knochen und Sehnen rekonstruiert. Muskeltragende Amputate weisen eine kürzere Toleranzzeit der Durchblutungsunterbrechung auf (sechs Stunden). Notwendig sind Chirurgen mit spezieller Ausbildung und die entsprechende technische und logistische Ausstattung.

Über die AUVA:

Bei der AUVA sind rund 4,5 Millionen Personen gesetzlich gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Millionen Arbeiter, 1,6 Millionen Angestellte, 420.000 Selbständige
sowie 1,3 Millionen Schüler und Studenten. Die Landesstelle Wien betreut in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland 42 Prozent der AUVA-Versicherten. Pro Jahr erhalten 120.000 Verletzte in den Wiener AUVA-Unfallkrankenhäusern Meidling und Lorenz Böhler sowie 1.900 Patienten in den Rehabilitationszentren Wien-Meidling und Weißer Hof, Klosterneuburg, die bestmögliche Behandlung. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale Unfallversicherung aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber. Prävention ist dabei die vorrangige Kernaufgabe der AUVA - die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von Berufskrankheiten senkt die Kosten für die drei weiteren Unternehmensbereiche Heilbehandlung, Rehabilitation und finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am wirksamsten.

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Öffentlichkeitsarbeit der AUVA Landesstelle Wien
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E-Mail: gabriela.wuerth@speed.at
Im Internet: www.auva.at/wien

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