• 19.08.2010, 19:38:20
  • /
  • OTS0214 OTW0214

"Kleine Zeitung" Kommentar: "Der Krieg ist zu Ende, der Kampf geht weiter" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 20.08.2010

Graz (OTS) - Das ist ein historischer Moment", verkündete der
Sprecher von US-Außenministerin Hillary Clinton pathetisch. Die
letzten US-Kampftruppen hätten in der Nacht auf gestern die Grenze zu
Kuwait passiert. Die "Operation irakische Freiheit" sei nach
siebeneinhalb Jahren abgeschlossen und Präsident Barack Obama habe
damit eines seiner zentralen Wahlkampfversprechen, den Irak-Krieg bis
August 2010 zu beenden, erfüllt. Hat er es tatsächlich?

Blenden wir zurück. Nach schweren Luftangriffen auf Bagdad stießen am
20. März 2003 US-Truppen von Kuwait aus vor, um Saddam Hussein zu
stürzen. Vollmundig verkündete US-Präsident George W. Bush schon am
1. Mai 2003: "Die Kampfhandlungen im Irak sind beendet." Aber zu
dieser Zeit ging das große Sterben im Irak erst so richtig los.

Zwar war Husseins Armee unter der Wucht des amerikanischen Angriffs
rasch zusammengebrochen, aber Aufständische verwickelten die
Amerikaner in einen blutigen Kleinkrieg, der schließlich zum Terror
gegen das eigene Volk ausartete.

Warum George W. Bush diesen Krieg vom Zaun gebrochen hatte, bleibt
ein Mysterium. Der Kampf gegen den Terror - seit den Anschlägen vom
11. September 2001 sein einziges weltpolitisches Anliegen - kann es
nicht gewesen sein. Denn Saddam Hussein war ein grausamer Diktator,
aber sicher kein Terrorpate. Und dass er zu diesem Zeitpunkt noch
über Giftgasvorräte verfügte, wie Bush im vorwarf, war ein peinlicher
Irrtum von CIA und Co.

Die Hoffnung, von den reichen Ölvorräten des Irak zu profitieren,
erwies sich als Fehlschlag, weil der permanente Terror verhindert,
dass das "schwarze Gold" tatsächlich profitabel sprudelt. Und dass
Bush mit dieser "Operation" dem irakischen Volk Freiheit bringen
sollte, war bestenfalls die irreale Vision eines amerikanischen
Weltverbesserers.

Dieser Krieg - und das ist sein positiver Aspekt - hat den Irakern
gezeigt, wie Demokratie in ihrem Land (vielleicht) funktionieren
könnte. Vermutlich zerbricht es aber dennoch in einen kurdischen,
schiitischen und sunnitischen Staat. Denn miteinander können die
Konfessionen und Nationalitäten im Irak trotz US-Nachhilfe nicht.
Deshalb müssen bis auf Weiteres 56.000 US-Soldaten im Irak bleiben -
für Assistenz-einsätze, wie es im Militärjargon so schön heißt.

Obama hat diesen Krieg nicht begonnen. Aber er kann ihn auch nicht
wirklich beenden, weil es im Irak das noch lange nicht geben wird,
was das Ende eines Krieges markiert: Frieden.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKZ

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel