• 18.08.2010, 19:36:14
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Sarkozy verdrängt, dass Roma EU-Bürger sind" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 19.08.2010

Graz (OTS) - Gestern flogen die ersten 79 Roma, die auf
Anordnung von Staatspräsident Nicolas Sarkozy von Frankreich
abgeschoben werden, zurück in ihre alte Heimat Rumänien - mit einem
Gratisticket und je 300 Euro Rückkehrgeld. 700 insgesamt sollen auf
diese Art rückgeführt werden. Alles Leute, die straffällig geworden
sind oder/und über keine Aufenthaltsgenehmigung verfügen, versichert
Immigrationsminister Eric Besson.

Dennoch: Die Opposition in Frankreich schäumt und selbst
Parteifreunde des Präsidenten sind skeptisch, ob es moralisch
vertretbar ist, Angehörige einer ohnedies stigmatisierten,
ausgegrenzten Minderheit in so großer Zahl zu vertreiben.

Rumäniens Außenminister Teodor Baconschi empörte sich gar; "Wenn eine
ganze Volksgruppe kollektiv kriminalisiert wird, werden anstatt
Lösungen Spannungen erzeugt". Recht hätte er - wenn man ihn ernst
nehmen könnte. Denn nicht Frankreich ist ein Land, das in erster
Linie dafür verantwortlich ist, dass die Mehrheit der Roma unter
menschenunwürdigen Bedingungen lebt. Es sind vor allem Länder wie
Rumänien, Bulgarien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien, die sie
erbärmlich behandelt.

Als "Zigeuner" wurden, und werden sie seit Jahrhunderten in ganz
Europa verachtet. Wie Indianer zwang man sie zur Sesshaftigkeit. Mit
dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems, das Roma und Sinti
zumindest notdürftig versorgte, brach deren ohnedies nur zögerliche
Integration in das westliche Werte- und Sozialsystem blitzartig
zusammen.

Heute leben die meisten Roma in Osteuropa in Gettos, die in ihrer
brutalen Armseligkeit daran erinnern, dass die Erste und die Dritte
Welt auch im Europa des 21. Jahrhunderts Nachbarn sind. Dass diese
Menschen heute EU-Bürger sind, kann man ihnen nicht ankreiden. Das
haben jene europäischen Politiker zu verantworten, die Länder wie
Rumänien trotz aller Bedenken partout rasch in die Union aufgenommen
haben. Jetzt ist es müßig, darüber zu diskutieren und daher absurd,
dass das EU Land Frankreich nun EU-Bürger ins EU-Land Rumänien
abschiebt - ganz abgesehen davon, dass die nun Vertriebenen über kurz
oder lang wieder in Frankreich auftauchen werden.

Vor allem aber: Diese Art der Massenabschiebung, die gezielt eine
bestimmte Volksgruppe trifft, erinnert fatal an die Grauen des
Rassismus. Und gerade der Präsident Frankreich sollte dabei seiner
eigenen Wurzeln gedenken. Denn sein Vater war zwar ein ungarischer
Adeliger. Aber der hieß genau so, wie Tausende Roma: Sarközy.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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