• 18.08.2010, 18:30:08
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ein neuer Anfang für Kärnten - von Wolfgang Unterhuber

Selbst in dieser Krise hat das Land riesige Chancen

Wien (OTS) - Julius Cäsar war der erste Politiker, der das Prinzip
Brot und Spiele verinnerlichte. Das Volk wurde mit Geld und Partys
überschüttet. Dafür himmelte es Cäsar an. Diese Politik kostete
Unsummen. Seine Schulden erreichten rund 20 bis 25 Prozent des
römischen BIP. Aber Cäsar hatte Marcus Licinius Crassus. Der
Megamilliardär finanzierte sein Treiben. Weil Cäsar mit der Eroberung
Galliens reichlich Beute machte, ging alles gut aus.
Wir sehen also: Brot und Spiele sind ein alter Hut. Auch Jörg Haider
perfektionierte dieses System. Sein Crassus war sozusagen Wolfgang
Kulterer. Gallien war in diesem Fall der Balkan. Die dortigen Spieler
und ihre Regeln waren aber eine Nummer zu groß. Das war der
Systemfehler, der eine Kette von Entscheidungen und Handlungen
auslöste, die zum größten Bankenskandal in der Zweiten Republik
führten (bis vor Kurzem dachten wir noch, das sei die Bawag-Affäre
gewesen).

Welche Konsequenzen gilt es daraus zu ziehen? Die Geschichte zeigt,
dass nach großen Populisten eine Zeit großer Unruhe folgt. Das wollen
wir uns für Kärnten nicht ausmalen. Zunächst gilt daher: Der
Hypo-Skandal repräsentiert nicht Kärnten, und auf das System Haider
wäre die Bevölkerung überall reingefallen. Pauschale Verurteilungen
sind somit absolut unangebracht und helfen nicht weiter. Kärnten hat
selbst in dieser Krise riesige Chancen. Es ist ein Land mit
großartigen Leitbetrieben wie Infineon, GreenOneTec, Griffner Haus
und so weiter. Dazu kommt eine solide Holz- und Papierindustrie sowie
eine Vielzahl von innovativen Projekten Richtung Ökologisierung.
Viele Kärntner Unternehmen suchen dringend Fachkräfte. Aber wer will
schon nach Kärnten?

Genau das ist das Problem. Kärnten braucht einen Imagewechsel. Eine
moderne, weltoffene (Wirtschafts-)Politik. Schluss mit der subtilen
Fremdenfeindlichkeit, Kärntens Bevölkerung schrumpft. Es benötigt
Zuwanderer, um als Wirtschaftsstandort an Profil zu gewinnen. Dazu
muss nach vier Jahrzehnten die Ortstafeldebatte endlich gelöst
werden. Die Regierenden trauen sich nur nicht. Aus Angst davor, als
Warmduscher dazustehen. Dabei wäre das ein tolles Signal. Seht her:
Wir treten aus dem Schatten der Altvorderen. Apropos Schatten: Jene
Politiker und sonstige Helfer, die selbst am besten wissen, wie sehr
sie im Hypo-Strudel strampeln, sollten Rückgrat beweisen und ihren
strategischen Rückzug antreten. Damit würden sie dem Land, seinen
Bewohnern und seinen Unternehmern einen großen Dienst erweisen. Der
Skandal wäre dann nur noch eine Sache der Justiz und nicht der
Tagespolitik. Kärnten wäre frei für die Zukunft.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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