Henri Boulad: "Europa ist die Seele abhanden gekommen"

Ägyptischer Mystiker: Kirche braucht Kurswechsel, um Durst der Menschen nach Gott besser stillen zu können

Klagenfurt, 13.08.10 (KAP) Nach Überzeugung des ägyptischen Jesuiten und Mystikers Henri Boulad ist Europa "die Seele abhanden gekommen". Die Europäer hätten seit dem Erlangen von Frieden und Wohlstand nach dem Weltkrieg "kein zentrales Projekt" und "keine Vision, nichts, wofür es sich zu kämpfen lohnt", so die Diagnose des erfolgreichen Buchautors und Vortragsreisenden, der bis 1995 Leiter der Caritas Ägypten und Vizepräsident des Caritas-Weltverbandes "Caritas Internationalis" war.

Boulad bezeichnete es in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung "Der Sonntag" als bedauerlich, dass sich die Kirche ausgerechnet während dieses Sinnvakuums in der Krise befinde. Dabei liege das Problem weit tiefer als in den zutage getretenen Missbrauchsfällen. Der Glaube sei für die Menschen in Europa nicht mehr wichtig, in die Kirche hätten sie das Vertrauen verloren: "Das ist die Tragik. Ich würde sagen: Europa ist ein spirituelles Entwicklungsland."

Der Kirche empfahl Boulad einen "vollständigen Kurswechsel" hin zu mehr Flexibilität und Kreativität, um den vorhandenen Durst der Menschen nach Mystik und letztlich nach Gott besser stillen zu können. Derzeit scheine die Kirche "blockiert", "sie stemmt sich gegen jede Änderung". Hätten internationale Großkonzerne wie Sony oder Coca Cola ähnliche Probleme, würden sie längst einen Beraterstab engagieren und ihre Strategie um 180 Grad ändern, so Boulad.

Ohne eine spirituelle Erneuerung werde es nicht gelingen, die Menschen in die Kirche zurückzuholen. "Was wir brauchen, sind echte Propheten, die fähig sind, den Menschen die Wahrheit zuzumuten und sie zu bewegen, dass sie ihren Schrebergarten verlassen", betonte Boulad.

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