• 08.08.2010, 20:23:35
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "In der größten Not zeigt Wladimir Putin Stärke" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 9.8.2010

Graz (OTS) - Die Brandkatastrophe in Russland hat ein
apokalyptisches Ausmaß angenommen. Dutzende Menschen sind gestorben.
Ganze Dörfer gehen in Flammen auf, Soldaten flüchten aus brennenden
Kasernen, riesige Weizenfelder und Wälder verbrennen und die Luft in
der Metropole Moskau vernebelt mittlerweile auch die Gänge der
U-Bahn.

In diesen Tagen braucht Russland wenigstens etwas gut Sichtbares:
eine markante Führung. Und die hat es. In der Person von Wladimir
Putin. Der Ministerpräsident versteht sich als Seelentröster. Er
spricht erschöpften Feuerwehrmännern und Soldaten Mut zu, schüttelt
hemdsärmelig die schwieligen Hände von alten Babuschkas, die im Feuer
alles verloren haben, er verspricht allen Feueropfern, deren Häuser
rasch wieder aufbauen zu lassen und er kanzelt öffentlich
Behördenchefs ab, die zu wenig getan haben gegen die Walze aus Feuer
und Rauch.

Als zu Beginn seiner Amtszeit - damals noch als Staatspräsident - die
Besatzung des Atom-U-Bootes Kursk auf dem Grund der Barentssee
verzweifelt um ihr Leben kämpfte, urlaubte der oberste aller Russen
ungerührt im sonnigen Sotschi am Schwarzen Meer. Das hat die Russen
damals empört.

Doch diesmal ist Putin mitten im Geschehen und vermittelt den
Eindruck des rührigen Machers, der die Sorgen und Nöte aller zu den
seinen macht.

Geschickt kaschiert der Ministerpräsident, dass er mit schuld ist am
Ausmaß der Katastrophe. Natürlich kann er nichts für das Wetter, für
die monatelange Trockenheit und Hitze. Aber die Hilflosigkeit und
Desorganisation bei der Brandbekämpfung ist auch sein Werk. Wie einst
die Zaren und später die Kommunisten haben es auch die derzeitigen
Kreml-Machthaber den Menschen in Russland abgewöhnt, Eigeninitiativen
zu entfalten, Verantwortung zu übernehmen. Niemand fühlt sich
zuständig für eine nachhaltige Bewirtschaftung der riesigen Wälder.
Im Gegenteil: Unter Putin wurde die Forstverwaltung und der
Katastrophenschutz zentralisiert. Zehntausende Waldarbeiter verloren
ihren Job und für die Löschteiche in den Dörfern fühlte sich niemand
zuständig.

Die von Putin propagierte "Vertikale der Macht" hat sich in Wahrheit
als Ohnmacht der Mächtigen bei der Bekämpfung eines großen Unglücks
erwiesen. Aber der einstige KGB-Agent, der zum Staatsmann mutierte,
zeigt, dass die Menschen in Zeiten der Not vor allem Führung, Präsenz
und Symbolik schätzen. All das bietet Wladimir Putin ihnen. Aus der
großen Katastrophe wird er deshalb politisch gestärkt hervorgehen.
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Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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