- 08.08.2010, 08:00:09
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"profil": Westerwelle zur Wirtschaftskrise: "Wir haben tief in den Abgrund geschaut"
Deutscher Vizekanzler und Außenminister macht "Staatsversagen" für Bankenkrise verantwortlich
Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" gibt sich der deutsche
Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) besorgt, dass
die Griechenland-Krise noch nicht ausgestanden ist: "Dass
Griechenland jetzt ein ehrgeiziges Struktur- und Konsolidierungspaket
beschlossen hat und durchsetzt, ist auch das Ergebnis unserer klaren
europapolitischen Haltung: dass wir helfen, aber eben zur
Selbsthilfe. Ich sage Ihnen voraus: Das Kapitel ist noch nicht
geschlossen. Jetzt geht es darum, dass wir alle in Europa die
Konsequenzen aus der Finanzkrise ziehen, damit uns das nicht in zwei,
drei Jahren wieder passiert. Wir haben tief in den Abgrund geschaut",
so Westerwelle.
Und weiter: "Bei der Rettung des Euro ging es nicht nur um den
Schutz unserer Währung, sondern um Europa insgesamt."
Die Bankenkrise ist nach Westerwelles Einschätzung nicht in erster
Linie auf ein Versagen des Marktes zurückzuführen: "Augenscheinlich
wächst die Zahl der Menschen in Europa, die sich nicht einreden
lassen wollen, dass das Versagen von Staats- und Landesbanken ein
Versagen der sozialen Marktwirtschaft sei, sondern wissen, dass es
Staatsversagen war."
Zum Thema Afghanistan, wo Deutschland mit mehreren tausend
Soldaten präsent ist, warnt Westerwelle im "profil"-Interview vor
"Wirklichkeitsverweigerung": Man solle "nicht so tun, als ginge es in
Afghanistan nur um das Bohren von Brunnen oder den Bau von
Krankenhäusern. Die Bundeswehr hat den klaren Auftrag, dass wir
Gegner festsetzen und den afghanischen Behörden übergeben. Aber den
Eindruck zu erwecken, dass da, wo zum Teil mit schweren Waffen
gekämpft wird, nicht auch Menschen sterben, das ist unangebracht."
Rückfragehinweis:
"profil"-Redaktion, Tel.: (01) 534 70 DW 3501 und 3502
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