"profil": Westerwelle zur Wirtschaftskrise: "Wir haben tief in den Abgrund geschaut"

Deutscher Vizekanzler und Außenminister macht "Staatsversagen" für Bankenkrise verantwortlich

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" gibt sich der deutsche Vizekanzler und Außenminister Guido Westerwelle (FDP) besorgt, dass die Griechenland-Krise noch nicht ausgestanden ist: "Dass Griechenland jetzt ein ehrgeiziges Struktur- und Konsolidierungspaket beschlossen hat und durchsetzt, ist auch das Ergebnis unserer klaren europapolitischen Haltung: dass wir helfen, aber eben zur Selbsthilfe. Ich sage Ihnen voraus: Das Kapitel ist noch nicht geschlossen. Jetzt geht es darum, dass wir alle in Europa die Konsequenzen aus der Finanzkrise ziehen, damit uns das nicht in zwei, drei Jahren wieder passiert. Wir haben tief in den Abgrund geschaut", so Westerwelle.

Und weiter: "Bei der Rettung des Euro ging es nicht nur um den Schutz unserer Währung, sondern um Europa insgesamt."

Die Bankenkrise ist nach Westerwelles Einschätzung nicht in erster Linie auf ein Versagen des Marktes zurückzuführen: "Augenscheinlich wächst die Zahl der Menschen in Europa, die sich nicht einreden lassen wollen, dass das Versagen von Staats- und Landesbanken ein Versagen der sozialen Marktwirtschaft sei, sondern wissen, dass es Staatsversagen war."

Zum Thema Afghanistan, wo Deutschland mit mehreren tausend Soldaten präsent ist, warnt Westerwelle im "profil"-Interview vor "Wirklichkeitsverweigerung": Man solle "nicht so tun, als ginge es in Afghanistan nur um das Bohren von Brunnen oder den Bau von Krankenhäusern. Die Bundeswehr hat den klaren Auftrag, dass wir Gegner festsetzen und den afghanischen Behörden übergeben. Aber den Eindruck zu erwecken, dass da, wo zum Teil mit schweren Waffen gekämpft wird, nicht auch Menschen sterben, das ist unangebracht."

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