• 04.08.2010, 19:46:59
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Bohrloch ist zu und der Druck ist weg" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 05.08.2010

Graz (OTS) - BP hat es geschafft. Das Bohrloch im Golf von
Mexiko ist verschlossen, publikumswirksam wird jetzt wohl noch in
Aufräumarbeiten und ins Image investiert werden, dann dürfte der
Ölgigant langsam aus dem kollektiven Kurzzeitgedächtnis verschwinden.
Und anderen Katastrophen weichen. Dann ist wieder "Business as usual"
angesagt, und dazu dürften weiter die Tiefseebohrungen gehören. Denn
wir alle brauchen das schwarze Gold noch Jahrzehnte, bis sich andere
Energiequellen in ausreichender Form auftun.

In der "Buchhaltung" von BP wird die Ölkatastrophe zu keinen großen
Verwerfungen führen. Das Fiasko ist durch milliardenschwere
Rückstellungen zum Teil schon verarbeitet, mit dem Rauswurf des
Konzernchefs Tony Hayward hat man einen Sündenbock gefunden, und der
Aktienkurs klettert seit dem anfänglichen Absturz wieder munter nach
oben. Das liegt letztlich auch daran, dass sich der Imageverlust in
Grenzen gehalten hat. In Europa hat BP praktisch keine Umsatzeinbußen
zu verzeichnen gehabt, selbst in den USA wurden größere Einbrüche nur
in den von der Ölpest betroffenen Bundesstaaten registriert.

Mit dem Versiegeln des Bohrlochs lässt aber nicht nur der Öldruck
rapide nach, sondern auch der Druck auf Behörden und Politiker, in
Sachen Umweltschutz aktiv zu werden. So wollen die USA zwar neue
Sicherheitsbestimmungen für Tiefseebohrungen per Gesetz vorschreiben
und die Obergrenze für Schadenersatz von derzeit geradezu
lächerlichen 75 Millionen Dollar beseitigen, der Zeitplan ist aber
noch völlig offen. Die Beratungen dazu haben erst begonnen, im August
gibt's Ferien, und dann dürfte man sich den Kongresswahlen vom
November zuwenden.

Bis dahin werden die Lobbyisten von Exxon, BP und Co in Washington
nicht müßig sein und darauf hinweisen, wie wichtig die Erdölindustrie
in der wirtschaftlich ohnehin angeschlagenen Golfregion ist.
Strengere Vorschriften kosten Arbeitsplätze, also bitte nichts
überstürzen. Wie schnell und effizient die Politik auf Krisen und
Katastrophen reagiert, hat man auch nach dem Finanzdebakel vor zwei
Jahren gesehen. Angekündigt wurde viel, geschehen ist nichts.

Für Optimismus ist also wenig Platz. Man kann die Gier der Konzerne
beklagen und die Untätigkeit der Politik, sollte dabei aber nicht
vergessen, vor der eigenen Tür zu kehren. Solange wir alle weiterhin
ungeniert Vollgas geben, wird auch bei der nächsten Ölkatastrophe der
Druck auf die Multis aufhören, sobald das Bohrloch verschlossen
ist.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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