- 02.08.2010, 08:45:03
- /
- OTS0009 OTW0009
WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Leiharbeit: Vom Sonder- zum Normalfall - von Manfred Mader
Die Arbeitnehmervertreter haben eine Mitschuld am Trend
Wien (OTS) - Kein Zweifel, die Talsohle in der Industrieproduktion
ist durchschritten, es geht wieder aufwärts. Das macht sich auch in
der Beschäftigungssituation positiv bemerkbar. BMW Steyr, Opel
Aspern, Voest, A-Tec - wohin man schaut, in der Industrie werden
wieder Mitarbeiter eingestellt. So erfreulich die Situation ist, es
gibt einen Wermutstropfen. Fast alle diese zusätzlichen Jobs sind
keine regulären Arbeitsverhältnisse, sondern Anstellungen auf Zeit.
Die Leiharbeiterbranche boomt, beim Personaldienstleister Trenkwalder
stieg die Zahl der Mitarbeiter in Österreich im ersten Halbjahr um 27
Prozent.
Überraschen kann dieser Trend nicht. Die Arbeitgeber sind aus Schaden
klug geworden. Als in der Krise die Aufträge ausgeblieben sind, war
für die meisten die teure Kurzarbeit neben betriebsbedingten
Kündigungen das einzige Mittel, um überzählige Mitarbeiter nicht in
den Fabrikshallen Däumchen drehen zu lassen. Die Produktivitätswerte
sanken daraufhin massiv. Nun, wo keiner vorhersagen kann, wie
nachhaltig der Aufschwung wirklich ist, setzt man lieber auf
Zeitarbeiter.
So verständlich dieser Trend aus Unternehmersicht ist, dieser Praxis
gehört ein Riegel vorgeschoben. Nichts ist dagegen einzuwenden, wenn
etwa fünf Prozent des Personals aus Leiharbeitern bestehen, um
Schwankungen ausgleichen zu können. Doch die Arbeiterkammer berichtet
von Industrieunternehmen, in denen die Leiharbeiter inzwischen die
Mehrheit der Arbeitnehmer stellen. So werden Mitarbeiterrechte
ausgehöhlt und Sozialdumping betrieben. Zwar haben Leiharbeiter
mittlerweile auch einen Kollektivvertrag, aber das Lohnniveau und die
soziale Absicherung ist weitaus geringer.
Das Paradoxe an der Situation ist allerdings, dass ausgerechnet die
Arbeitnehmervertreter an dieser ungesunden Entwicklung einen großen
Anteil haben. In der Herbstlohnrunde des Vorjahres hat die
Arbeitgeberseite massiv darauf gedrängt, mehr
Arbeitszeitflexibilisierung zuzulassen. Doch die Verhandlungen sind
gescheitert, seitdem kommt von Arbeitnehmerseite nur das immergleiche
Mantra einer Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich.
Der Realität, dass Aufträge immer kürzere Vorlaufzeiten haben und
Auslastungsniveaus immer höheren Schwankungen unterliegen, muss man
ins Auge blicken. Die Frage ist, wie man darauf reagiert: Mehr
Flexibilität beim Stammpersonal zulassen oder künftig den Sonderfall
Leiharbeiter zum Normalfall werden zu lassen.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB






