"Kleine Zeitung" Kommentar: "Vom Gelächter am leeren EU-Fisch-Pool" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 31.07.2010

Graz (OTS) - Was haben wir gelacht. In der Bucht unseres griechischen Ferienortes gab es eine Art riesigen Swimmingpool. Aus Beton und mit Salzwasser gefüllt. Lokale Freunde klärten uns über Wesen und Sinn des Beckens auf: Von der EU habe die Kommune einen Batzen Geldes erhalten, um Fische zu züchten. Mit einem Bruchteil davon habe man den Pool gebaut. Wann immer Brüssel eine Kontrolle ankündige, kippten die Fischer ein paar Tage lang ihre gesamten Fänge in das Becken, um sie nach Abreise der Kontrolleure wieder zu entnehmen. - Was haben wir gelacht, über diese listigen Griechen.

Heute lacht niemand mehr. Unter der sympathisch mattierten Oberfläche von Gemütlichkeit und Improvisation verfaulte offenbar ein ganzes System. Natürlich, in erster Linie waren es Politiker, korrupte Beamte und Spekulanten, die Griechenland an den Rand des totalen Konkurses brachten. Aber es gab und gibt auch im ganz normalen Alltag zu viele Missbefindlichkeiten, als das man die sogenannte Bevölkerung von jeder Mitschuld freisprechen könnte.

Soeben hat wieder die Saison der Waldanzünder begonnen. Was viele Touristen als Hitzschlag der Natur wahrnehmen, ist ein seit Jahrzehnten übliches Verbrechen: Waldland darf nicht bebaut werden, Brandland schon. Ein offenbar gutwillig blöde formuliertes Gesetz, die Flammenstürme geradezu provoziert.

Langjährige Griechenlandfahrer erinnern sich zweifellos an ein anderes Wahrzeichen: Das dachlose Haus, aus dessen oberstem Geschoss Baustahl ragte. Doch es war zumeist nicht plötzliche Geldknappheit der Häuslbauer, die solche Teilruinen nach sich zog, sondern der Umstand, dass erst nach Fertigstellung des Daches Grundsteuer fällig wurde. Wozu also sich mit einem Dach belasten?

Oder wozu mit Netzen fischen, wenn es mit Dynamit auch geht? Ganze Küstenstriche sind schon in den fünfziger Jahren auf diese Weise verödet.

Ich habe alle Griechen, denen ich je begegnete als ungeheuer großzügig und freigiebig erlebt. Warum sich aber die ganze Nation mit dem üblen Brauch des Fakelaki, der allgegenwärtigen Schmiergeldpflicht arrangieren konnte, bleibt ein Rätsel.

Lösen werden diese(s) Rätsel nur die Griechen selbst können. Einen, wenngleich subjektiv als berechtigt empfundenen Streik zu beenden, ist dafür zu wenig. Man muss Griechenland nicht gleich Blut, Schweiß und Tränen abverlangen. Aber mehr staatsbürgerliche Ernsthaftigkeit und etwas strengere Sitten auf jeden Fall.****

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