- 29.07.2010, 08:50:08
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ÖAMTC: Die gröbsten Mängel beim diesjährigen Europäischen Tunneltest, Teil 3
Gefahrenpotenzial abseits der Autobahnen - Notfallübungen nicht verpflichtend
Wien (OTS) - Der Europäische Tunneltest 2010 hat gezeigt, dass die
Tunnelbauer aus vielen alten Fehlern gelernt haben. In Österreich
beispielsweise wurden Katschberg und Tanzenberg Tunnel nach einer
schlechten Performance in früheren Tests aufgerüstet und konnten
jetzt mit sehr gut beurteilt werden. "Aber einige Mängel ziehen sich
weiterhin wie ein roter Faden durch die EuroTAP Tunneltests", sagt
ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke.
* Ganz oben auf der Mängelliste sind die erschwerten Bedingungen für
Einsatzkräfte im Brandfall. Bei 54 Prozent der Testkandidaten war die
Einsatzdauer der Atemschutzgeräte für die Feuerwehr mit noch nicht
einmal einer Stunde zu knapp bemessen. "Bei starker Verrauchung
können sich Feuerwehrleute nur sehr langsam bewegen und benötigen für
einen Weg von 300 Metern unter Umständen eine halbe Stunde. Selbst
bei einer Einsatzdauer der Geräte von einer Stunde bleibt da keine
Zeit mehr, um den Brand zu löschen oder andere Rettungsmaßnahmen
durchzuführen", erklärt der ÖAMTC-Tunnelexperte.
* Bei mehr als einem Drittel der getesteten Tunnel vermissten die
Tester Lautsprecher, mit Hilfe derer Autofahrer bei ihrer Fahrt durch
den Tunnel über besondere Ereignisse informiert und Anweisungen durch
das Tunnelpersonal gegeben werden können.
* Bei mehr als einem Viertel gab es keine Hydranten an den Portalen.
* Bei knapp einem Viertel fehlten jeweils Schranken zur
Tunnelsperrung und/oder Infotafeln vor den Portalen.
* Ebenso in jedem vierten Tunnel sorgten dunkle Wände für eine
düstere Atmosphäre, waren die Verständigung über Notruf nur
unzureichend oder die Fluchtwege nicht gekennzeichnet.
* Bei immerhin 19 Prozent fehlte das, was man für selbstverständlich
hält: eine ausreichende Beleuchtung und ein durchgehend zu
empfangener Verkehrsfunk.
* Bei ebenfalls 19 Prozent gab es keine regelmäßigen Notfallübungen
oder es kann nicht verhindert werden, dass bei einem Brand Rauch in
die Nachbarröhre zieht.
* Bei jeweils vier Tunnel war der Abstand der Notrufe zu groß, gab es
keine Löschwasserversorgung im Tunnel oder keine Überfahrtmöglichkeit
für Einsatzfahrzeuge an den Portalen.
Abseits der Hauptrouten schlummert ein weiteres Gefahrenpotenzial.
Denn während in Autobahntunnel regelmäßige Notfallübungen mit allen
Einsatzkräften unter Beobachtung des ÖAMTC angeordnet und auch durch
Videos dokumentiert werden, gilt das für andere Tunnel nicht. Ein
krasses Beispiel ist der Grenztunnel in Füssen zwischen Bayern und
Tirol. "Dort gab es die letzte und einzige Großübung mit den
Feuerwehren beider Länder vor zehn Jahren", sagt Willy Matzke. Der
Tunnel gehört zur deutschen Autobahn A7 von Kempten Richtung
Österreich, die in Tirol wegen der Streichung der Fernpass
Schnellstraße nicht weitergebaut wurde. Im Ernstfall müssen aber auch
österreichische Feuerwehren in den Tunnel vorrücken, ohne
entsprechend dafür ausgerüstet oder vorbereitet zu sein. "Hier ist
das Land Tirol jetzt gefordert", sagt der ÖAMTC-Tunnelexperte
abschließend.
(Schluss)
Rückfragehinweis:
ÖAMTC-Öffentlichkeitsarbeit, Eva Käßmayer, Tel.: +43 (0) 1 711 99-1218, mailto:[email protected], http://www.oeamtc.at
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