ÖAMTC: Die gröbsten Mängel beim diesjährigen Europäischen Tunneltest, Teil 3

Gefahrenpotenzial abseits der Autobahnen - Notfallübungen nicht verpflichtend

Wien (OTS) - Der Europäische Tunneltest 2010 hat gezeigt, dass die Tunnelbauer aus vielen alten Fehlern gelernt haben. In Österreich beispielsweise wurden Katschberg und Tanzenberg Tunnel nach einer schlechten Performance in früheren Tests aufgerüstet und konnten jetzt mit sehr gut beurteilt werden. "Aber einige Mängel ziehen sich weiterhin wie ein roter Faden durch die EuroTAP Tunneltests", sagt ÖAMTC-Tunnelexperte Willy Matzke.

* Ganz oben auf der Mängelliste sind die erschwerten Bedingungen für Einsatzkräfte im Brandfall. Bei 54 Prozent der Testkandidaten war die Einsatzdauer der Atemschutzgeräte für die Feuerwehr mit noch nicht einmal einer Stunde zu knapp bemessen. "Bei starker Verrauchung können sich Feuerwehrleute nur sehr langsam bewegen und benötigen für einen Weg von 300 Metern unter Umständen eine halbe Stunde. Selbst bei einer Einsatzdauer der Geräte von einer Stunde bleibt da keine Zeit mehr, um den Brand zu löschen oder andere Rettungsmaßnahmen durchzuführen", erklärt der ÖAMTC-Tunnelexperte.

* Bei mehr als einem Drittel der getesteten Tunnel vermissten die Tester Lautsprecher, mit Hilfe derer Autofahrer bei ihrer Fahrt durch den Tunnel über besondere Ereignisse informiert und Anweisungen durch das Tunnelpersonal gegeben werden können.

* Bei mehr als einem Viertel gab es keine Hydranten an den Portalen.

* Bei knapp einem Viertel fehlten jeweils Schranken zur Tunnelsperrung und/oder Infotafeln vor den Portalen.

* Ebenso in jedem vierten Tunnel sorgten dunkle Wände für eine düstere Atmosphäre, waren die Verständigung über Notruf nur unzureichend oder die Fluchtwege nicht gekennzeichnet.

* Bei immerhin 19 Prozent fehlte das, was man für selbstverständlich hält: eine ausreichende Beleuchtung und ein durchgehend zu empfangener Verkehrsfunk.

* Bei ebenfalls 19 Prozent gab es keine regelmäßigen Notfallübungen oder es kann nicht verhindert werden, dass bei einem Brand Rauch in die Nachbarröhre zieht.

* Bei jeweils vier Tunnel war der Abstand der Notrufe zu groß, gab es keine Löschwasserversorgung im Tunnel oder keine Überfahrtmöglichkeit für Einsatzfahrzeuge an den Portalen.

Abseits der Hauptrouten schlummert ein weiteres Gefahrenpotenzial. Denn während in Autobahntunnel regelmäßige Notfallübungen mit allen Einsatzkräften unter Beobachtung des ÖAMTC angeordnet und auch durch Videos dokumentiert werden, gilt das für andere Tunnel nicht. Ein krasses Beispiel ist der Grenztunnel in Füssen zwischen Bayern und Tirol. "Dort gab es die letzte und einzige Großübung mit den Feuerwehren beider Länder vor zehn Jahren", sagt Willy Matzke. Der Tunnel gehört zur deutschen Autobahn A7 von Kempten Richtung Österreich, die in Tirol wegen der Streichung der Fernpass Schnellstraße nicht weitergebaut wurde. Im Ernstfall müssen aber auch österreichische Feuerwehren in den Tunnel vorrücken, ohne entsprechend dafür ausgerüstet oder vorbereitet zu sein. "Hier ist das Land Tirol jetzt gefordert", sagt der ÖAMTC-Tunnelexperte abschließend.

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