• 23.07.2010, 14:07:30
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Kardinal Schönborn: "In Österreich fehlt ein durchgängiges Pflege-Gesamtkonzept"

Kritische und lobende Worte des Kardinals bei Fachveranstaltung der Barmherzigen Schwestern in Gumpendorf

Wien (OTS) - "Dass Menschen gut betreut und in Würde alt werden
können, geht uns alle an. Die Kirche soll oder muss in diesem Sinn
manchmal unbequeme Mahnerin sein." Das erklärte Kardinal Christoph
Schönborn bei der Fachveranstaltung "Mehr als Daheim - Innovation und
Integration in der Altenpflege", die am Abend des 22. Juli 2010 im
Alten- und Pflegeheim St. Katharina stattgefunden hat. Der Kardinal
fordert ein durchgängiges Pflege-Gesamtkonzept für Österreich. +++

Aufgabe der Politik sei es, sozial gerechte, solidarische
Rahmenbedingungen zu schaffen, um Lebensqualität auch in der
Situation des Alterns zu sichern, so Schönborn. "Einiges hat sich
bereits im Bereich der Pflege positiv weiterentwickelt - das ist sehr
erfreulich." Die Einführung des Pflegegeldes 1993 lobte er als große
Pionierleistung. Die gesetzliche Regelung der 24-Stunden-Betreuung
zuhause, die Einführung der Familienhospizkarenz für die Begleitung
sterbender naher Angehöriger oder schwerstkranker Kinder oder die
Verbesserungen bei der Versicherung pflegender Angehörige sind
wichtige Bausteine. Schönborn: "Was leider nach wie vor in Österreich
fehlt, ist ein durchgängiges Pflege-Gesamtkonzept. Es geht um ein
verlässliches und gerechtes Gesundheits- und Sozialwesen für
Österreich. Die ersten Ansätze zur Schaffung eines Pflegefonds mit
einer solidarischen Finanzierung sind hier ein guter Weg. Es gilt,
Pflegefinanzierung aus der Sozialhilfe herauszunehmen. Ähnlich wie
das Risiko bei Krankheit muss auch das Risiko der Pflegebedürftigkeit
solidarisch getragen und finanziert werden."

Die hohe Zahl alter und hochbetagter Menschen stelle für viele
Gesellschaften eine vollkommen neue Erfahrung dar. Daher müsse dafür
gesorgt werden, dass Betreuung und Pflege für alle qualitätsvoll und
leistbar sein.

Seit über 170 Jahren pflegen und begleiten die Barmherzigen
Schwestern kranke und betagte Menschen und folgen damit ihrem
vinzentinischen Auftrag im Bewusstsein der Spiritualität und
Tradition des Ordens. Die Vision der Barmherzigen Schwestern für die
Pflege alter Menschen ist die integrative Vernetzung von Medizin und
Pflege - ein Modell, das die traditionellen Grenzen beider
Professionen überschreitet zum Wohle der uns Anvertrauten - heute und
in der Zukunft.

Derzeit benötigen rund 400.000 Österreicher, das entspricht rund
fünf Prozent der Bevölkerung, ständige Pflege. Bis 2030 werden rund
neun Mio. Menschen in Österreich leben, jeder Neunte wird über 75
Jahre alt sein. In Wien wird etwa die Altersgruppe 75+ bis zum Jahr
2030 um 54 Prozent zunehmen. Um diesem veränderten Bedarf gerecht zu
werden, spielen Experten zufolge in Zukunft flexible und integrative
Pflegemodelle und -Angebote eine immer wichtigere Rolle. Im
stationären Bereich wird v.a. die Spezialisierung von stationären
Einrichtungen im Vordergrund stehen - wie z.B. spezielle Angebote für
demente Menschen und Ausbau Kurzzeitpflege und Übergangspflege.

Dr. Arno Melitopulos, Geschäftsführer Gesundheit Österreich GmbH,
führte aktuelle Trends und Prognosen im Pflegebereich bis zum Jahr
2030 aus: Diese Entwicklungen im Bereich der Demographie, der
steigenden durchschnittlichen Lebenswartung, der Zunahme an
dementiellen und chronischen Erkrankungen sowie von Komorbitäten
stellen Anbieter von Pflege- und Sozialleistungen vor großen
Herausforderungen, so Dr. Melitopulos. Der Ausbau der mobilen Dienste
wird seitens der Bundesländer im Vordergrund stehen, auch im
stationären Bereich werden bis zum Jahr 2020 insgesamt 15.000 Betten
zusätzlich benötigt werden. Eine im Auftrag des Bundesministeriums
für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz durchgeführte Studie wird
im September 2010 fertiggestellt. Darüber hinaus ist aus Sicht der
Gesundheit Österreich die Schaffung einer bundesweit einheitlichen
Datengrundlage, Entwicklung von Kennzahlen sowie eine bundesweite
Rahmenplanung erforderlich.

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierten Sr. Josefa
Michelitsch und Mag. Anna Parr, Geschäftsführerinnen, Barmherzige
Schwestern Alten- und Pflegeheime GmbH, künftigen Projekte am
Beispiel der Heime der Barmherzigen Schwestern:

* Eine bestehende Kooperation zwischen dem Heim St. Katharina und dem
Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Wien-Gumpendorf (ein
Unternehmen der Vinzenz Gruppe), womit Prozesse im Sinne der
Bewohner- und Patientenorientierung nachhaltig verbessert werden
konnten.
* Das neue Angebot von Übergangspflegebetten im
niederösterreichischen Heim St. Louise (Maria Anzbach, Bezirk
Neulengbach) mit insgesamt 15 Betten nach dem offiziellen Beschluss
des Landes Niederösterreich ab dem Jahr 2011.
* Die Planungen für ein neues und integratives Pflegeheim für
Hernals. Gemeinsam mit dem Krankenhaus Göttlicher Heiland (ein
Unternehmen der Vinzenz Gruppe) wurde ein medizinisch-pflegerisches
Gesamtangebot für alte, pflegebedürftige Menschen entwickelt. Mit der
Neuerrichtung eines Pflegeheimes Hernals mit insgesamt 140 Betten und
20 Betreuungsplätzen in einem Tageszentrum sollen zukünftig
integrierte medizinische, pflegerische und strategisch aufeinander
abgestimmte Angebote gemeinsam mit dem Krankenhaus in einem
Sozialmedizinischen Zentrum Hernals angeboten werden. Die
Spezialisierung der Angebote erfolgt auf denselben medizinischen und
pflegerischen Schwerpunkten in Bereichen aufwändige Wundversorgung,
neurologische Geschehen, Demenz und Gerontopsychiatrie. Insbesondere
durch das Angebot der Kurzzeitpflege kann eine Entlastung des
Akutbereiches unterstützt werden. 150 zusätzlichen Arbeitsplätzen
werden in der Region geschaffen.

Bildmaterial unter: www.vinzenzgruppe.at/presse

Rückfragehinweis:

Mag. Anna Parr
   Geschäftsführerin
   Barmherzige Schwestern Alten- und Pflegeheime GmbH
   Gumpendorfer Straße 108, 1060 Wien
   Tel.: 01 / 595 31 11 - 3901
   E-Mail: [email protected]

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