• 20.07.2010, 19:17:50
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Mit einem Taferl ist es bei der Notenbank nicht getan" (von Rainer Strunz)

Ausgabe vom 21.07.2010

Graz (OTS) - Jörg Haider hatte seine Sternstunden. 1994 etwa
zückte er bei einer Fernsehkonfrontation im Vorfeld der
Nationalratswahlen ein Taferl mit den Bezügen des steirischen
Arbeiterkammer-Präsidenten Alois Rechberger, ein Jahr später machte
er auf eben diese Weise auf das Paradies in der Nationalbank
aufmerksam.

Österreichs "Voodoo-Ökonom", wie ihn das "profil" damals nannte, ging
es dabei weniger um die Aktivbezüge als vielmehr um das
Pensionssystem der Notenbank. Das war damals üppig, wurde reformiert,
und ist nach wie vor "elitär". Denn den weitaus überwiegenden Teil
der Belegschaft erwarten im Vergleich zur ASVG-Pension immer noch
güldene Bezüge. Laut Rechnungshof lagen die Notenbank-Pensionen im
Durchschnitt bei 74.534 Euro per anno, Spitzenverdiener waren 2008 14
pensionierte Direktoriumsmitglieder mit durchschnittlich 300.000
Euro. Zum Vergleich: Die Durchschnitts-Pension lag 2008 bei 14.434
Euro, die Schwerarbeitspension lag bei 20.048 Euro.

Nun wird niemand den heimischen Notenbankern zumuten, mit einer
Schwerarbeiter-Pension in die Rente zu gehen, ganz so hart dürfte das
Leben in dem Unternehmen, das seit Ende Mai zu hundert Prozent im
Eigentum der Republik ist, aber auch nicht sein. Denn schon vor der
Einführung des Euro, also zu Schilling-Zeiten, war ein eigenständiger
Währungskurs praktisch unmöglich, Spötter wähnten bereits damals die
Zentrale der Nationalbank in Frankfurt. Seit dem Euro ist es mit der
Selbstständigkeit völlig vorbei, in ihrem Leitbild führt die
Notenbank jetzt als wesentliche Aufgabe die Umsetzung und
Kommunikation der Geldpolitik an.

Ob dafür auch heute noch gut 1000 Beschäftigte erforderlich sind, mag
dahingestellt sein, zumal sich die Notenbank bei der Aufdeckung der
letzten Debakel wie Bawag, Meinl oder Hypo Kärnten ja nicht gerade
mit Ruhm bekleckert hat. Den nunmehr bekundeten Reformwillen muss man
zudem bezweifeln. Die Aufregung um im Vorjahr angeschaffte
Dienstwagen um jeweils 140.000 Euro verstand man nicht, die
Luxuslimousinen wurden als "üblicher Standard" bezeichnet.

Das signalisiert ebenso wie die jüngsten Stellungnahmen der Bank zu
den Pensionsprivilegien letztlich nur eines: Mit gutem Zureden wird
es nicht getan sein, da müsste die Regierung schon mehr als ein
Taferl herzeigen. Der Optimismus des gelernten Österreichers hält
sich diesbezüglich aber in Grenzen. Nägel mit Köpfen sind hier, wie
da auch 15 Jahre nach Haider kaum zu erwarten.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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