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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Folgt den Menschen!" (Von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 18.07.2010
Graz (OTS) - Alles läuft in Kärnten über das Gefühl. Das spürt
man im Liedgut. Es macht wehrlos. Wenn sich die Gefühlsschleusen
leicht öffnen lassen, ist das schön, aber auch schön gefährlich. Man
ist leichter verführbar und empfänglich für die, die mit den Gefühlen
spielen, mit dem Wir, das gegen "die anderen" in Stellung gebracht
wird. Es ist glückhaft für Kärnten, dass es immer weniger gibt, die
mit sich spielen lassen und hereinfallen auf das Beschwören der
Gespenster der Vergangenheit.
Wer den Menschen in Kärnten begegnet, erfährt, dass sie weiter sind
als die Politik. Die Jungen schauen nach vorne, und vorne heißt, über
die freien Grenzen hinaus; das Wühlen im Gefühlsschutt der
Vergangenheit interessiert sie nicht. Die Liga im Eishockey ist
mehrsprachig wie die boomenden Südkärntner Kindergärten.
Volksgruppenfunktionäre, die einander jahrzehntelang feindselig
gegenüberstanden, kämpfen Seite an Seite für ein neues Miteinander.
Auch die Wirtschaft hat sich längst den Märkten im Süden geöffnet,
mit einer Leidenschaft, die eher bei den Nachbarn Verlustängste
wachrufen könnte. Und wer im Sommer durch die Gassen Klagenfurts
flaniert, wird von einem dreisprachigen Klangteppich gestreift. Was
Ideologie, Kommunismus und Kriege trennten, ist längst zu einer
gemeinsamen polyglotten Genuss-Oase zusammen gewachsen.
Die Karawanken haben nur noch topografische Relevanz, Sinnbild für
geistig-kulturelle Selbstbeschränkung sind sie schon lange nicht
mehr.
Eine Politik, die all diese Wirklichkeiten leugnet und starrsinnig im
Gestern verharrt, weil sie meint, dort sei noch immer die Mehrheit
daheim und das Kleingeld, versündigt sich an diesem Land. Das ist
nicht Heimat-Dienst, sondern Rufschädigung, die zum Brandmal wird.
Die Menschen, die sich von den alten Ängsten nicht länger gefangen
nehmen lassen wollen, wissen, dass eine zweisprachige Ortstafel im
Jahr 2010 kein okkupatorisches Symbol ist, sondern eine Kulturtafel,
die auf gemeinsame Wurzeln verweist, stilles Zeichen gemeinsamer
Identität und Geschwisterlichkeit, wie Valentin Inzko sagt.
Der charismatische Kärntner und Europäer ist ein Glücksfall, nicht
nur für die Minderheit, die er eint, sondern für ganz Kärnten. Er mag
es wie kein anderer. Mit seiner weichen Intelligenz könnte er
Bewegung in die Ortstafelfrage bringen. Es imponiert, wie offen und
unbelastet Inzko auf den Landeshauptmann zugeht. Wenn Gerhard Dörfler
nicht zurückweicht, winkt ihm ein Eintrag ins Geschichtsbuch. Das war
in seiner Biografie nicht vorgesehen. Er verdient jede
Ermutigung.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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