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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Obama und seine nicht gehaltenen Versprechen" (von Peter W. Schroeder)
Ausgabe vom 17.07.2010
Graz (OTS) - Wenn US-Präsident Barack Obama Wort hält, geht in
einem Jahr der Afghanistan-Krieg zu Ende. Denn im Juli 2011 soll der
Rückzug der US-Truppen aus dem Land der Taliban-Krieger, der War
Lords, der Rauschgift-Großhändler und vieler korrupter
Regierungspolitiker beginnen. Aber das Weiße Haus will inzwischen an
das Versprechen des Präsidenten nicht mehr erinnert werden. Und
General David Petraeus, der neue Oberbefehlshaber der US-Truppen im
Land, erklärte erst kürzlich: "Wir werden sehen".
Im Dezember 2009 war sich Präsident Obama noch ganz sicher. Seine
Entscheidung zur Entsendung von 30.000 zusätzlichen US-Soldaten nach
Afghanistan hatte er mit der Begründung verbunden: "Dieser Schritt
wird den Prozess beschleunigen, die Verantwortung für die Sicherung
des Landes in die Hände der Afghanen zu übergeben". Den skeptischen
Bürgern des kriegsmüden Amerikas hatte Obama zusätzlich versichert:
"Dadurch werden wir in die Lage versetzt, Anfang Juli 2011 mit dem
Truppenabzug beginnen zu können". Damit wollte Obama auch das Stigma
überspielen, als Präsident noch länger den zwar "geerbten",
gleichzeitig aber auch längsten Krieg der US-Geschichte verantworten
zu müssen. Denn am 7. Juli dieses Jahres hatte der am 7. Oktober 2001
als Antwort auf die Terroranschläge des 11. September 2001 gestartete
"Anti-Taliban-Krieg" schon 104 Monate gedauert. Und damit noch
länger, als der bislang längste US-Krieg, jener in Vietnam, der nach
103 Monaten beendet war.
Aber inzwischen weiß auch Obama, dass zwischen Versprechen und
Realitäten auch in der US-Politik oft Welten liegen. Wenn nicht, wäre
das US- "Terroristenlager" Guantanamo Bay längst aufgelöst. Die
Finanzhaie der New Yorker Wall Street wären zu seriösem
Geschäftsgebaren verpflichtet. Und die US-Umweltpolitik wäre nicht
das Gespött der Welt, sondern eher ihr Vorbild.
Seit Wochen erklärt Verteidigungsminister Robert Gates immer wieder,
dass man die Truppenabzugs-Ankündigung ja nicht unbedingt wörtlich
nehmen müsse. Ein im Juli 2011 beginnender Abzug von US-Truppen
bedeute ja nicht gleich, dass zu diesem Zeitpunkt auch tatsächlich
die ersten Soldaten nach Hause kämen. Es gehe zum erwähnten Zeitpunkt
eher um eine "zeitnahe Bestandsaufnahme" und die Einleitung von
Maßnahmen, die letztlich zum Abzug führen würden.
Im Klartext: Im Juli 2011 werden wir sehen, was Sache ist und ob
Obama tun kann und wird, was er eigentlich tun wollte.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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