• 16.07.2010, 12:26:30
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Fachliches Innovationswissen ist die nachgefragte Qualifikation nach der Krise

Wien (OTS) - Erfolgreiche österreichische Unternehmen -
insbesondere Industriebetriebe - werden nach der Wirtschaftskrise
anders sein als vorher. Erfolgreiche Unternehmen werden neue
Produkte, neue Märkte und veränderte Dienstleistungen anbieten und
mit neuen Maschinen und neuer Technologie arbeiten. Damit verändern
sich auch die Anforderungen an die Beschäftigten, neue veränderte
Qualifikationen werden in Zukunft von der Wirtschaft nachgefragt.
"Nach der Krise ist nicht wie vor der Krise, das gilt insbesondere
auch für die Qualifikationen der Mitarbeiter", betonte Wolfgang
Tritremmel, Leiter der Abteilung Arbeit und Sozialpolitik der
Industriellenvereinigung und Mitglied des Verwaltungsrates des
Arbeitsmarktservice (AMS), heute, Freitag, vor Journalisten.
Gemeinsam mit den Leitern der Forschungsabteilungen, Entwicklern und
Personalverantwortlichen großer heimischer Unternehmen - wie
beispielsweise Magna, Miba, IBM, die Borealis Group oder die PORR AG
- hat das Arbeitsmarktservice daher in einem Ende 2009 gestarteten
Projekt den künftigen Qualifikationsbedarf der Wirtschaft erhoben.

Fünf große Wirtschaftscluster untersucht

Im Zeitraum Oktober 2009 bis Juni 2010 wurden im Rahmen des "AMS
Standing Committee on New Skills" Spezialistengruppen für die fünf
Wirtschaftscluster "Maschinen, Kfz, Metall" - "Chemie, Kunststoff,
neue Materialien" - "Büro und Verwaltung" - "Gesundheit, Wellness und
Tourismus" und "Bau und Bauökologie" eingerichtet. In jeweils drei
Arbeitssitzungen haben Branchenfachleute aus großen, innovativen
Unternehmen, Clustermanager, Vertreter des AMS, von
Weiterbildungseinrichtungen, Sozialpartnerorganisationen und
Beratungseinrichtungen wichtige betriebliche Veränderungsprozesse und
daraus resultierende kurz- bis mittelfristige
Qualifizierungserfordernisse identifiziert. "Die Festlegung der
Cluster erfolgte sowohl nach der Betroffenheit der jeweiligen Branche
durch die Wirtschaftskrise, als auch nach der Relevanz für den
Arbeitsmarkt, die künftige Beschäftigung und die wirtschaftliche
Entwicklung", erklärte Wolfgang Bliem, Projektleiter des Instituts
für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw).

Die Halbwertszeit des Wissens wird weiter sinken

Der Tenor der befragten Unternehmen: Die Halbwertszeit des Wissens
wird weiter dramatisch sinken, einmal erworbenes Wissen wird nach
kurzer Zeit wieder veraltet sein. In technologiebezogenen Bereichen
sind rund 50 Prozent der Wissensinhalte nach bereits drei Jahren
veraltet. Bei EDV-Fachwissen beträgt diese Halbwertszeit sogar nur
rund ein Jahr. Das bedeutet, jedes Jahr ist eine Aktualisierung
dieses Fachwissens notwendig. Von der Wirtschaft nachgefragt ist
daher Wissen und Know How, das dem
letzten Stand der laufenden technologischen Entwicklung entspricht.
"Fachliches Innovationswissen ist daher die nachgefragte
Qualifikation in allen untersuchten Wirtschaftsclustern", erklärte
Johannes Kopf, Vorstandsmitglied des Arbeitsmarktservice (AMS)
Österreich.

"Die Schnellen werden die Langsamen hinter sich lassen!"

Das fachliche Innovationswissen hängt an der raschen technologischen
Entwicklung der einzelnen Wirtschaftsbereiche. In der
Metallverarbeitung stehen derzeit die Bereiche Elektrochemie,
Hybridentwicklung und Hochvoltbatterien im Zentrum der
technologischen Entwicklung. Damit wird in dieser Branche neben der
Grundqualifikation in den Bereichen Maschinenbau, Elektro- oder
KFZ-Technik auch Know How in den Bereichen Mechatronik,
Hydraulik/Pneumatik, hybride Antriebstechnologien oder
Alternativenergien nachgefragt. Ebenso sind durch die neuesten
Produktionsverfahren in der Metallverarbeitung neue Qualifikationen
wie Füge- und Klebetechniken sowie Schweißtechniken nachgefragt. "Die
Magna AG beispielsweise sieht vermehrten Bedarf an Aus- und
Weiterbildungsangeboten speziell für die Schwerpunkte alternative
Antriebstechnologien, Leichtbau, Verarbeitung neuer Materialien,
material- und energieschonende Fertigungstechnologien sowie im
Bereich des Product Lifecycle Managements. Der Fokus der
Qualifizierungsmaßnahmen sollte dabei auf der Vermittlung von
anwendungsbereitem Wissen auf höchstem Niveau liegen", erklärte
Sybille Kuske, Program Manager Innovation & Technology der Magna
International Europe AG.
Im Wirtschaftscluster "Chemie, Kunststoff, Neue Materialien" steht
die zunehmende Automatisierung im Zentrum der technologischen
Entwicklung, Kenntnisse in den Bereichen Mechatronik, Elektronik und
Robotik sind daher stark nachgefragt. Im Wirtschaftscluster "Büro und
Verwaltung" dreht sich die technologische Weiterentwicklung um neue
IT-Entwicklungen und ihre Anwendung. Im Wirtschafts-cluster
"Gesundheit, Wellness, Tourismus" steht unter anderem die Behandlung
neuer Krankheitsbilder, wie beispielsweise Allergien oder
Essstörungen, im Blickpunkt. Im Wirtschaftsbereich "Bau und
Bauökologie" geht der Trend in Richtung ökologisches Bauen,
nachgefragt ist daher aktuelles Wissen im Bereich Energieeffizienz
und -technik sowie Photovoltaik oder Wärmedämmung. "Die Schnellen
werden die Langsamen hinter sich lassen. Deshalb gilt es, das
Arbeitskräftepotenzial rasch auf den neuesten Stand des Wissens zu
bringen, weil es der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit der
österreichischen Wirtschaft im internationalen Wettbewerb ist",
betonte Tritremmel.

Nachgefragt: Fachkräfte mit breitem Basiswissen und Know How
in verwandten Bereichen

Für Facharbeiter aber auch für Anlernkräfte wird ein immer breiteres
Wissen notwendig, da die Berufsfelder immer mehr ineinander fließen,
das heißt in der Praxis überschneiden sich die einzelnen
Qualifizierungserfordernisse sehr stark, wie z. B. in den Bereichen
Mechatronik, Spritzgusstechnik und Chemielabortechnik. Generell gilt
daher: "Jedem Mechaniker sein Elektronikwissen, jeder
Kunststoff-technikerin ihre Metallkenntnisse, jedem Bauarbeiter sein
Energiesparwissen und den Arbeitskräften
generell technisches Englisch und Kenntnisse des Projektmanagements.
Das sind die Qualifikations-antworten auf Elektroantrieb, moderne
Kunststoffverarbeitung, Bauökologie und weltweite Vernetzung in einer
gemeinsamen Sprache in immer mehr Projekten", so Tritremmel.

Sprachen, IT-Kenntnisse und neue Formen der
Arbeitsorganisation

Aus dem Trend zur Globalisierung folgt eine starke
Internationalisierung der Unternehmen. Daraus folgt der Bedarf nach
einem unternehmensweiten "Internationalisierungsprogramm" für die
Beschäftigten, das Kenntnisse in verschiedenen Sprachen,
interkulturelles Management und interkulturelles Verständnis sowie
ein länderübergreifendes Projektmanagement beinhaltet. "In Zukunft
werden sowohl Facharbeiter als auch ungelernte Arbeitskräfte gute
Englischkenntnisse benötigen. Dabei geht es nicht nur um
Konversation, sondern auch um das Verständnis von technischem
Englisch bzw. Fachenglisch ", erklärte Kopf. Neben Sprachkenntnissen
werden Arbeitnehmer der Zukunft ebenso gute IT-Kenntnisse sowie die
Fähigkeit zur Kommunikation mit und über neue Medien vorweisen
müssen. Grenzüberschreitendes Arbeiten macht auch neue Formen der
Arbeitsorganisation wie Teleworking, Viodeoconferencing sowie
internationales Prozess- und Projektmanagement notwendig.

"Der Qualifikationsbedarf am Arbeitsmarkt wurde vom AMS auch in den
vergangenen Jahren laufend untersucht, beispielsweise durch die
systematische Analyse der beim AMS gemeldeten freien Stellen sowie
der veröffentlichten Stellenanzeigen in den Printmedien", so Kopf.
"Mit dem Projekt "AMS Standing Committee on New Skills" haben wir nun
eine neue Ebene beschritten, das Projekt ist eine
Qualifikationsforschung der neuen Art. Wir sprechen hier nicht allein
mit den Personalverantwortlichen, sondern mit den Entwicklern und
Innovationsbeauftragten über neue Trends. Die Ergebnisse sind nicht
nur für das AMS, sondern auch für alle anderen Unternehmen von
Bedeutung, da sie nun ihre Weiterbildungs-angebote an den konkreten
Untersuchungsergebnissen ausrichten können."

AMS entwickelte Innovationsschulung für arbeitsuchende
Fachkräfte

Durch den aktuellen Qualifikationsbedarf am Arbeitsmarkt finden
Jobsuchende mit veraltetem beruflichen Wissen nur schwer in den
Arbeitsmarkt zurück. Je spezialisierter das Wissen und je kleiner der
Bereich, in dem Fachwissen angewendet werden kann, desto früher ist
einmal erworbenes Wissen aufgrund neuer technologischer Entwicklungen
nicht mehr zeitgemäß. Das AMS hat daher für den aktuell nachgefragten
Qualifikationsbedarf der Unternehmen eigene Innovationsschulungen für
Fachkräfte entwickelt mit dem Ziel, die betroffenen Personen auf den
aktuellen Stand der beruflichen Qualifikationsanforderungen zu
bringen.

Die Innovationsschulung wurde für die Berufe Büro- und
Einzelhandelskaufmann sowie für Metallbearbeitungstechniker
(Schlosser) und Gas-/Wasser-/Heizungs-Installationstechniker
durchgeführt. Die sechzehn Wochen dauernden Innovationsschulungen
wurden im Januar 2010 begonnen und Ende Mai 2010 mit einer Prüfungs-
und Reflexionswoche beendet.

Rund die Hälfte der Teilnehmer war zwischen 30 und 45 Jahren alt,
rund 40% über 45 Jahre. Mehr als 60% hatten eine abgeschlossene
Lehre, 27% einen Fachschulabschluss. Bei fast der Hälfte der
Teilnehmer fand der Eintritt in die Erwerbstätigkeit vor mehr als
zwanzig Jahren statt, 31% waren vor Eintritt in die Arbeitslosigkeit
zumindest zehn Jahre erwerbstätig gewesen. Die Hälfte der
Schulungsteilnehmer war bereits länger als ein Jahr arbeitslos. Der
Grund für die Beendigung des letzten Dienstverhältnisses war bei der
Hälfte der Teilnehmer die Kündigung durch den Betrieb (ein Teil davon
aufgrund von Stellenkürzungen oder Konkursen), 38% hatten das letzte
Dienstverhältnis einvernehmlich gelöst.

"Der Vermittlungserfolg der Schulungen kann sich sehen lassen: Im
Bürobereich konnten bereits während der Innovationsschulung mehr als
die Hälfte der Teilnehmer auf einen Arbeitsplatz vermittelt werden.
Auch Personen, die vor der Innovationsschulung lange arbeitslos
waren, konnten geeignete Büroarbeitsplätze mit teilweise
überdurchschnittlicher Entlohnung erlangen. Im Bereich
Metallbearbeitungstechnik wurde ein Teilnehmer noch vor Ablauf der
Schulung auf einen Arbeitsplatz vermittelt, zwei weitere Teilnehmer
hatten zum Ende der Schulung bereits konkrete Jobangebote", betonte
Kopf.

Rückfragehinweis:
Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich, Bundesgeschäftsstelle
Dr. Beate Sprenger
Tel.: +43 1 33178-522, 0664-4415148, Fax: (01)33178-151
mailto:[email protected]
http://www.ams.at

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