Das tödliche Schweigen der Hirten

AIDS Patienten müssen sterben, weil sie kirchliche Korruption kritisieren

Wien (OTS) - Anlässlich AIDS 2010 kritisiert der österreichische Verein Pamoja die Bischöfe und Oberkirchenräte der Evangelischen Kirche A. B.. Die an der Konferenz teilhabenden österreichischen Kirchenfunktionäre würden zu Menschenrechtsverletzungen und Korruption in der Evangelischen Kirche von Tansania beharrlich schweigen, wenn Taten und offene Worte gefragt wären.

"Heuchlerisch, menschenverachtend und tödlich" nennt der Arzt Dr. Rainer Brandl die jüngsten offiziellen Aussagen der Evangelischen Kirche zur bevorstehenden Konferenz. Statt in Presseaussendungen andere Kirchen aufzufordern "mit diskriminierenden Aussagen gegen Aidskranke aufzuhören", sollten die Bischöfe Herwig Sturm und Michael Bünker endlich das Schweigen brechen und die Forderungen nach unabhängigen Untersuchungen und rechtlichen Konsequenzen hinsichtlich der Korruption und Menschenrechtsverletzungen in der tansanischen Kirche unterstützen.

Ein bischöflicher Amtskollege der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania hatte 2006 die Proteste von HIV-Patienten gegen die von Wirtschaftsprüfern nachgewiesenen Veruntreuungen von rund 300.000 Euro an Spenden- und Steuergeldern mit der Aussperrung von Patienten aus einem lokalen HIV-Behandlungszentrum sanktioniert. Das von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit finanzierte Projekt, wurde durch die Lutherische Kirche Tansanias gewaltsam beendet und die Serviceleistungen für HIV Patienten eingeschränkt. Eine richtige medizinische Behandlung findet laut internationalen HIV Experten nicht mehr statt. Die involvierten Lutherischen Landeskirchen aus Österreich, Deutschland und den USA hätten eine unabhängige und vollständige Untersuchung des Finanzskandals und der Menschenrechtsverletzungen bisher verabsäumt.

Im Süden Tansanias kämpfen HIV-Patienten seither ums Überleben. An die 70 Menschen haben diesen Kampf bereits verloren. Vorliegende Patientendaten belegen, dass seit 4 Jahren nicht mehr fachgerecht behandelt wird und der Zugang zur lebensrettenden Therapie erschwert wurde.

Um den Anliegen der HIV-Patienten Gehör zu verschaffen, ist Aizack Sanga, Mitglied der tansanischen Selbsthilfegruppe PIUMA, nach Wien gekommen.

"Wir sterben, weil die lutherischen Bischöfe in Europa und den USA zu diesen Verbrechen schweigen" beklagt Aizack Sanga. "Ich will bei der interreligiösen Vorkonferenz kommenden Samstag protestieren und darauf hinweisen, dass auf unsere Forderungen an den Lutherischen Weltbund und die deutschen Missionswerke, die medizinische Versorgung wiederherzustellen und die Korruption in der tansanischen Kirche zu bekämpfen, bis heute nicht reagiert wurde. Die gestohlenen Gelder wurden ebenfalls nie zurückerstattet und unsere Rechte werden weiterhin mit Füßen getreten."

"Wenn die evangelische Kirche bei AIDS 2010 die Forderung nach >> Menschenrechte, hier und jetzt! << unterstützt, muss sie beweisen, dass sie es ernst meint und die Achtung der Menschenrechte über Lippenbekenntnisse hinausgeht" sagt Fabian Wirnsperger, Obmann von Pamoja. "Auch von den Veranstaltern der AIDS Konferenz erwarten wir eine klare Positionierung und Sanktionen gegen Organisationen, die das Menschenrecht auf Therapie verletzen."

PIUMA und Pamoja sind bei AIDS 2010 im Global Village vertreten.

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PAMOJA - GEMEINSAM - Verein für int. Zusammenarbeit
Mag.(FH) Fabian Wirnsperger, Obmann
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fabian_wirnsperger@pamoja.at, http://www.pamoja.at

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