Wlodkowski: Trotz Schönfärberei - Fossile Energie ist nicht nachhaltig

Seltsame Studie: Agiert sogenannte Umweltorganisation im Sinne der Ölmultis?

Wien (OTS) - "Eigentlich ist es Allgemeinwissen, dass fossile Energie den CO2-Gehalt der Erde anreichert und das Klima verändert, während nachwachsende Rohstoffe einen CO2-Kreislauf bilden. Doch nun will eine seltsame Studie der Waldwirtschaft die Nachhaltigkeit absprechen. Zur Klarstellung sei gesagt, dass unser Wald seit Generationen nachhaltig bewirtschaft wird. In Österreich legt das Forstgesetz die Grundlagen für eine nachhaltige Bewirtschaftung fest, an die sich die Waldbesitzer strikt halten. Hingegen kann die Nutzung fossiler Energieträger, betrachtet man allein die sinkenden Fördervolumina und den Abbau der weltweiten Vorräte, in keinem Fall als nachhaltig bezeichnet werden. Völlig unberücksichtigt in der Bewertung der Nutzung von fossilen Energieträgern bleiben außerdem die Auswirkungen der Öl- und Gasförderung, wie die Katastrophen im Golf von Mexico, die Zerstörung von wertvollen Ökosystemen in Sibirien, dem Kaspischen Meer, im Niger-Delta oder in Angola und Kanada. Und dabei sind die Folgen für das Klima noch gar nicht erwähnt. Wer also Biomasse schlecht rechnen muss, hat etwas zu verbergen. Hier agiert eine sogenannte Umweltorganisation voll im Sinne der Ölmultis", stellt Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich zur Studie "The upfront carbon debt of bioenergy" fest, die vom Joanneum Research Graz im Auftrag von BirdLife International erstellt worden ist.

Forstwissenschaft: Studie-Annahmen falsch

"In genannter Studie werden einige Annahmen getroffen, die methodisch nicht zulässig sind. Beim Vergleich der Verbrennung von Holz mit Erdöl wird die mehrere Millionen Jahre dauernde Entstehung fossiler Energieträger völlig außer Acht gelassen. Bei Holz ist dies ein vergleichsweise vernachlässigbarer Zeitraum, der jedoch eingerechnet wurde. Zudem wird die Substitution von fossilen Energieträgern durch Biomasse und die Bindung von Kohlenstoff in Holzprodukten nicht bewertet, was ein weiterer Kritikpunkt ist", kiritisiert Hubert Hasenauer, Leiter des Institutes für Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien. "Selbst bei der Annahme, dass aus dem Wald kurzfristig mehr Holz entnommen werden würde als zuwächst, wäre das bei den sehr hohen Vorräten in Österreich nicht kritisch zu sehen. Im Gegenteil, die damit verbundene Verjüngung der Wälder steigert sogar noch deren Zuwachs", so Hasenauer.

Holz nur zu 30% für Energie

"In Österreich nimmt die Waldfläche seit Jahrzehnten ebenso zu wie der stehende Holzvorrat. Es wird seit Langem weniger genutzt als zuwächst, von einer negativen Kohlenstoffbilanz kann also keine Rede sein. Die im Durchschnitt sehr vorratsreichen Wälder in Österreich erlauben deshalb eine intensivere Nutzung, ohne die nachhaltige Forstbewirtschaftung zu gefährden", erklärte Wlodkowski. Es sei wissenschaftlich völlig unseriös, das gesamte genutzte Holz einer energetischen Verwertung anzurechnen, da aus der jährlichen Einschlagsmeldung eindeutig ersichtlich sei, dass weniger als 30% des geernteten Holzes direkt energetisch genutzt wird. "Die übrigen mehr als 70% werden einer stofflichen Verwertung zugeführt und finden sich etwa als Bauholz mit jahrzehntelanger Nutzungsdauer in Häusern wieder, was die Kohlenstoffbindung verlängert", gibt Wlodkowski zu bedenken.

Auch Urwälder stoßen CO2 aus

"Selbst wenn der Wald nicht mehr genützt werden würde, ändert sich nichts an der Tatsache, dass ein Urwald in seiner Zerfallsphase durch Verrottung die gleiche Menge CO2 freisetzt, wie sie bei der Verbrennung desselben Holzes entsteht", unterstreicht Wlodkowski. (Schluss)

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