• 07.07.2010, 11:30:48
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Einsatz für Zusammenleben von Christen, Juden, Muslimen ist "ständige Aufgabe"

Auszeichnung für Paul Schulmeister - Auch im Schatten von Manifestationen gegen die Politik der israelischen Regierung darf sich kein Antisemitismus entwickeln

Wien (OTS) - Wien, 06.07.10 (PEW) Den Einsatz für das friedliche
Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religion bezeichnete
Kultusministerin Claudia Schmied bei der Überreichung des Großen
Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich an Paul
Schulmeister als "ständige Aufgabe". Claudia Schmied würdigte das
Engagement des Publizisten - und früheren Präsidenten der
Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ) wie des Katholischen
Akademikerverbands Österreichs - für diese Aufgabe. Schulmeister
betonte in seinen Dankesworten, dass es im Dialog der Religionen um
mehr gehe als um "sozialpolitische Fragen". In Österreich gebe es an
sich ein gutes Gesprächsklima zwischen den Religionen, aber auch hier
sei dieses Klima "Belastungen ausgesetzt". Diese Belastungen seien
letztlich auf den Nahostkonflikt zurückzuführen. In diesem
Zusammenhang appellierte Schulmeister, "keine unkontrollierbaren
Emotionen freizusetzen", im Schatten von Manifestationen gegen die
Politik der israelischen Regierung dürfe sich kein Antisemitismus
entwickeln.

Österreich soll sich nicht "abkapseln", sondern für Offenheit
optieren, unterstrich der Publizist und frühere KAÖ-Präsident. Das
sei für die "humanitas austriaca" kennzeichnend. Schulmeister nannte
drei Autoren, die für die Analyse der Gegenwart wichtig sind: Wystan
Hugh Auden, der in seinem am Ende des Zweiten Weltkriegs entstandenen
Poem "The Age of Anxiety" (Das Zeitalter der Angst) die vielfachen
Versuchungen des "Kriegs, der wir sind" nachzeichnete; der deutsche
Verfassungsjurist Ernst Wolfgang Böckenförde ("der freiheitliche
Staat lebt von Voraussetzungen, die er sich nicht selbst geben kann")
und Gilbert K. Chesterton, der mit seiner Definition der Tradition
als "Demokratie für die Toten" einen Hinweis darauf gab, dass Europa
ohne Einsicht in sein Erbe nicht zukunftsfähig ist.

In seiner Laudatio hatte der Grazer Bischofsvikar Heinrich Schnuderl
- früher geistlicher Assistent der Katholischen Aktion - die
Verdienste Paul Schulmeisters für den christlich-jüdischen Dialog und
die christlich-islamische Begegnung betont. Schnuderl erinnerte
daran, dass Schulmeister am 12. Oktober 1986 bei der ersten
christlich-jüdischen "Stunde der Begegnung" in der Nationalbibliothek
das Wort des polnischen Historikers und späteren Außenministers
Wladyslaw Bartoszewski von der "Gefahr der Gleichgültigkeit und des
Opportunismus" in den Mittelpunkt gestellt hatte. Mit den
Veranstaltungen "Shalom für Österreich" habe Schulmeister nicht nur
mitgeholfen, das Schweigen zwischen nichtjüdischen Österreichern und
den jüdischen Mitbürgern aufzubrechen, sondern vielen auch einen
Erstzugang zur bahnbrechenden Erklärung des Zweiten Vatikanischen
Konzils über das christlich-jüdische Verhältnis "Nostra Aetate"
erschlossen. Angesichts der antisemitischen Untertöne im Zusammenhang
des Präsidentschaftswahlkampfs 1986 seien diese Initiativen besonders
bedeutsam gewesen.

Auch die Initiativen Schulmeisters für die christlich-islamische
Begegnung - etwa im Rahmen der zivilgesellschaftlichen Plattform
"Christen und Muslime" - seien ein bewusster Gegenakzent angesichts
der weltweiten Auseinandersetzung über die dänischen
Mohammed-Karikaturen gewesen, betonte Schnuderl. Die Initiativen
Schulmeisters seien von der Überzeugung getragen, dass das
"verletzende Wort" eine "Vorform physischer Gewalt" sein kann.
Zugleich sehe er im Auftrag zur Begegnung jenes "Lebensprinzip"
Österreichs, das der große Schriftsteller Reinhold Schneider in
seinem Werk "Winter in Wien" eindrucksvoll beschrieben habe.

Das Amt des Präsidenten der Katholischen Aktion Österreichs habe
Schulmeister 1986 in einer für die katholische Kirche schwierigen
Zeit übernommen, unterstrich Schnuderl. Damals sei es um das "Erbe
von Kardinal König" gegangen, aber auch darum, die Markierungen des
"Mariazeller Manifests" von 1952 weiterzuschreiben und die Impulse
des Zweiten Vatikanischen Konzils fruchtbar zu machen. Schulmeister
habe 1988 ganz bewusst das Gespräch mit Rom gesucht und sei mit einer
Delegation des Präsidiums der Katholischen Aktion in den Vatikan
gefahren. Damals habe es Gespräche mit führenden Kardinälen mit
Joseph Ratzinger an der Spitze gegeben.

An der Überreichungszeremonie im Unterrichtsministerium nahmen u.a.
auch der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl und der Präsident der
Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, teil. (ende)

Rückfragehinweis:

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   Erich Leitenberger
   1010 Wien, Stephansplatz 4/7/1
   Tel: 01/51552-3591
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