"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum BP auf keinen Fall kollabieren darf" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 07.07.2010

Graz (OTS) - Die Meldung klang wie ein schlechter Aprilscherz
oder ein James-Bond-Thriller: Amerikanische und russische Wissenschaftler diskutieren über die Möglichkeit, die sprudelnde Öl-Quelle im Golf von Mexiko mit einer atomaren Explosion zum Versiegen zu bringen. Spätestens jetzt muss allen klar sein: Die Katastrophe vor der amerikanischen Südküste hat ein Ausmaß angenommen, das alle bisherigen Vorstellungen sprengt.

US-Präsident Barack Obama hat zwar immer wieder vollmundig versichert, das Bohrloch werde sehr bald geschlossen sein und er selbst verbürge sich dafür, dass der Mineralölkonzern BP für alle Schäden aufkommen müsse und auch werde.

Große Worte eines zum Erfolg verdammten Politikers. Doch der mächtige Mann im Weißen Haus muss ohnmächtig mit ansehen, wie das Öl weiter und weiter sprudelt - mehr als 200 Millionen Liter seit dem Beginn der Katastrophe vor bald drei Monaten!

Da ist es ein schwacher Trost, dass es BP jetzt an den Kragen geht, zumal inzwischen bewiesen ist, dass einige BP-Bosse die Katastrophe hätten verhindern können, wären sie nicht so selbstherrlich gewesen, Warnungen von Mitarbeitern zu bagatellisieren. Doch mittlerweile sind die hohen Herren kleinlaut geworden und die britische Regierung arbeitet bereits an einem Katastrophenplan, sollte der angeschlagene Energiekonzern gar zusammenbrechen.

Das ist angesichts der steil bergab rasselnden BP-Aktien durchaus denkbar geworden. "Na und?", könnte man dies achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Geht es halt ein paar BP-Bossen an den Kragen und verlieren einige reiche Aktionäre ihr ohnedies nicht sauer verdientes, sondern locker erspekuliertes Geld.

Doch so einfach ist die Sache leider nicht. Denn viele Pensionsfonds haben Geld in BP-Aktien angelegt Verlieren diese dramatisch an Wert, kann sich dies direkt und brutal auf die Geldtaschen von Millionen Pensionisten auswirken. Der britische Staat darf also nicht tatenlos zusehen, wenn British Petrol tatsächlich kollabiert.

Noch ist es nicht so weit. Noch verdient der Öl-Konzern Tag für Tag ein Vielfaches jener Summe, die er durch das defekte Bohrloch im Golf von Mexiko verliert.

Doch die Angst, dass das Öl noch jahrelang unkontrolliert weiter ins Meer sprudeln könnte, wächst. Nicht zuletzt die Wahnsinns-Idee, das Bohrloch durch eine Atomexplosion schließen zu wollen, beweist: Die Experten sind mit ihrem Latein dort, wo die Umwelt im Golf von Mexiko längst schon ist: am Ende.****

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