- 06.07.2010, 19:42:46
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum BP auf keinen Fall kollabieren darf" (Von Ernst Heinrich)
Ausgabe vom 07.07.2010
Graz (OTS) - Die Meldung klang wie ein schlechter Aprilscherz
oder ein James-Bond-Thriller: Amerikanische und russische
Wissenschaftler diskutieren über die Möglichkeit, die sprudelnde
Öl-Quelle im Golf von Mexiko mit einer atomaren Explosion zum
Versiegen zu bringen. Spätestens jetzt muss allen klar sein: Die
Katastrophe vor der amerikanischen Südküste hat ein Ausmaß
angenommen, das alle bisherigen Vorstellungen sprengt.
US-Präsident Barack Obama hat zwar immer wieder vollmundig
versichert, das Bohrloch werde sehr bald geschlossen sein und er
selbst verbürge sich dafür, dass der Mineralölkonzern BP für alle
Schäden aufkommen müsse und auch werde.
Große Worte eines zum Erfolg verdammten Politikers. Doch der mächtige
Mann im Weißen Haus muss ohnmächtig mit ansehen, wie das Öl weiter
und weiter sprudelt - mehr als 200 Millionen Liter seit dem Beginn
der Katastrophe vor bald drei Monaten!
Da ist es ein schwacher Trost, dass es BP jetzt an den Kragen geht,
zumal inzwischen bewiesen ist, dass einige BP-Bosse die Katastrophe
hätten verhindern können, wären sie nicht so selbstherrlich gewesen,
Warnungen von Mitarbeitern zu bagatellisieren. Doch mittlerweile sind
die hohen Herren kleinlaut geworden und die britische Regierung
arbeitet bereits an einem Katastrophenplan, sollte der angeschlagene
Energiekonzern gar zusammenbrechen.
Das ist angesichts der steil bergab rasselnden BP-Aktien durchaus
denkbar geworden. "Na und?", könnte man dies achselzuckend zur
Kenntnis nehmen. Geht es halt ein paar BP-Bossen an den Kragen und
verlieren einige reiche Aktionäre ihr ohnedies nicht sauer
verdientes, sondern locker erspekuliertes Geld.
Doch so einfach ist die Sache leider nicht. Denn viele Pensionsfonds
haben Geld in BP-Aktien angelegt Verlieren diese dramatisch an Wert,
kann sich dies direkt und brutal auf die Geldtaschen von Millionen
Pensionisten auswirken. Der britische Staat darf also nicht tatenlos
zusehen, wenn British Petrol tatsächlich kollabiert.
Noch ist es nicht so weit. Noch verdient der Öl-Konzern Tag für Tag
ein Vielfaches jener Summe, die er durch das defekte Bohrloch im Golf
von Mexiko verliert.
Doch die Angst, dass das Öl noch jahrelang unkontrolliert weiter ins
Meer sprudeln könnte, wächst. Nicht zuletzt die Wahnsinns-Idee, das
Bohrloch durch eine Atomexplosion schließen zu wollen, beweist: Die
Experten sind mit ihrem Latein dort, wo die Umwelt im Golf von Mexiko
längst schon ist: am Ende.****
Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at
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