• 05.07.2010, 11:41:25
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Pfarrer-Umfrage: Bischof Küng für Reform, die "in die Tiefe geht"

Diskussion in der ORF-Reihe "Im Zentrum" über die von Paul Zulehner durchgeführte Umfrage war weithin vom Willen zum Miteinander bestimmt

Wien (OTS) - Wien, 05.07.10 (PEW) Die Qualitäten der katholischen
Priester, von denen die Mehrheit "authentisch lebt", und die
Notwendigkeit einer Reform, "die in die Tiefe geht", betonte der St.
Pöltner Diözesanbischof Klaus Küng am Sonntagabend in der
ORF-Diskussionssendung "Im Zentrum", die diesmal unter dem
provokanten Titel "Aufstand der Priester - Zählt das Wort des
Papstes noch?" stand. Zugleich warnte der Bischof vor einer
"klerikalen Engführung"; das Zweite Vatikanische Konzil habe
ausdrücklich die Berufung aller getauften und gefirmten Christen
betont. Grundlage der Diskussion war die vom Wiener Theologen em.
Prof. Paul Zulehner durchgeführte jüngste Telefon-Umfrage bei
österreichischen Pfarrern. Prof. Zulehner betonte, dass in der
Umfrage keine "Illoyalität gegenüber dem Papst" zum Ausdruck komme,
vielmehr gehe es darum, eine "Transformationskrise" zu bewältigen. Im
Mittelpunkt stünden dabei zwei "praktische Fragen": Keine christliche
Gemeinde darf ohne Vorsteher sein, jede christliche Gemeinde muss
Eucharistie feiern können. Ziel der Umfrage - die jetzt auch in
Buchform vorliegt - sei es, ein "organisiertes Hinhören" auf die
reale Situation zu ermöglichen.

Auch Bischof Küng hatte eingangs betont, dass in der Umfrage "große
Nöte" zum Ausdruck kommen. Freilich müsse man sich vor Augen halten,
dass in der Kirche Umfragen nicht wie in der Politik funktionieren.
An den Aussagen der Pfarrer sei aber überaus positiv, wie wichtig
ihnen die Seelsorge ist und wie stark sie sich mit ihrem Beruf und
ihrer Berufung identifizieren. Die Diskussion war weithin vom Willen
zum Miteinander bestimmt, auch der Pfarrer von Paudorf, P. Udo
Fischer OSB, unterstrich, dass er und seine Kollegen sich keineswegs
als "Aufständische" verstehen.

Breiten Raum nahm in der Diskussion die Frage des Zölibats ein.
Bischof Küng betonte, dass es heute schwieriger geworden sei, den
Zölibat zu leben, das gelte aber auch für die Ehe. Ohne die Bedeutung
der Ehe kleinzureden, sei der Zölibat ein "eindrucksvolles Zeichen".
Freilich müsse an dieser Lebensform gearbeitet werden, zum Beispiel
gehe es auch um neue Formen gemeinschaftlichen Lebens mehrerer
Priester.

Bischof Küng stellte aber auch klar, dass er den Dingen nachgehe,
wenn er Informationen über das Verhalten von Priestern erhalte, das
nicht den kirchlichen Normen entspricht: "Wir müssen uns um
Ehrlichkeit bemühen, ich halte nichts von einem Doppelleben. Wir
brauchen Authentizität".

Prof. Zulehner unterstrich, dass "keiner der befragten Pfarrer" die
Sinnhaftigkeit des Zölibats in der katholischen Kirche des
lateinischen Ritus bezweifelt habe. Es gebe aber die Situation der
massiven Überforderung der Pfarrer. Zulehner: "Können wir auf die
Eucharistiefeier in vielen Gemeinden verzichten, um die Ehelosigkeit
zu erhalten?" Ein Drittel der ständigen Diakone und 50 Prozent der
Pastoralassistenten seien bereit, sich zu Priestern weihen zu lassen,
wenn es die Zölibatsverpflichtung nicht gäbe. P. Udo Fischer
erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass der Priestermangel im
nordatlantischen Raum viel weniger dramatisch sei als etwa in
Lateinamerika. Wegen des (dort seit Ende des 19. Jahrhunderts
bestehenden) eklatanten Priestermangels hätten zum Beispiel in
Brasilien in den letzten Jahrzehnten Millionen von Katholiken bei
evangelikalen Sekten angedockt.

Sowohl Bischof Küng als auch Prof. Zulehner betonten ihre
Überzeugung, dass es jenseits aller organisatorischen Fragen um die
Gottesfrage geht. Der St. Pöltner Bischof verwies auf das gewachsene
Interesse an "Orten des Glaubens", auch an "Orten des Bußsakraments".
Prof. Zulehner stimmte zu: "Alle wollen Gotteserfahrung".

Der Wiener Theologe präsentierte aber auch seinen Eindruck, dass die
Pfarrer "des Protestes müde sind". Viele Pfarrer führten heute selbst
Reformen durch, "wo sie meinen, dass sie es mit dem Evangelium
vereinen können". (ende)

Rückfragehinweis:

Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
   Erich Leitenberger
   1010 Wien, Stephansplatz 4/7/1
   Tel: 01/51552-3591
   E-Mail: [email protected]
   http://presse.stephanscom.at

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