Pneumokokken-Schutzimpfung - Chancen für die Volksgesundheit

Wien (OTS) - Pneumokokken (wissenschaftlicher Name: Streptococcus pneumoniae) sind Bakterien, die schwere Infektionen wie Blutvergiftung, Gehirnhaut-, Lungen- oder Mittelohrentzündung verursachen können. Weltweit sterben jährlich geschätzte 830.000 Kinder unter sechs Jahren an einer Pneumokokkeninfektion.1) Laut einer österreichweiten Studie liegt die durchschnittliche Zahl der jährlichen Neuerkrankungen an IPD (Invasive pneumococcal disease) bei 7,2 pro 100.000 Einwohnern.2) Bei Säuglingen, Kleinkindern, älteren Menschen und Personen mit chronischen Grundleiden können Pneumokokken besonders gefährlich werden.

Streptococcus pneumoniae ist ein ovales, unbewegliches, meist in Paaren gelagertes Bakterium. Die natürliche Besiedelung des Nasen-Rachen Raums erfolgt während der ersten beiden Lebensjahre. Pneumokokken leben auf der Schleimhaut des oberen Atemtrakts und verursachen bei gesunden Menschen mit intaktem Immunsystem normalerweise keine Beschwerden. Aufgrund ihrer Fähigkeit zur Kapselbildung sind die Bakterien vor einem Angriff des menschlichen Immunsystems geschützt. Ebendiese Eigenschaft macht sie zu gefährlichen Krankheitserregern. Serologisch unterscheidet man aufgrund dieser Polysaccharidkapsel 90 verschiedene Typen des Bakteriums.

Besonders gefährdet sind Säuglinge, Kleinkinder, sowie Personen über 65

Eine Übertragung von Pneumokokken erfolgt in der Regel über Tröpfcheninfektionen (Niesen, Sprechen, Husten). "Vor allem Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren, sowie ältere Menschen über 65 werden vermehrt Opfer von Pneumokokken-induzierten Erkrankungen. Pneumokokkeninfektionen in diesen Altersgruppen sind häufig, da die Immunabwehr bei Kindern gegen bekapselte Erreger noch nicht ausreichend gut und bei älteren Menschen durch die Alterung des Immunsystems nicht mehr so stark ausgeprägt ist. Auch chronisch kranke Menschen haben naturgemäß ein schwächeres Immunsystem und sind so verstärkt der Gefahr durch Pneumokokkeninfektionen ausgesetzt", warnt Priv.-Doz. Dr. Martina Prelog von der Universitätsklinik für Pädiatrie I in Innsbruck vor der Gefährlichkeit Pneumokokken-induzierter Infektionskrankheiten.

Pneumokokken sind Auslöser zahlreicher Erkrankungen

Erkrankungen wie Hirnhautentzündungen (Meningitis), Blutvergiftungen (Sepsis), Lungenentzündungen (Pneumonie) oder Mittelohrentzündungen (Otitis media) liegt häufig eine Infektion mit Pneumokokken zugrunde. Schwere Erkrankungen wie Meningitis, Sepsis und bakterielle Pneumonie gelten als invasive Pneumokokkeninfektionen und gefährden vor allem Säuglinge und Kleinkinder. "Im Kindergartenalter sind bis zu 60 Prozent der Kinder Träger der Bakterien. Im Grundschulalter beträgt die Trägerrate noch etwa 35 Prozent. Dies bedeutet nicht unmittelbar, dass das Kind an einer Infektion erkrankt. Die Besiedelung mit Pneumokokken kann auch ohne Krankheitssymptome erfolgen", erläutert Dr. Prelog. Dennoch werden, aufgrund der hohen Übertragungswahrscheinlichkeit im Kindesalter, etwa zwei Drittel aller eitrigen Meningitisfälle (Gehirnhautentzündung) bei Kindern unter fünf Jahren beobachtet. Eine rasche Verabreichung von Antibiotika kann bei dieser Erkrankung lebensrettend sein. Dennoch kann es zu schweren Folgeschäden wie Lähmungen, Gehirn- und Hörschäden kommen. Auch Mittelohrentzündungen werden in 30 bis 50 Prozent der Fälle durch Pneumokokken verursacht. Bei Kindern unter sechs Monaten, sowie bei schweren Verläufen sollte eine Mittelohrentzündung unbedingt mit Antibiotika behandelt werden. Schwerhörigkeit mit Sprach- und intellektueller Entwicklungsverzögerung, Hirnabszesse sowie Hirnhautentzündungen können die Folge dieser oftmals unterschätzten Erkrankung sein.

Bei diesen schweren Erkrankungen sind lange Krankenhausaufenthalte oft unvermeidbar. Das Krankenpflegepersonal spielt in diesen Fällen eine wichtige Rolle für die Erkrankten. Speziell bei der Betreuung von jungen Patienten ist die emotionale Komponente wesentlich - der Aufbau und die Pflege eines persönlichen Bezugs zum Patienten und der Familie sind wichtig. "Pneumokokken-induzierte Erkrankungen wie Gehirnhaut- oder Lungenentzündungen verursachen bei Kindern und deren familiären Umfeld enormes Leid. Daher ist es in solchen Fällen noch wichtiger die Familie einzubinden. Die Eltern sollten in jeden Schritt der Behandlung und Pflege einbezogen und möglichst nicht oder nur kurz von den Kindern getrennt werden", meint Martha Böhm, Präsidentin des Berufsverbandes Kinderkrankenpflege Österreich.

Impfung gewährleistet Schutz vor Pneumokokkeninfektionen

Pneumokokken zirkulieren permanent in der Bevölkerung, einen Schutz vor den Bakterien selbst gibt es nicht. Nur eine Pneumokokken-Schutzimpfung kann vor Pneumokokkenerkrankungen schützen. Kinder bis fünf Jahre und ältere Personen über 65 sollten unbedingt geimpft werden, wobei momentan noch unterschiedliche Arten von Impfstoffen für Kinder und ältere Personen über 65 Jahren zur Verfügung stehen. Für alle Kinder bis 5 Jahre, Menschen mit chronischen Krankheiten sowie für Personen, die sich einer immunsuppressiven Therapie (wie etwa Krebspatienten oder Transplantierte) unterziehen, wird die Pneumokokkenimpfung laut österreichischem Impfplan empfohlen. Finanziert durch die öffentliche Hand wird die Pneumokokken-Schutzimpfung in Österreich lediglich für Risikokinder. Für die Pneumokokken-Schutzimpfung stehen in Österreich zwei neue Impfstoffe zur Verfügung. Ein 10-valenter Impfstoff, der 10 Serotypen und damit etwas mehr als zwei Dritter aller in Österreich bei Kindern nachgewiesenen invasiven Serotypen abdeckt, und ein kürzlich zugelassener 13-valenter Impfstoff, der 13 Serotypen und damit rund 80 Prozent der invasiven Serotypen abdeckt. Der 13-valente Impfstoff bietet zusätzlich Schutz vor den Serotypen 19A, 6A und 3. "Durch den 13-valenten Pneumokokken-Konjugatimpfstoff werden Säuglinge und Kleinkinder sehr gut geschützt", untermauert Dr. Ernst Wenger, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde in Hallein, die Zuverlässigkeit des 13-valenten Impfstoffs. Der Serotyp 19A gilt als häufiger Verursacher schwerwiegender invasiver Pneumokokkenerkrankungen sowie akuter Mittelohrentzündungen. Die Serotypen 19A und 6A weisen außerdem in vielen Ländern bereits mehrfache Antibiotikaresistenzen auf. Der Serotyp 3, der im 13-valenten Impfstoff enthalten ist, ist ebenfalls an der Entstehung invasiver Pneumokokkeninfektionen beteiligt.3) "In nahezu allen anderen europäischen Ländern wird bereits der 13-valente Impfstoff, mit einer deutlich höheren Serotypenabdeckung von rund 80 Prozent verwendet und von der öffentlichen Hand für alle Kinder finanziert", macht Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin an der Medizinischen Universität Wien, auf die derzeitige Situation in Österreich aufmerksam.

Formen der Finanzierung von Kinderschutzimpfungen

In Österreich gibt es drei verschiedene Finanzierungsformen von Schutzimpfungen bei Kindern. Bei der Vollfinanzierung durch den Staat leiten Mutter-Kind-Pass und Schulimpfaktionen durch das Impfsystem. Die Kosten für die Impfungen werden auf Bund, Länder und Sozialversicherung aufgeteilt. Die durch die öffentliche Hand bezahlten Impfstoffe werden jährlich im Rahmen einer Ausschreibung festgelegt. Bei der zweiten Finanzierungsform, der Teilfinanzierung durch Sozialversicherungen und Länder, werden die Impfungen von diesen subventioniert. Impfstoffe können zu verbilligten Preisen in Apotheken erworben werden, zusätzlich muss das Impfhonorar beim Arzt entrichtet werden. Die dritte Form der Finanzierung bilden Impfungen ohne öffentlichen Zuschuss. Die Kosten für Impfungen müssen selbst getragen werden, was ein hohes Maß an Eigeninitiative voraussetzt und hohe Kosten nach sich zieht. Die Pneumokokkenimpfung wird in Österreich nur für Risikokinder erstattet. Für Eltern, die ihre gesunden Kinder ebenfalls impfen lassen wollen, beläuft sich der Preis pro Impfdosis auf 108 Euro. Für eine komplette Immunisierung sind vier Teilimpfungen notwendig. Zweimal pro Jahr ist der Preis der Impfung im Zuge einer Impfaktion auf 72,40 Euro (Privatverkaufspreis inklusive Mehrwertsteuer) verbilligt. Auch das Impfhonorar für den Arzt ist während dieser Aktion von 15 Euro auf 12 Euro herabgesetzt.

Impfungen haben eine wichtige volkswirtschaftliche Bedeutung

Impfungen können positive gesamtgesundheitliche Effekte erzielen, wodurch Kosten im Gesundheitssystem für langwierige Krankenhausaufenthalte, Folgekosten einer Behinderung und Dienstentfall der betreuenden Personen oder der Patienten selbst eingespart werden können. Dies trifft insbesonders zu, wenn Kinder im Rahmen von großangelegten Impfprogrammen immunisiert werden. "Bei ausreichend hoher Durchimpfungsrate, die nur durch nationale Impfprogramme zu erzielen ist, führt die Pneumokokkenschutzimpfung zu einer so genannten Herdenimmunität.

Diese schützt auch andere, ungeimpfte Risikogruppen wie die ältere Generation und kann einen deutlichen Rückgang resistenter Pneumokokkenstämme gegen Penicilline und andere Antibiotikagruppen bewirken", betont Priv.- Doz. Dr. Hans Jürgen Dornbusch, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und Lehrbeauftragter der Universität Graz, die Wichtigkeit von Impfprogrammen. Bereits nach der Grundimmunisierung gegen Pneumokokken könnte man 5,7 Prozent aller Antibiotika-Verordnungen nach einer Mittelohrentzündung einsparen.4

Pneumokokken-Schutzimpfung in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern

Die Finanzierung von Schutzimpfungen ist in Österreich noch nicht adäquat organisiert, da dringend notwendige Erweiterungen der öffentlichen Unterstützung aufgrund der derzeitigen Finanzierungsformen oftmals nicht umgesetzt werden. Die Kosten für die Immunisierung gegen Pneumokokken werden in Österreich derzeit nur für Risikokinder (ca. 8-10 % aller Kinder) übernommen. Dies ist zwar grundsätzlich positiv, jedoch bietet nur eine ausreichend hohe Durchimpfungsrate bei allen Kindern effektiven Schutz im Sinne einer Herdenimmunität. Nur ein solches Impfkonzept kann nachhaltig die Häufigkeit von invasiven Pneumokokkenerkrankungen beeinflussen. Österreich bildet im internationalen Vergleich hier leider das Schlusslicht. Die meisten europäischen Länder haben die Pneumokokkenimpfung bereits in ihr nationales Impfkonzept integriert. Derzeit erhalten Kinder in 24 Ländern Europas die Schutzimpfung auf Kosten der öffentlichen Hand.

Die in diesem Pressetext verwendeten Personen- und Berufsbezeichnungen treten der besseren Lesbarkeit halber nur in einer Form auf, sind aber natürlich gleichwertig auf beide Geschlechter bezogen.

1) O'Brien et.al. Burden of disease caused by Streptococcus pneumoniae in children younger than 5 years: global estimates. The Lancet, Volume 374, Issue 9693, Pages 893 - 902 2) Rendi-Wagner P. et al., Vacchine 2009 3) Hiks LA et al.: Incidence of Pneumococcal Disease due to Non- Pneumococcal Conjugate Vacchine (PCV7) Serotypes in the United States during the Era of Widespread PCV7 Vacchination, 1998-2004, JID 2007 :196 4) Fireman B., et al. Pediatr Infect Dis J. 2003; 22:10-16

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