- 05.07.2010, 10:43:25
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Ärztliche Ausbildung war und ist öffentliches Interesse
Gut ausgebildete Allgemeinmediziner sind die Basis für die mittelfristige Sicherung wohnortnaher Versorgung
Wien (OTS) - "Nur vor Ort in den Ordinationen kann man lernen,
worauf es bei der Ausübung in der allgemeinmedizinischen Praxis
wirklich ankommt", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ
Ärztekammer. "Die Ausbildungszeit von Allgemeinmedizin-Turnusärzten
in Lehrpraxen ist daher ein sehr wichtiger Bestandteil der ärztlichen
Ausbildung. Dies wird auch von den Lehrpraktikantinnen und
-praktikanten so gesehen", weiß der Ärztekammerpräsident. Doch diese
Form der Ausbildung erfreut sich derzeit keiner besonders großen
Beliebtheit bei den Praxisinhabern. "Den 216 in Niederösterreich
theoretisch bewilligten allgemeinmedizinischen Lehrpraxen stehen
gerade zwei derzeit dort tätige Turnusärzte gegenüber. Im
Fachärztebereich sind immerhin 29 Lehrpraxisstellen besetzt. Der
Grund dafür wird in der mangelhaften Förderung der Lehrpraxen zu
suchen sein."
Das Gesundheitsministerium deckt derzeit nur ein Zwölftel der
notwendigen Summe ab
"Es gibt für die Lehrpraxis derzeit eine Förderung durch das
Bundesministerium für Gesundheit, von der für Niederösterreich etwa
100 Lehrpraxismonate abfallen. Das reicht gerade für 16 Durchgänge zu
je einem Halbjahr, also viel zu wenig für eine flächendeckende
Ausbildung", so der Kurienobmann-Stellvertreter der Angestellten
Ärzte Niederösterreichs und Turnusärztevertreter Dr. Stefan Halper.
"Außer dem Gesundheitsministerium fördert bedauerlicherweise derzeit
keine weitere öffentliche Einrichtung die Lehrpraxen", so Dr. Halper
weiter. "Bundesweit wären jedoch etwa zwölf Mio. Euro jährlich nötig,
um die Lehrpraxis-Ausbildung für angehende Allgemeinmediziner zu
finanzieren. Die Förderung des Gesundheitsministeriums deckt davon
rund ein Zwölftel, also eine Million Euro ab."
Die jüngst veröffentlichte Berechung der MEDTAX-Steuerberater kann
Dr. Halper gut nachvollziehen: "Ärztliche Ausbildung war und ist ein
öffentliches Interesse. Dass sich junge Ärztinnen und Ärzte ihre
Ausbildung "selber zahlen" oder dass man dies von niedergelassenen
Ärztinnen und Ärzten verlangt, ist eigentlich nicht zumutbar. Der
Lehrpraxisinhaber hat nämlich kaum einen Vorteil durch die Anstellung
eines Lehrpraktikanten."
Auch der Hauptverband sollte seinen Beitrag zur Ausbildung der
Ärztinnen und Ärzte leisten
Dr. Halper sieht durch die Berechnung das so genannte
"Drittel-Modell" bestätigt, welches die Turnusärztevertreter bereits
seit längerer Zeit vorschlagen: "Ein Drittel des finanziellen
Aufwandes kann der Lehrpraxis-Inhaber tragen. So wird gewährleistet,
dass ein akzeptables Ausmaß der System erhaltenden Arbeit nicht
überschritten wird und vor allem dadurch die Ausbildung nicht
unmöglich gemacht wird. Ein weiteres Drittel könnte die öffentliche
Hand im Interesse der Sicherstellung der allgemeinmedizinischen
Versorgung der Bevölkerung auch in der Zukunft tragen. Das dritte
Drittel sehe ich beim Hauptverband der Sozialversicherungsträger."
Denn in Zeiten, in denen es zunehmend schwieriger wird
allgemeinmedizinische Kassenplanstellen zu besetzen, ist es aus Sicht
von Dr. Halper auch im Interesse der sozialen Krankenversicherung,
die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses zu fördern und zur
Bekanntheit und Popularität des Berufsfeldes "Hausarzt" durch die
Ermöglichung fairer Ausbildungsbedingungen beizutragen.
Der dauerhafte Bestand des Lehrpraxensystems ist ohne
zusätzliche Förderung undenkbar
"Aus meiner Sicht ist jedenfalls keine Arbeitserleichterung für einen
Ordinationsinhaber mit Lehrpraxis zu erkennen", so Präsident Dr.
Reisner. "Eine Entlastungsphase am Ende der Tätigkeit ist sicherlich
vorhanden, zu Beginn bedeutet eine Lehrpraxis jedenfalls für den
Inhaber mehr Arbeit. Das ist ein Nullsummenspiel, bei dem der Einzige
Vorteil die fachliche Bereichung durch die Mitarbeit einer Kollegin
bzw. eines Kollegen ist."
Für Präsident Dr. Reisner ist der dauerhafte Bestand des
Lehrpraxensystems jedenfalls ohne zusätzliche Förderung undenkbar:
"Ein Kollektivvertrag, der auch in Lehrpraxen ein einigermaßen
angemessenes Akademikergehalt garantiert, wurde endlich beschlossen.
Eine zeitgleiche Erhöhung der Fördermittel konnte jedoch nicht
erreicht werden, sodass befürchtet werden muss, dass das Angebot an
Lehrpraxis-Stellen maßgeblich zurückgeht." Besonders in ländlichen
Regionen fehlen zunehmend Allgemeinmedizinerinnen und
Allgemeinmediziner. "Wenn wir die wohnortnahe medizinische Versorgung
mittelfristig sichern wollen, brauchen wir die Förderung
beispielsweise nach dem "Drittel-Modell" in flächendeckender Form",
so das Resümee von Präsident Dr. Reisner.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann
Tel.: 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
www.arztnoe.at
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