Ohne zusätzliche Förderung wird es kaum Lehrpraxen für Allgemeinmedizin geben

Nur die wenigsten Ordinationsinhaber werden aus wirtschaftlicher Sicht willens sein, Lehrpraktikanten auszubilden

Wien (OTS) - Der heuer in Kraft getretene Kollektivvertrag für Lehrpraktikanten hat zu großer Beratungsnachfrage seitens der Ärzteschaft bei ihren steuerlichen Vertretern geführt. "Aus diesem Grund haben wir ein Bewertungsmodell für Ordinationsinhaber entwickelt, mit Hilfe dessen die Anstellung eines Lehrpraktikanten aus wirtschaftlicher Sicht beurteilt werden kann", so Mag. Wolfgang Leonhart, Sprecher der MEDTAX-Steuerberater-Gruppe.

Hierbei stellt sich die Situation von typischen Allgemeinpraxen etwas anders dar als die Situation typischer Facharztpraxen: Während bei einer Facharztpraxis unter gewissen Voraussetzungen eine Ausweitung der Patientenfrequenz durch ärztliche Mitarbeit möglich wäre, kann dies bei Allgemeinmedizinern nicht vorausgesetzt werden. "Die Patientenschaft eines Ordinationstages muss in jedem Fall abgearbeitet werden, ob mit oder ohne Lehrpraktikant. Daher vergrößert sich die Patientenfrequenz und somit das mögliche Umsatzvolumen durch die Mitarbeit eines Lehrpraktikanten in einer Allgemeinpraxis wohl kaum", so Mag. Leonhart.

Die Berechnung muss auch die Tätigkeit des Praxisinhabers würdigen

In das Berechnungstool der MEDTAX müssen zahlreiche Parameter eingegeben werden. Zunächst muss der Umsatz der Ordination vor der Lehrpraxis auf die Zahl der Stunden heruntergebrochen werden, die der Ordinationsinhaber mit der Erbringung von verrechenbaren Leistungen zubringt. "Diese Zahl muss dann um einen "Lehrpraxisfaktor" reduziert werden, da der Praxisinhaber einerseits während der reinen Ausbildungszeit mehr Zeit investieren muss, andererseits den Lehrpraktikanten während dessen Tätigkeit am Patienten auch beobachten muss", so Mag. Leonhart weiter.
So ergibt sich neben den direkt für einen Lehrpraktikanten anfallenden Lohn- und Lohnnebenkosten in der Größenordnung von etwa 18 Euro pro Stunde beispielsweise für einen Lehrpraktikanten mit weniger als einem anrechenbaren Turnusjahr noch eine weitere Rechengröße, die man als "Investition des Lehrpraxisinhaber in den Lehrpraktikanten" bezeichnen könnte. "Mit diesem Faktor wird ausgedrückt, wie sich die "Produktivität" der Ordination durch die Ausbildungstätigkeit vermindert. Bei einer durchschnittlichen Allgemeinpraxis mit 1.000 Scheinen und einer Produktivitätsreduktion um 15 Prozent summiert sich der Gesamtstundensatz, der zur wirtschaftlichen Beurteilung der Tätigkeit des Praktikanten verwendet werden muss auf rund 40 Euro", so Mag. Leonhart weiter.

Kaum Umsatzausweitung durch Lehrpraktikanten in Allgemeinpraxen

Nun muss beurteilt werden, welche Produktivität der Lehrpraktikant im Vergleich zum Praxisinhaber bei ärztlicher Tätigkeit erreicht und welchen Anteil seiner Zeit der Lehrpraktikant tatsächlich mit verrechenbarer Arbeit verbringt. Bei 30 Prozent Produktivität und einer "produktiven" Arbeitszeit von zwei Dritteln seiner Zeit ergibt sich eine "Unterdeckung" pro Stunde von etwa 16 Euro. "Der Lehrpraktikant kann niemals die ganzen 35 Stunden "verrechenbar" ärztlich tätig sein. Etwa bei Visiten kann gleichzeitig keine ärztliche Tätigkeit des Praktikanten in der Ordination stattfinden, und wenn er zu Visiten mitfährt, ist immer nur eine einfache Verrechnung möglich."

In Summe ergibt sich so eine Unterdeckung von etwa 10.000 Euro pro Halbjahr bei dieser Konstellation. Bei Berücksichtigung, dass in diesem Zeitraum etwa 15.000 Euro an Lohn- Und Lohnnebenkosten entstehen. "Der Umkehrschluss bestätigt die These, dass in typischen Allgemeinpraxen wohl kaum eine Ausweitung des Umsatzes in der Größenordnung der Kosten von Lehrpraktikanten möglich sein wird. In diesem Fall müsste das mögliche Plus etwa zehn Prozent betragen, und das ist sicherlich eine Illusion."

Wer Ausweitung der Lehrpraxen wünscht, muss sich über die Finanzierung Gedanken machen

Mag. Leonhart resümiert, dass man wohl kaum wird erwarten dürfen, diese Kosten auf die Praxisinhaber umwälzen zu können. "Diese haben, wenn die Ausbildung im Sinne der Gesetzeslage durchgeführt wird, kaum Vorteile durch den Betrieb einer Lehrpraxis. Sollte daher eine Ausweitung der Lehrpraxistätigkeit politisch gewünscht werden, muss man sich aber auch über deren Finanzierung Gedanken machen.
Aus dieser MEDTAX-Analyse geht hervor, dass rund zwei Drittel der Lehrpraxis-Personalkosten gefördert werden müssten, um die Attraktivität seitens der ausbildenden Ärzteschaft zu heben. "Bei der Förderung von zwei Dritteln ergäbe sich ein Nullsummenspiel, bei dem der Praxisinhaber ohne Ausweitung der eigenen Arbeitszeit dem Gesundheitssystem sein Wissen zur Verfügung stellen könnte. Allerdings auch ohne eigenen Vorteil, und das auch noch gratis. Die politisch Verantwortlichen sollten eigentlich danach streben, diese unschlagbare Form der Wissensvermittlung auch zu nutzen. Zumal die Verantwortung, dass in Zukunft genügend gut ausgebildete Ärzte zur Verfügung stehen, wohl bei der Politik und nicht bei der Ärzteschaft liegt", fasst Mag. Leonhart zusammen.

MEDTAX ist das Netzwerk der führenden Ärztesteuerberater in ganz Österreich. Man versteht sich als Kompetenzzentrum für alle Berufsgruppen der Ärzte. Zu den Klienten gehören angestellte Spitalsärzte, Wahlärzte, Kassenärzte, Fachärzte, Zahnärzte und Turnusärzte, aber auch Praxisgemeinschaften, private Krankenanstalten sowie andere Berufe im Gesundheitswesen. Insgesamt werden von der Gruppe zirka 5.000 Ärzte in steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Angelegenheiten vertreten.

Die MEDTAX-Kanzleien:

Ärztetreuhand Dr. Braunschmid, Linz - Graz
Ärzteservice Team Jünger, Innsbruck
"Die Steuerberater", Kenda & Lebersorger, Klagenfurt
Leonhart und Leonhart, Wien
Dr. Scholler & Partner Wirtschaftstreuhand, Wien - NÖ

Homepage: www.medtax.at

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