- 01.07.2010, 19:34:29
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Boni-Beschränkung regt die Banker nicht auf" (von Rainer Strunz)
Ausgabe vom 02.07.2010
Graz (OTS) - Die Meldung klingt gut und macht Mut: Die EU hat
sich jetzt fest vorgenommen, die Boni der Banker zu begrenzen, und
will die verschärften Vorschriften schon im Jänner durchsetzen. Die
Banker hätten gezeigt, dass sie trotz Krise nicht zur
Selbstbeschränkung in der Lage seien, erklärte die britische
Abgeordnete Arlene McCarthy, "dieses Gesetz wird das für sie tun".
Der Laie staunt, der Fachmann wundert sich und forscht weiter. Und
kommt zu dem Punkt, wo es heißt, die Sonderzahlungen - sprich Boni
oder Abfertigungen - müssten in einem angemessenen Verhältnis zum
Gehalt stehen. Das klingt schon etwas weicher, und wenn man dann
weiter liest, dass konkrete Summen nicht festgelegt sind, verfliegt
der anfängliche Optimismus.
Ändern, kann man jetzt schon mit begründetem Pessimismus vermuten,
wird sich nicht allzu viel. Verantwortungsvolle Eigentümervertreter
etwa bei den heimischen Großbanken, wo es die exorbitanten Boni
ohnedies nie gegeben hat, haben die Besoldungsschemata ohnedies schon
in Richtung Langfristigkeit umgestellt, und die Hasardeure am
Finanzmarkt wird man mit dem neuesten Erlass aus Brüssel auch nicht
zu fassen kriegen.
Nicht zuletzt deswegen dürfte sich der Widerstand gegen die
Beschränkung der Banker-Boni auch in sehr engen Grenzen gehalten
haben. Die Finanzlobby, die ansonsten ganze Heerscharen ausschickt,
um sich gegen allzu enge Fußfesseln zu wehren, war bemerkenswert
still, das kann wohl nur einen Grund haben.
Das Boni-Reförmchen reiht sich damit in die Reihe der bis dato zu
nahezu hundert Prozent erfolglosen Bemühungen, den Finanzmarkt auch
nur einigermaßen grundlegend zu reformieren. Das gilt für Europa und
gilt auch die für USA, wo zu Wochenmitte die Wall-Street-Lobby die
Einführung einer milliardenschweren Bankenabgabe verhindern konnte.
Düstere Töne klangen letztlich auch nach dem G8-Gipfel vom
vergangenen Wochenende an. Die angeblich Mächtigen dieser Welt
unternahmen keinen Versuch, die Finanzjongleure in New York, London,
Paris oder Frankfurt zu bändigen, letztlich wurde auf den nächsten
Gipfel in Nizza verwiesen. Der findet allerdings erst im Frühjahr
2011 statt, unter der "Patronanz" von Frankreichs Staatspräsident
Nicolas Sarkozy. Der wird uns das Elend dann mit einer
Superinszenierung an der Cote d'Azur vergessen lassen. Vielleicht
singt sogar Carla Bruni. Das hilft zwar auch nicht, lenkt aber von
den eigentlichen Problemen ab. Wie die Brüsseler
Boni-Beschränkung.****
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