- 28.06.2010, 11:55:54
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"Museum of Revolution": Erste Intervention am neuen 20er Haus von Marko Lulic
Signalrote Schriftskulptur auf dem Dach des zukünftigen Büroturms installiert

Wien (OTS) - Das neue 20er Haus wird Ende 2011 eröffnen und Wiens
Museumslandschaft entscheidend verstärken. Der von Karl Schwanzer für
die Weltausstellung 1958 in Brüssel entworfene Pavillon ist ein
herausragendes Beispiel österreichischer Nachkriegsmoderne und wird
nach Abschluss der Adaptierungsarbeiten als Museum für
österreichische Kunst nach 1945 im Dialog mit internationalen
Positionen vom Belvedere bespielt werden. In Auseinandersetzung mit
internationalen Tendenzen der Gegenwartskunst soll dabei ein Diskurs
entwickelt und gepflegt werden, der in engem Austausch mit der
österreichischen Kunstszene steht und auch die österreichische
Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts reflektiert.
Der Künstler Marko Lulic (*1972) beschäftigt sich auf
unterschiedlichen Ebenen mit Architektur, Denkmal, öffentlichem Raum
und dem Erbe des Modernismus in Ost- und Westeuropa. Er arbeitet mit
Referenzen, (Fehl-)Übersetzungen und Transfers. Auf der Grundlage
formaler Aspekte sowie kultureller, sozialer und politischer Themen
werden Objekten oder Orten durch subtile Verschiebungen des Materials
oder der Begrifflichkeit völlig neue Bedeutungen gegeben.
Ausgangspunkt für das Konzept der Arbeit "Museum of Revolution"
war für Lulic das "Muzej Revolucije" (Museum der Revolution) in
Belgrad, das vom kroatischen Architekten Vjenceslav Richter 1961
entworfen wurde (Richter konzipierte unter anderem auch den
jugoslawischen Pavillon für die Brüsseler Weltausstellung 1958). Das
Revolutionsmuseum wurde nie vollendet, sondern nur bis zur
Kellerdecke fertiggestellt. Als von Buschwerk zugewachsene
"Kellerdeckenruine" steht es auch heute noch vergessen in der
Parklandschaft Neubelgrads. Für Lulic ist dieses Museum ein
Modellfall dafür, wie Träume oder Revolutionen versanden, Manifeste
des Aufbaus sich in Sinnbilder des Verfalls wandeln können.
Lulics heute Vormittag auf der Baustelle installierte Arbeit
"Museum of Revolution" als erste temporäre Intervention für das neue
20er Haus hinterfragt die aktuelle Bedeutung der Begriffe "Museum"
und "Revolution". Im Diskurs zur Bedeutung von Museen im 21.
Jahrhundert fordert er den Betrachter auf, "zu überlegen, was er sich
von dieser Institution in Zukunft erwartet und erträumt". Das Museum
als Behältnis oder dynamisches Labor, die Rolle des Museums in und
für die Gesellschaft werden thematisiert. Lulic beschäftigt sich in
seinen reduzierten Text- und Schriftarbeiten in den letzten Jahren
vorrangig mit Utopien. Revolution ist für ihn ein "emotional
aufgeladener utopischer Begriff", der von jedem Betrachter
unterschiedlich gelesen werden kann und soll. Die "Fehlplatzierung"
des Slogans, angelehnt an die amerikanische Billboard-Idee und
-Ästhetik, "wirft Fragen auf, die nicht beantwortet, sondern an das
Publikum zurückgespielt werden", so Lulic.
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