• 28.06.2010, 08:44:32
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Warnungen sind gut, jetzt handeln wäre besser - von Robert Lechner

Die Chancen sind längst nicht überall erloschen

Wien (OTS) - Das Einzige, was momentan wieder Hochkonjunktur hat,
sind die warnenden Stimmen vor einem neuerlichen wirtschaftlichen
Rückschlag, vor allem in Europa, und einer letztlich extrem zähen
Erholung. Ausgerechnet Österreichs Notenbank (OeNB)-Gouverneur Ewald
Nowotny hat Ende der Vorwoche die Bestätigung für die düsteren
Einschätzungen geliefert. Der Stresstest für die Banken ist offenbar
so schlecht ausgefallen, dass die OeNB sicherheitshalber nach einer
Verlängerung des Rettungspakets ruft. Für Unternehmer ist damit klar:
2010 bleibt hart - und am wenigsten wird auf die Banken Verlass sein.

Untergangsstimmung wäre dennoch fehl am Platz. Statt Trübsal blasen
sind ein paar Hausaufgaben angesagt. Und die beginnen bei den
europäischen Staaten. Die EU sollte langsam die Kraft aufbringen,
sich von Plauder-Projekten wie der Strategie 2020 zu verabschieden,
um die dafür verplante Energie in die Arbeit an einem klaren
Insolvenzprozess für EU-Staaten zu stecken. Je früher so ein
Verfahren steht, umso besser. Gut möglich, dass wir es noch vor
Jahresende für Griechenland brauchen. Trotz aller Beschönigungen und
Hilfsmaßnahmen sind die Renditen für Anleihen, die Athen auflegt,
wieder über die Schmerzgrenze von zehn Prozent hinaufgeschnellt. Erst
ein klarer völkerrechtlicher Rahmen, der vorsieht, dass alle
Gläubiger geschoren werden, wird die griechische Tragödie beenden.
Schließlich wurde vorab ja auch dank höherer Renditen kräftig
mitgeschnitten.

Aus unternehmerischer Sicht empfiehlt sich ein Blick in interessante
Firmen-Biografien. Etwa in jene von General Electric (GE).
Ausgerechnet während der Großen Depression in den 1930er-Jahren wurde
in dem Konzern der Grundstein für den Erfolg gelegt. Die Geheimwaffe
gegen die schlechte Konjunktur war die eigene Finanzsparte. Die half
jenen Kunden aus der Patsche, an die GE glaubte, die aber von den
Banken im Stich gelassen wurden. Ein Modell, das sich im kleineren
Rahmen auch auf KMU übertragen lässt.

Andere wiederum haben ihre Produkte abgespeckt, ohne auf Qualität und
Marketing zu verzichten. Am Ende stand ein guter Deal für die Kunden.
Auch mit Innovation lässt sich immer punkten, wie die Beispiele der
heimischen Zulieferer BMW Motoren und General Motors Powertrain
zeigen.

Nicht einmal für Anleger sind in schwierigen Zeiten sämtliche Chancen
erloschen. Die Geschichte beweist, dass sich etwa Aktien von
Versorgern und Titel aus dem Gesundheitsbereich gerade jetzt
besonders rentieren können.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

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