- 25.06.2010, 16:05:10
- /
- OTS0238 OTW0238
"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: "Würstel gegen Döner und die Wiener SPÖ"
Das Donauinselfest ist die rote Party des Jahres. Die Partei hat's weniger lustig.
Wien (OTS) - Es war einer der größten Irrtümer in der Geschichte
der Wiener ÖVP: Als in den Siebzigerjahren des vergangenen
Jahrhunderts die Donauinsel gebaut wurde, opponierten die Schwarzen
gegen das Projekt - mit der Begründung, es gebe Wichtigeres.
Längst ist aus dem Hochwasserschutz ein gigantisches Freizeitareal
geworden. Alljährlich findet dort die Party des Jahres statt, das
Donauinselfest, das der Schriftsteller Franzobel einen "Krieg Döner
gegen Würstl" nannte. Er meinte damit die kulturelle Vielfalt des
Angebots, die hitzige Atmosphäre, das Amüsement der Massen. Das Fest
ist so erfolgreich, dass es im Ausland imitiert wird, etwa in München
("Isarinselfest".)
Die Wiener SPÖ und die Stadt Wien - eine Trennlinie ist schwer zu
ziehen - sind stolz auf die Veranstaltung. Sie sehen sie als Beitrag
zur hohen Lebensqualität, die immer wieder in Umfragen bestätigt
wird.
Das beste Zeugnis wird Wien regelmäßig bei einer internationalen
Managerbefragung ausgestellt. Da geht es aber nicht um die
Lebenswirklichkeit der Bewohner,sondern um die Bedürfnisse einiger
Führungskräfte.
Keine Frage, Wien ist anders als viele Millionenstädte. Es ist
sicher, sauber, gut verwaltet. Doch es gibt Probleme, die bei der
Gemeinderatswahl im Herbst den Sozialdemokraten auf den Kopf fallen
könnten.
Diesen Schwierigkeiten ist mit subventionierten Events, von der
Donauinsel oder dem Life Ball bis zur Weinverkostung im Rathaus,
nicht beizukommen.
Die Wirtschaftskrise hinterlässt in der Bundeshauptstadt Spuren.
Die Arbeitslosigkeit ist hoch; die Verschuldung steigt; wichtige
Betriebe wandern z. B. nach Niederösterreich ab.
Mit dem Geld der Steuerzahler geht die Stadtregierung eher leger
um. Prestigeprojekte wie der Prater-Vorplatz oder die alte
Hauptfeuerwache sprengten jeden vernünftigen Kostenrahmen. Das
Krankenhaus Nord verteuert sich bereits vor dem Baubeginn.
Die Chance der Fußball-Europameisterschaft wurde vergeben. Wiens
Sportanlagen sind blamabel; um das zu sehen, muss man nicht nach
London oder Barcelona schauen, es reicht Mönchengladbach.
In die Infrastruktur wird seit Jahren zu wenig investiert. Daher
müssen ungezählte Kinder (amtliche Angaben fehlen) in "Pavillons"
sitzen - so nennt die Stadt beschönigend die mehr als 200
Containerklassen.
Dass es mit der Wirtschaft nicht zum Besten steht, sieht man an
immer mehr Stellen: Versiffte Straßenzüge, leer stehende
Geschäftslokale, Abwertung des Angebots.
Dazu kommt das "Ausländerproblem". Es ist ein Faktum, dass in
bestimmten Bezirken und Schulen die Integration ein Fremdwort ist.
Zwanzig Jahre lang wurde die Herausforderung ignoriert. Erst seit ein
paar Monaten gibt es ernsthafte Ansätze zur Besserung.
In den aktuellen Meinungsumfragen sind die Roten deutlich unter der
bisherigen absoluten Mehrheit. Das sind Momentaufnahmen. Doch
zweifellos hat die SPÖ viel Arbeit abseits ihres Fests vor sich.
Rückfragehinweis:
KURIER, Chefredaktion
Tel.: (01) 52 100/2601
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PKU






