Neues Volksblatt: "Utopisch" (von Werner Rohrhofer)

Ausgabe vom 25. Juni 2010

Linz (OTS) - "Ecclesia semper reformanda" - frei übersetzt: Die Kirche sollte eine sein, die sich ständig selbst erneuert. Dieser Grundsatz stammt ursprünglich aus der evangelischen Kirche, er fand aber auch Eingang in den katholischen Bereich. Gerade heute ist der Ruf nach "Erneuerung" in der katholischen Kirche nicht zu überhören. Zuletzt legte die Plattform "Wir sind Kirche" gestern Vorschläge für eine "neue Kirchenverfassung" auf den Tisch. Unter anderem mit der Forderung, "Leiter und Leiterinnen auf allen Ebenen" der Kirche sollten "durch Wahlen" bestellt werden. Wenn man's konkretisiert, heißt das wohl: Bischöfe sollen gewählt werden. Und ihre Amtszeit solle begrenzt sein, eine Wiederwahl solle nur einmal möglich sein. Nun kann und soll es in der Kirche keine "Denkverbote" geben und jeder soll die Möglichkeit haben, Vorschläge vorzubringen. Freilich sollten diese Vorschläge realistisch sein. Fehlt dieser Bezug zur Realität, so endet das Ganze in Frust und Enttäuschung. Und dass selbst in ferner Zukunft die Kirche zu einer "demokratischen" Einrichtung mutieren wird, deren leitende "Funktionäre" (Bischöfe!) vielleicht vom Gottesvolk gewählt werden, das ist sowohl vom theologischen Kirchenverständnis als auch von der kirchlichen Realverfassung her utopisch.

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