• 24.06.2010, 14:18:33
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Karin Küblböck bei AKNÖ-Dialogforum: "Die Löhne sind in Österreich zu niedrig"

AKNÖ-Präsident Haneder sieht Debatte um kürzere Arbeitszeiten mit Lohnausgleich für unvermeidbar

Wien (OTS) - Die kritische Ökonomin und Mitbegründerin von
ATTAC-Österreich, Karin Küblböck, prangerte heute, Donnerstag, beim
V. Dialogforum der Niederösterreichischen Arbeiterkammer die "viel zu
niedrigen Löhne in Österreich an". Die Lohnzurückhaltung in
Deutschland und Österreich ist nach Ansicht der Wissenschafterin "ein
Schuss gewesen, der nach hinten losgegangen ist".

Unter dem Motto "Zeit zum Aufbrechen" befassten sich neben Karin
Küblböck auch die bekannte Wirtschaftsjournalistin Dr. Anita
Staudacher und TU-Professor Hardy Hanappi mit der Frage, wie die
Interessenvertretungen der ArbeitnehmerInnen auf die Umbrüche in der
Arbeitswelt reagieren sollten.
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder sagte gleich zu Beginn der
Veranstaltung: "Wir dürfen nicht im gleichen Trott bleiben, deshalb
sucht die Niederösterreichische Arbeiterkammer so intensiv den
Gedankenaustausch mit kritischen WissenschafterInnen." Haneder selbst
brachte die Themen Arbeitszeitverkürzung und Anhebung der
Mindestlöhne in die Debatte ein.
Für AKNÖ-Direktor Guth wären die Veränderungen in der Arbeitswelt
dann leichter zu bewältigen, "wenn den Menschen etwas mehr Zeit
gegeben würde, um sich anpassen zu können". Diese Anpassungszeit sei
bei früheren Technologiesprüngen eher vorhanden gewesen als heute,
was sich in der raschen "Verkürzung der Halbwertszeit der Bildung
sehr deutlich zeigt". Mehr Mut zu neuen Visionen "stünden auch der
Politik gut an", so der AKNÖ-Direktor, dem es in der krisenbedingten
politischen Auseinandersetzung vor allem um eine
gesamtwirtschaftliche Stabilität geht, die dem Einzelnen genügend
Sicherheit und Einkommen gibt.

Prof. Hardy Hanappi: Arbeitslosigkeit wird noch stärker
zunehmen - Ausbildungszeiten verlängern

Univ.-Prof. Hanappi, Wirtschaftsmathematiker an der TU Wien,
prophezeite für den Herbst eine steigende Arbeitslosigkeit. Auch die
Einkommen der privaten Haushalte sieht Hanappi stark unter Druck
geraten. Den Einwand, der Sozialstaat sei zu teuer, lässt Hanappi
nicht gelten: "Mit den sogenannten Lohnnebenkosten wird die
Infrastruktur finanziert, die von der Allgemeinheit auch in Anspruch
genommen werden kann." Allerdings räumte der TU-Professor ein, "wird
die Lebensarbeitszeit ausgedehnt und die Bildungsdauer verlängert
werden müssen.". Karin Küblböck pflichtete Hanappi bei: "Der
Sozialstaat ist nicht zu teuer - die Steuerlasten sind nur ungerecht
verteilt, alles hängt an der Erwerbsarbeit."
Wirtschaftsjournalistin Dr. Anita Staudacher (Kurier) brach eine
Lanze für die jüngeren ArbeitnehmerInnen und BerufseinsteigerInnen:
"Über Lohngerechtigkeit sollte man neu nachdenken, denn das
Senioritätsprinzip benachteiligt die Jungen, die oft erst mit 30
Jahren eine Anstellung finden."
Das Dialogforum Hirschwang der Niederösterreichischen Arbeiterkammer,
das bereits zum 5. Mal veranstaltet wird, steht für unkonventionelle
Beiträge. An den bisherigen vier Dialogforen der AKNÖ haben bisher
mehrere Dutzend prominente WissenschafterInnen aus mehreren
europäischen Ländern teilgenommen. Darunter Prof. Konrad Paul
Liessmann, Prof. Luise Gubitzer, Dr. Franz Schuh, Dr. Susan George,
Prof. Gunther Tichy, Prof. Eckhard Hildebrandt, Jutta Allmendinger
(beide Berlin), Peter Auer (ILO, Genf).

Rückfragehinweis:
Peter Sonnberger
AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (01) 58883-901247
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

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