"KURIER"-Kommentar von Josef Votzi: "Schönborns Notbremse"

Wiens Kardinal empfiehlt sich als Krisen-Manager bald für höhere Weihen.

Wien (OTS) - Für Irlands Bischöfe hören die Katastrophenmeldungen nicht auf.
20 Millionen Euro mussten sie für Opfer sexuellen Missbrauchs aufbringen. Die Wut über das missbrauchte Vertrauen vieler Gläubiger war damit bislang nicht wiedergutzumachen. Denn die Bischöfe hatten bis zuletzt gemauert. Kircheninsider berichten besorgt von sich leerenden Gotteshäusern und tiefem Misstrauen gegen die irischen Gottesmänner.
Wiens Kardinal Christoph Schönborn hatte die Insel der Unseligen vor Augen, als er zu Ostern die Notbremse zog: Sein öffentliches Schuldeinbekenntnis im Stephansdom erregte weit über Österreich hinaus Aufsehen. Jetzt legt er klare Regeln zum Umgang mit Tätern vor und richtet eine "Stiftung Opferschutz" ein. Nach dem ersten mutigen Schritt hält Schönborn - auch gegen Zurufe von Bedenkenträgern in den eigenen Reihen - Kurs: Aufklärung statt Vertuschung.
Bis Jahresende will schlussendlich die von ihm eingesetzte Klasnic-Kommission ihren Bericht vorlegen. Und die Gretchenfrage beantworten, wie zufriedenstellend die Opfer hierzulande entschädigt werden. Dann wird klar sein, ob sich Wiens Erzbischof endgültig als Krisenmanager für höhere Weihen in Rom qualifiziert hat.

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