Missbrauch: Zahl der Kontaktnahmen bei Ombudsstellen rückläufig

Von den insgesamt 910 Kontakten österreichweit seit Jänner bezieht sich nur ein Teil auf tatsächliche Missbrauchsfälle

Wien, 23.06.10 (KAP) Einen deutlichen Rückgang der Kontaktnahmen verzeichnen die kirchlichen Ombudsstellen seit dem Beginn der kirchlichen Missbrauchskrise. Der Leiter der Wiener Ombudsstelle, Prof. Johannes Wancata, gab am Mittwoch "Kathpress" gegenüber bekannt, dass es im Monat Mai österreichweit insgesamt 87 Kontakte mit den kirchlichen Ombudsstellen gab. Im April waren es noch 287 Kontakte und in den Monaten davor habe es 566 Kontakte mit allen Ombudsstellen gegeben, fast alle davon im März.

Kontakte mit den Ombudsstellen seine aber keinesfalls mit wirklichen Fällen von Gewalt bzw. sexuellem Missbrauch gleichzusetzen, betonte Wancata. Neben der Meldung von konkreten Ereignissen gäbe es auch viele Anfragen, vage Schilderungen oder Doppelmeldungen, die Teil der Gesamtzahl der bisher 910 registrierten Kontakten mit den Ombudsstellen sind. "Derzeit gibt es in allen Ombudsstellen viele Gespräche mit den Klientinnen und Klienten, um rasch zu klären, wo es sich wirklich um Fälle von Missbrauch oder Gewalt handelt, damit den Opfern rasch geholfen werden kann", beschrieb Prof. Wancata die Vorgangsweise.

"Die allermeisten Kontakte beziehen sich auf Vorfälle, die sich im Zeitraum von den 1960er bis in die 1980er Jahre ereignet haben sollen", sagte Wancata. Bei rund drei Prozent aller Kontakte sei derzeit anzunehmen, dass sie im strafrechtlich Sinn nicht verjährt seien. "Es zeigt sich auch, dass sich die Fälle von Gewalt mit jenen von sexuellem Missbrauch in etwa die Waage halten", erläuterte er zu den bisherigen Erhebungen der kirchlichen Ombudsstellen.

Die meisten Kontakte gab es laut Wancata bei der Ombudsstelle der Erzdiözese Wien, die seit Jahresanfang 293 Kontaktnahmen zu verzeichnen hat. Es folgen die Ombudsstellen der Diözese Innsbruck mit 148 Kontakten, Linz mit 122 Kontakten, Graz-Seckau mit 92 Kontakten, Salzburg mit 82 Kontakten, Gurk-Klagenfurt mit 51 Kontakten, St. Pölten mit 50 Kontakten, Eisenstadt mit 41 Kontakten und Feldkirch mit 31 Kontakten seit Jänner.

"Die kirchlichen Ombudsstellen haben offensichtlich das Vertrauen der Betroffenen, und gleichzeitig haben die Kontaktnahmen signifikant abgenommen", fasste Wancata die Situation zusammen.

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