Beatrix Karl verleiht hohe Auszeichnungen - Bereicherung für den Wissenschaftsstandort Österreich

Siegfried Kaspar, Günter Stemberger, Günter Virt, Bernhard Schmid, Elisabeth Lebensaft und Gert Schmidt von Ministerin ausgezeichnet

Wien (OTS) - Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr. Beatrix Karl überreicht heute Nachmittag im Audienzsaal des Wissenschaftsministeriums hohe staatliche Auszeichnungen an Siegfried Kaspar, Günter Stemberger, Günter Virt, Bernhard Schmid, Elisabeth Lebensaft und Gert Schmidt. "Mit ihrem wissenschaftlichen Engagement bereichern sie nicht nur den Wissenschaftsstandort Österreich - ihre Arbeit strahlt weit über die heimischen Grenzen hinaus", betont die Ministerin. Die Ausgezeichneten decken eine breite Palette an Forschungsgebieten ab -von der Theologie über die Judaistik und Ethik bis hin zu Medizin, Neurowissenschaften und Technik.

O. Univ.-Prof. DDr. H.c. Siegfried Kasper wird mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet. Er ist im Einklang mit der berühmten Schule der Wiener Medizin auf dem Gebiet der Psychiatrie, Psychotherapie und Neurowissenschaften tätig. Ziel seiner Forschung ist es, die biologischen Grundlagen seelischer Erkrankungen herauszufinden und eine daraus ableitbare effiziente Behandlung der Patientinnen und Patienten. Schon vor Einführung der nun weltweit angewandten Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer hat Professor Kasper durch seine Untersuchungen die serotonergen Stoffwechselwege im zentralen Nervensystem der Patient/innen untersucht und den dabei auftretenden Serotonin-Mangel festgestellt, woraus sich eine logische symptomatische Behandlung ableiten lässt. Er ist übrigens der einzige österreichische Universitätsprofessor der Psychiatrie, der je einer der großen internationalen psychiatrischen Fach-Gesellschaften vorgestanden hat. Professor Kasper war für die Periode von 2005 bis 2009 Präsident der World Federation of Societies of Biological Psychiatry, einer der drei weltweit führenden Gesellschaften auf dem Gebiet der Psychiatrie. Er kann überdies die meisten wissenschaftlichen Publikationen als Universitätsprofessor für Psychiatrie in Österreich vorweisen. Seit 2007 leitet Professor Kasper die Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien.

Mit dem Großen Silbernen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich wird auch Em. O. Univ.-Prof. Dr. h.c. Dr. Günter Stemberger geehrt. Er hat durch seine besonderen Verdienste auf dem Gebiet der Judaistik dem gleichnamigen Wiener Institut zu großem internationalen Ansehen verholfen. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte, die Literatur und die Religion des Judentums in der Spätantike und im Frühmittelalter; Professor Stemberger ist korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Er begann seine Karriere als Wissenschaftlicher Assistent an der Duke University in Durham, USA. Nach einem Forschungsaufenthalt in Israel folgt 1977 die Ernennung zum Außerordentlichen Universitätsprofessor für Judaistik mit besonderer Berücksichtigung des antiken Judentums an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, 1994 wurde er zum Ordentlichen Universitätsprofessor für Judaistik an der Universität Wien ernannt, wo er bis zur Emeritierung im September des Vorjahres erfolgreich lehrte. Professor Stemberger gilt als hervorragender, international anerkannter Fachmann in dem von ihm vertretenen Bereich der Klassisch-Jüdischen Literatur. Er ist einer der Gründungsmitglieder der European Association for Jewish Studies. Seine Arbeitsschwerpunkte in Forschung und Lehre liegen auf den Gebieten der talmudischen Zeit und der rabbinischen Literatur, Gastvorlesungen führten ihn dazu nach Straßburg und Granada. In der Lehre befasste er sich vor allem mit der Schaffung der methodischen Voraussetzungen für eine traditionskritische und historische Bearbeitung rabbinischer Texte durch synoptische Lektüre.

Über die Auszeichnung mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse darf sich Em. O. Univ.-Prof. Dr. Günter Virt freuen. Virt, ein prononcierter Vertreter der sogenannten "Autonomen Moral", hat wesentlich zur Weiterentwicklung theologischer Ethik nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil beigetragen. Die Öffnung für die Anliegen der Welt hat einen fruchtbaren Dialog zwischen der Katholischen Kirche und der modernen westlichen Gesellschaft in vielen Problembereichen ermöglicht. Professor Virt markiert mit seiner Tätigkeit, insbesondere der Gründung des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin, den Beginn der systematischen Forschung im Bereich der Medizin- und Bioethik in Österreich. Er widmete sich viele Jahre der Aufgabe, den interdisziplinären Dialog der Wissenschaften über aktuelle Probleme der Medizin und der biologischen Forschung auszubauen und ethisch zu reflektieren. Das Institut für Ethik und Recht in der Medizin, dem Professor Virt nach seiner Emeritierung weiter als wissenschaftlicher Beirat angehört, leistet auf diesem Feld wissenschaftliche Pionierarbeit. Er ist auch weiterhin in die Lehrtätigkeit und Lehrentwicklung an der Medizinischen Fakultät eingebunden. Virt konzipierte etwa die Ethikaus- und -fortbildung für Mediziner/innen und für Lehrende an Krankenpflegeschulen. Seit Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist er Mitglied der Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik. Außerdem ist Virt einer der Gründer der European Society for Catholic Theology.

Mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst wird eine Persönlichkeit ausgezeichnet, die sich ganz besonders auf den Gebieten der Hydrologie und Hydraulik engagiert: Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Bernhard Schmid. Gemeinsam mit dem Leiter des Instituts für Wasserbau und hydrometrische Prüfung des Bundesamtes für Wasserwirtschaft hatte er die wissenschaftliche Leitung des EU-Forschungsprojektes PRIMROSE in Österreich (5. Rahmenprogramm der EU) inne. An diesem Forschungsprojekt haben Wissenschaftler/innen aus den Ländern Norwegen, Schweden, Finnland, Estland und Polen teilgenommen. Dabei wurden verschiedene Vorgänge in Pflanzen-Klär-Teichen sowie ihre Gesetzmäßigkeiten und Vorhersagbarkeit untersucht. Professor Schmid konnte dabei Kriterien formulieren, unter welchen Bedingungen mit Dichteschichtungen zu rechnen ist, die einen nachteiligen Einfluss auf die Reinigungsleistung der Anlagen haben. Diese Ergebnisse wurden auch von der internationalen Fachwelt mit großem Interesse aufgenommen, wodurch die österreichische Forschungstätigkeit international Anerkennung erfahren hat. Bernhard Schmid wird aufgrund seiner Forschungsergebnisse laufend von ausländischen Institutionen und Fachzeitschriften um die Beurteilung von Forschungsvorhaben und Arbeiten anderer Wissenschaftler/innen ersucht. Zudem ist Professor Schmid Mitglied bei zahlreichen fachspezifischen Vereinigungen, wie der Österreichischen Gesellschaft für Hydrologie, der International Association of Hydrological Sciences, dem Österreichischen Wasser-und Abfallwirtschaftsverband sowie der Associazione Idrotecnica Italia.

Dr. Elisabeth Lebensaft wird mit dem Berufstitel "Professorin" geehrt. Sie war von 1970 bis 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kommission für die Ausarbeitung eines Österreichischen Biographischen Lexikons an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig, von 1997 bis zu ihrer Pensionierung stellvertretende geschäftsführende Direktorin des Instituts. Ihr Aufgabenbereich bestand in erster Linie in der wissenschaftlichen Betreuung diverser Fachgebiete des Lexikons, ab 1997 in der Mit- bzw. Alleinverantwortung der Gesamtredaktion einzelner Lieferungen des "Österreichischen Biographischen Lexikons". Ihre Fachkompetenz manifestiert sich auch in zahlreichen Lemmata für in- und ausländische biographische Lexika und Handbücher, etwa für das Brucknerhandbuch oder das Österreichische Musiklexikon und das erste österreichische biographische Frauenlexikon "biografiA". Für letzteres war sie übrigens Initiatorin gemeinsam mit einer Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Bibliothekarinnen. Neben ihrer redaktionellen Haupttätigkeit hatte Dr. Lebensaft Gelegenheit, sich sowohl inhaltlich wie organisatorisch an Ausstellungen und Symposien einzubringen und in der Anbahnung von nationalen und internationalen Kooperationen wissenschaftlicher Art federführend zu sein. Neben der Veröffentlichung historischer und germanistischer Beiträge, wie etwa über den Werdegang Heimito von Doderers am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, hat sie sich in den letzten fünfzehn Jahren große Kompetenzen auf dem Gebiet der Exilforschung erarbeitet. Zahlreiche Veröffentlichungen zu diesem Thema und ihre wissenschaftliche Beiratstätigkeit für die Österreichische Gesellschaft für Exilforschung legen darüber Zeugnis ab.

Mit dem Berufstitel "Professor" wird auch Gert Schmidt ausgezeichnet, der sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema "Spielerschutz" befasst. Er hat dabei die ethischen Aspekte des Glücksspiels in besonderer Weise vertreten und immer versucht, gegen illegale Betreiber Maßnahmen zu setzen, wie etwa Initiativen für parlamentarische Anfragen, Begleitung der Novellierung des Glücksspielgesetzes im Sinne des Spielerschutzes, durch zahlreiche Auftritte in der Öffentlichkeit sowie durch Anregung von Musterverfahren und Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft. Seine Aktivitäten, die den Zusammenhang von Spiel, Spielsucht und Ethik deutlich herausstellten, erforderten auch in Hinblick auf den rechtlichen Rahmen mutige Entscheidungen. In seinen wissenschaftlichen Arbeiten setzt sich Schmidt sehr engagiert mit den sozialen Dimensionen des Glücksspiels und mit Präventionsmaßnahmen zum Spielerschutz auseinander. Er hat dadurch ein geschärftes Problembewusstsein bei entsprechenden öffentlichen Stellen und in der medialen Diskussion geschaffen. Schmidt ist auch Herausgeber und Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins "ERFOLG".

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