- 23.06.2010, 09:21:15
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GLOBAL 2000: EU-weite Offensive gegen gefährliche Kunststoff-Chemikalie BPA
WissenschaftlerInnen und NGO fordern: EFSA muss jetzt lückenhafte Risikobewertung revidieren - Verbot von BPA in Babyartikeln - Minister Stöger bisher untätig
Wien (OTS) - Die Europäische Behörde für Ernährungssicherheit
(EFSA) hat eine Neubewertung der Kunststoff-Chemikalie Bisphenol A
angekündigt, die voraussichtlich im Juli veröffentlicht werden soll.
Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, zahlreiche namhafte
WissenschafterInnen und NGO fordern heute in einem gemeinsamen
Schreiben die EFSA auf, ihre bisherige lückenhafte Risikobewertung zu
revidieren. "Zahlreiche unabhängige wissenschaftliche Studien
belegen: Bisphenol A steht unter dem akuten Verdacht bereits in
kleinsten Dosen in das menschliche Hormonsystem eingreifen zu können
und damit unsere Gesundheit zu gefährden. Trotzdem bezieht sich die
EFSA bisher in ihrer Risikobeurteilung hauptsächlich auf zwei, von
der Plastikindustrie finanzierte Studien. Hier wird seit Jahren im
Sinne der Kunststoffindustrie fahrlässig verharmlost", empört sich
Daniela Hoffmann, Chemieexpertin von GLOBAL 2000. "Wir fordern eine
Neubewertung von BPA, die sämtliche wissenschaftliche Studien
einbezieht", so Hoffmann.
Bisphenol A ist mit einem weltweiten Produktionsvolumen von ca. 3,8
Millionen Tonnen pro Jahr, eine der meist produzierten synthetischen
Chemikalien. "Die Belastung der Bevölkerung und besonders die
Belastung von Kindern muss minimiert und möglichst verhindert werden.
Das gebietet das Vorsorgeprinzip", so Hoffmann. Aufgrund seiner
hormonähnlichen Wirkung kann Bisphenol A in die
geschlechtsspezifische Gehirn- und Organentwicklung eingreifen. Neben
Krankheiten, wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen, Endomitriose,
Brustkrebs und fortpflanzungsbezogenen Dysfunktionen kann auch eine
Verbindung von BPA Belastung und Verhaltensauffälligkeiten bei
Kindern nicht ausgeschlossen werden. Aufgenommen wird die Chemikalie
über Verunreinigungen in Lebensmitteln, die meist über BPA-haltige
Verpackungsmaterialien (Polycarbonat Kunststoffe und Epoxidharze) in
unsere Nahrung gelangen.
EU-Mitgliedsstaaten verhängen BPA-Verbot - Österreich untätig
Einzelne EU-Mitgliedsstaaten haben bereits gesetzliche Maßnahmen zur
Einschränkung von BPA, vor allem in Produkten für Kinder,
eingeleitet. Norwegen beabsichtigt, wegen der Auswirkungen auf die
Reproduktion, den Gehalt von BPA in Verbraucherprodukten auf 0,0025
Prozent zu beschränken. Dänemark hat im März 2010 ein vorläufiges
Verbot für Gegenstände erlassen, die BPA freisetzen können und
Kontakt zu Lebensmitteln für Kinder haben. Dies betrifft
Lebensmittelverpackungen, Kinderbecher und Kinderflaschen. In
Frankreich hat im März 2010 der Senat eine Gesetzesvorlage zum Verbot
von Trinkflaschen, die auf Basis von BPA hergestellt wurden,
gebilligt. "Österreich hat sich bisher auf die wissenschaftlich
wiederlegten Angaben der EFSA verlassen. Minister Stöger darf nicht
länger untätig bleiben. Vor allem Babys und Kinder müssen endlich vor
BPA geschützt werden. Eine hormonell wirkende Chemikalie hat in Baby-
und Kinderartikel nichts verloren und muss auch in Österreich
verboten werden", fordert Hoffmann.
GLOBAL 2000 empfiehlt auf Lebensmittelbehältnisse aus Polycarbonat
(z.B. Babyfläschchen gekennzeichnet mit PC oder dem Recyclingcode 07)
und auf Getränke- und Konservendosen (oft mit Epoxiden beschichtet)
zu verzichten und besonders Kleinkinder vor möglichen Bisphenol A
Quellen (z.B. Schnuller ohne BPA-frei Kennzeichnung) zu schützen.
Brief an die EFSA:
http://www.global2000.at/module/media/data/global2000.at_de/content/P
lastic_Planet/Letter_to_CEF_EFSA_Panel.pdf_me/Letter_to_CEF_EFSA_Pane
l.pdf
Rückfragehinweis:
Simonne Baur, Tel.: 0699/14 2000 23, Jens Karg, Tel.: 0699/14 2000 20, E-Mail: [email protected]
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