WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Propheten des "Double Dip" - von André Exner

Europa ist stark und wird auch eine zweite Rezession überleben

Wien (OTS) - Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Milliarden,
die Europa seit der Lehman-Pleite in die Hand genommen hat, um seine Banken vor dem Kollaps zu retten, rächen sich jetzt: Wenn man Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert, zahlt die Zeche der Steuerzahler. Da grenzt es fast schon an Frechheit, dass sich die Chefs von manchen Banken damit brüsten, bei den Stresstests besonders gut wegzukommen. Wer wird sich als nächstes selbst loben, vielleicht die griechischen Banker? Fakt ist: Ohne die Milliarden, die sie vom Steuerzahler bereits bekommen haben und in Zukunft noch bekommen wollen, wären die meisten Banken in Europa schon längst pleite. Auch solche, die direkt keine Staatshilfe bekommen haben.

Undank ist der Welten Lohn. Die Milliarden, die sie bekommen haben, verwenden die Banken, um ihre Leichen im Keller noch tiefer zu vergraben oder um sie bei der EZB zu bunkern. Für Kredite bleibt nichts übrig - Stichwort "Risiko" - , da ist es willkommen, dass man sich jetzt auf die Bankensteuer ausreden kann. Wie 2008 und 2009 jeder Managementfehler auf die Krise geschoben wurde, werden in den kommenden Jahren einfach die böse Bankensteuer und ihr Cousin, die Finanzmarktregulierung, als Erklärung dafür herhalten müssen, warum die Kreditklemme immer ärger wird.

Bankenrettung, Defizit, Sparpaket, Konsumflaute, Rezession, Deflation, Gelddrucken, Hyperinflation, Krieg: So sieht das Drehbuch nach dem "Zweiten Akt der Wirtschaftskrise" (George Soros) aus, das nicht mehr nur Krisenprofiteure und -propheten wie er und Nouriel Roubini an die Wand malen, sondern auch immer mehr Wirtschaftstreibende und Banker - Letztere natürlich immer nur in privaten Gesprächen, versteht sich von selbst. Gerne wird auch der arme Joseph Schumpeter zitiert, der seine "schöpferische Zerstörung" ja in einem ganz anderen Kontext sah - nämlich als Chance für eine Neuausrichtung eines maroden Systems - und nicht als Ausrede dafür, wie Dagobert Duck auf den Goldvorräten zu sitzen, während die Welt vor die Hunde geht.

Es stimmt, Europa ist dabei, sich gesundzusparen. Aber das bedeutet nicht, dass die Welt untergeht. Sondern nur, dass man endlich die Schuldenberge abbaut - wenn nicht die Banken, dann eben die Bürger. Europa ist reich, Europa ist stark, Europa hat sich seit Jahrzehnten einen Wohlstandspolster aufgebaut. Selbst wenn die zweite Rezession kommt, werden wir sie überleben. Siehe Finnland: Das Land ist schon im "Double Dip" und hat trotzdem weiter ein "Triple A" und niedrige Finanzierungskosten.

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