• 20.06.2010, 19:18:36
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Obama und die fatale Ölspur auf dem Golfplatz" (Von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 21.6.2010

Graz (OTS) - Barack Obama, der Mann, der Amerika mit seinem
Optimismus die Hoffnung zurückgegeben hat, der begnadete Rhetoriker,
der instinktreiche PR-Stratege, zeigt plötzlich Schwächen. Just in
jener Region, in der sein Vorgänger George W. Bush nach dem Hurrikan
"Katrina" als Krisenmanager gescheitert ist, tappt der US-Präsident
jetzt ungeschickt durch den öligen Schlamm an der Golfküste.

Schon seine Rede an die Nation in der Vorwoche enttäuschte viele
Amerikaner. Vom Ziel, binnen "Tagen oder Wochen" einen Großteil des
ausfließenden Öls einfangen zu können, sprach der Präsident. Von
einem Treuhandfonds, den BP zu füllen, aber nicht zu verwalten hat.
Und von einer Zukunft mit sauberer Energie.

Doch selbst für linksliberale US-Medien traf er dabei nicht den
richtigen Ton. Planlos, wie alle bisherigen Versuche, das Bohrloch zu
stopfen, sei die 18-minütige Rede gewesen, kritisierten sie. Weder
habe Obama gesagt, was er konkret zu unternehmen gedenke, noch sei
ein Hauch von Selbstkritik zu spüren gewesen.

Nach dieser für einen Rhetoriker wie Barack Obama eher matten
TV-Ansprache leistete sich der Präsident nun zu allem Überfluss einen
weiteren medialen Bauchfleck im Ölsumpf: Staunend sah man via
Fernsehen ihn und seinen "Vize" Joe Biden bei einer Tätigkeit, die
nicht darauf schließen ließ, dass sich Amerikas Führung derzeit sehr
intensiv mit der Ölkatastrophe beschäftigt: beim entspannten
Golfspiel.

Das wäre vielleicht nicht so arg, wenn nicht zur gleichen Zeit Obamas
Stabschef Rahm Emanuel BP-Chef Tony Hayward mit ätzenden Worten
bedacht hätte, weil sich der beurlaubte Öl-Boss derzeit gut gelaunt
bei einer Segelregatta vor Großbritannien vergnügte: "Ich glaube, wir
kommen alle zu dem Schluss, dass Tony Hayward nicht vor einer
Zweitkarriere als PR-Berater steht", witzelte Emanuel.

Jetzt dürfte der Stabschef des Weißen Hauses wohl krampfhaft
überlegen, wie er der Öffentlichkeit nun erklären soll, dass der
Eindruck entstanden ist, der Präsident halte es mit dem BP-Chef: Die
Katastrophe kann warten. Hauptsache, ich verbringe ein nettes
Wochenende.

Barack Obama muss aufpassen. Im kommenden November gilt es für seine
Partei, bei der Kongresswahl ihre Mehrheiten zu verteidigen. Das wird
ihr aber nur gelingen, wenn der Präsident vermittelt, er sei stets
Herr der Lage und unermüdlich damit beschäftigt, die Öl-Pest in den
Griff zu bekommen.

Derzeit erweckt er diesen Eindruck nicht.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung, Redaktionssekretariat, Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047, mailto:[email protected], http://www.kleinezeitung.at

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